Ein verzerrtes Deutsche Bank-Logo spiegelt sich in einer Hochhausfassade
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Kahlschlag Deutsche Bank streicht mehr als 7.000 Stellen

Stand: 24.05.2018, 08:21 Uhr

Jetzt ist es amtlich. Die Deutsche Bank streicht tausende Stellen und richtet sich neu aus. Aber der neue Kurs kostet zunächst einmal viel Geld. Viel Gesprächsstoff auf der heutigen Hauptversammlung in Frankfurt.

Was am Mittwoch bereits durchgesickert war, ist am Morgen von der Deutschen Bank bestätigt worden. Der neue Bankchef Christian Sewing macht Ernst und streicht tausende von Stellen, vor allem im volatilen Investmentbanking. Eine genaue Zahl wurde nicht genannt, aber die Richtung ist vorgegeben. Die Zahl der Mitarbeiter soll von derzeit etwas über 97.000 auf deutlich unter 90.000 sinken. Damit könnte jeder zehnte Job in der Bank auf der Kippe stehen. Der Umbau kostet aber zunächst Geld. Der Vorstand rechnet mit Kosten von bis zu 800 Millionen Euro, wodurch das Ergebnis des laufenden Jahres "beeinträchtigt" werde.

Handel besonders betroffen

Einen Großteil der Stellenstreichungen wird es im Aktienhandel geben. Dort sollen weltweit ein Viertel der Stellen dem Rotstift zum Opfer fallen. Der neue Bankchef Christian Sewing hatte bereits bei seinem Amtsantritt angekündigt, dass die Bank vor allem in den USA deutlich abspecken will.

Christian Sewing

Christian Sewing. | Bildquelle: Imago

Im Finanzierungsgeschäft mit Hedgefonds soll das Bilanzvolumen um ein Viertel verkleinert werden, das entspräche einem Rückgang von 50 Milliarden Euro. Insgesamt soll das Bilanzvolumen der Bank um insgesamt 100 Milliarden Euro verkleinert werden, das ist rund ein Zehntel der Bilanzsumme von derzeit 1,050 Milliarden Euro. Der Großteil des Abbaus soll 2018 erfolgen.

"Wir stehen zu unserer Unternehmens- und Investmentbank und bleiben international – daran werden wir nicht rütteln", sagte Sewing. "Aber wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir wirklich gut können." Strategisch will sich das Management künftig wieder verstärkt auf das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden konzentrieren.

Kosten sollen deutlich sinken

Aber nicht nur die Investmentbank ist betroffen, die Einsparungen sollen durch den ganzen Konzern gehen. Für das laufende Jahr sollen die Kosten der Bank die Marke von 23 Milliarden Euro nicht überschreiten, für 2019 ist ein Rückgang auf 22 Milliarden Euro anvisiert.

Deutsche Bank Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Paul Achleitner. | Bildquelle: picture alliance / Boris Roessler/dpa

Das Renditeziel wurde bestätigt. Angestrebt wird eine Verzinsung des Eigenkapitals (RoTE) von rund zehn Prozent nach Steuern. Dieses Ziel soll ab dem Jahr 2021 erreicht werden. Der Wert soll zukünftig weiter gesteigert werden. der weitere Verkauf von Geschäftsteilen sei nicht geplant, teilte die Bank weiter mit.

Stürmische Hauptversammlung in Sicht

Hörfunk-Moderatorin Franka Welz
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Börse 11.00 Uhr Deutsche Bank HV: Achleitner kämpferisch

Heute ab 10:00 Uhr treffen sich die Aktionäre in der Frankfurter Festhalle. Dabei ist erneut eine Generalabrechnung mit der Bankführung zu erwarten. Vor allem Aufsichtsratschef Paul Achleitner steht unter Druck, nachdem er sich Anfang April in einer Hauruck-Aktion von Sewings glücklosem Vorgänger John Cryan getrennt hatte. Es soll eine Dividende von 0,11 Euro beschlossen werden.

Die Börse ist skeptisch

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,91
Differenz relativ
+0,56%

Bei den Anlegern ist der Funke noch nicht übergesprungen. Das Deutsche Bank-Papier, zuletzt durch zahlreiche negative Analystenkommentare zusätzlich belastet, dümpelt knapp unter der Marke von elf Euro. Die gesamte Börsenbewertung liegt damit im Vergleich zur angelsächsischen Konkurrenz bei mickrigen 22,5 Milliarden Euro - das sind Peanuts im Vergleich zu den Bewertungen der globalen Platzhirsche JPMorgan Chase (325,5 Milliarden Euro) oder Goldman Sachs (75,4 Milliarden Euro).

rm

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Das sind die größten Baustellen der Deutschen Bank Der neue Chef muss aufräumen

Gebühren, Kosten - alle wollen Geld

Kosten reduzieren
Die Deutsche Bank hat im Vergleich zu anderen Geldinstituten ein gravierendes Kostenproblem. Die Einnahmen der Bank sind in der jüngsten Vergangenheit stärker gesunken als die bereinigten Kosten. Das Geldinstitut musste 2017 rund 90 Cent ausgeben, um einen Euro zu verdienen - gut 11 Cent mehr als 2015. Um die Kosten zu senken, will sich die Bank von rund 10.000 Mitarbeitern, also einem Zehntel der Belegschaft, trennen und den Aktienhandel massiv eindampfen. Gerüchten zufolge plant die Bank außerdem, weitere 188 der 723 Filialen im Privatkundengeschäft zu schließen.