Aktie im freien Fall K+S droht weiteres Horrorjahr

Stand: 24.01.2020, 14:40 Uhr

Für die Aktionäre des Kasseler Salz- und Kalikonzerns K+S kommt es knüppeldick. Obwohl sich das Papier bereits in den Vorjahren als einer der schlimmsten Wertvernichter der Dax-Familie erwiesen hat, geht die Talfahrt weiter. Analysten machen Lösungsvorschläge.

Allein in dieser Woche verlor das Papier fast 15 Prozent an Wert, rutschte erstmals seit Anfang 2005 unter die Marke von 9,00 Euro. Den Nackenschlag erhielt die Aktie von den Analysten der Bank of America. Die nahmen die Bewertung am Mittwoch mit "Underperform" wieder auf - und senkten das Kursziel auf bescheidene 4,20 Euro.

Das ist nicht nur weniger als die Hälfte des aktuellen Kurses. Es liegt auch weit unter den allgemeinen Erwartungen der anderen Analysten. Deren Spanne liegt zwischen 9,50 und 17 Euro. Am Donnerstag hatte auch Analyst Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe sein Kursziel für K+S drastisch gesenkt, von 11,00 auf 6,50 Euro.

Kaliwerk in Kanada treibt Verschuldung auf Rekordhoch

Grund für die Misere bei K+S ist eine milliardenschwere Expansion in ein neues Kaliwerk in Kanada. Deren Eröffnung hatte sich wiederholt verzögert und wurde immer teurer. Gleichzeitig kämpfte das Unternehmen mit fallenden Kalipreisen und Produktionsausfällen. Ein Teufelskreis, der die Verschuldung in schwindelerregende Höhen trieb. Seitdem machen Spekulationen über eine Kapitalerhöhung und Verkäufe von Unternehmensteilen die Runde, während der Aktienkurs in den Keller rauscht.

In diesem Jahr droht dem Dünger- und Salzkonzern ein Rutsch in die Verlustzone, sollten sich die Preise nicht endlich erholen. Analyst Gabriel erwartet einen Rückgang des Ebitda auf 524 Millionen Euro, nach bisher erwarteten 732 Millionen Euro. Dadurch drohe dem Unternehmen ein Nettoverlust.

Komplettrückzug aus Amerika?

Damit steht das Management unter Druck, auf die sich verschlechternde Lage zu reagieren und einen weiteren Verfall der Aktie zu stoppen. Um die Schuldenlast zu mildern, sollen Unternehmensteile verkauft werden. Das wird den Analysten zufolge aber nicht ausreichen.

Nur ein Komplettverkauf der Aktivitäten in Amerika für geschätzte zwei Milliarden Euro würde die Möglichkeit für einen Schuldenabbau und eine Verbesserung der Bonität ermöglichen, urteilt Experte Marc Gabriel.

Schlusslicht im MDax

Auch die Bank of America-Analysten halten einen Teilverkauf des Salzgeschäfts in Amerika für unzureichend. Denn: In den Jahren 2020 bis 2023 sei die Sparte im Grunde der einzige Barmittelbringer für K+S. "Dies impliziert, dass die verbleibenden Vermögenswerte noch mehr Bargeld verbrennen". Zudem würde die Abhängigkeit vom stark schwankenden Düngemarkt wachsen.

K+S steht schon seit Jahren unter Druck: Vom Rekordhoch der Aktien bei gut 97 Euro zu Zeiten des Düngerbooms kurz vor der Weltfinanzkrise sind bis heute weniger als zehn Prozent übrig. 2019 waren die Anteilsscheine mit einem Minus von mehr als 29 Prozent das Schlusslicht im Index der mittelgroßen Werte MDax.

Die letzte größere Kurserholung gab es 2015, als der kanadischen Wettbewerber Potash ein Auge auf die Kasseler geworfen hatte. Allerdings gab Potash - das mittlerweile mit Agrium zu Nutrien fusioniert ist - die Pläne wegen des Widerstands des Managements von K+S sowie einer Eintrübung des Kali-Marktumfeldes auf.

lg