Jungheinrich-Gabelstapler

Gabelstapler doch nicht gefragt? Jungheinrich warnt vor schwachem Jahr

Stand: 18.12.2019, 11:35 Uhr

Nachfragedelle und wirtschaftliche Schwäche: Beim Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich füllen sich die Auftragsbücher deutlich weniger als erhofft. Die Aktie geht am Mittwoch auf Talfahrt und nimmt die des deutschem Mitbewerbers Kion gleich mit.

Bei Kion, das im MDax notiert, fällt das Kursminus mit knapp sechs Prozent noch vergleichsweise moderat aus. Dagegen werden die schlechteren Geschäftsaussichten bei Jungheinrich, dessen Aktie im SDax notiert, gnadenlos bestraft: Um 20 Prozent bricht der Kurs bis zum Mittag ein. Der Titel, der sich nach langem Niedergang seit Sommer klammheimlich nach oben gearbeitet hatte, ist nun auch für das gesamte Börsenjahr 2019 wieder ins Minus gerutscht. Der Nebenwerteindex SDax steuert dagegen auf eine Jahresperformance von plus 30 Prozent zu.

Keine positiven Signale

Jungheinrich: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
36,04
Differenz relativ
-2,54%

Bei Jungheinrich haben sich die Aussichten wohl vor allen in den vergangenen Monaten deutlich verdüstert. Vorstand und Aufsichtsrat haben danach wegen "einer höheren Volatilität im Auftragseingang und insbesondere mangels positiver Konjunktur- und Marktsignale" die Prognosen für 2020 heftig nach unten korrigiert. So sollen die Erlöse 2020 zwischen 3,6 und 3,8 Milliarden Euro erreichen. Für das Jahr 2019 strebt der Konzern hier noch immer 3,85 bis 4,05 Milliarden Euro an. Das operative Ergebnis (Ebit) soll sich im kommenden Jahr auf 150 bis 200 Millionen Euro belaufen, bei anvisierten 240 bis 260 Millionen im laufenden Jahr.

2018 waren Umsatz und operatives Ergebnis bei Jungheinrich noch deutlich gestiegen. Das Management sah zu dem Zeitpunkt ein Umsatzziel von vier Milliarden Euro in 2020 bereits "zum Greifen nah". Analysten sprachen von einem "Stapler-Boom" auch infolge der Vorbereitungen auf den Brexit, der sich allerdings schon bald dem Ende neigen würde. Vor allem in Europa, dem Kernmarkt von Jungheinrich, prognostizierten die Experten Schwierigkeiten.

Boom abgeblasen

Inwiefern diese Boom-Hoffnungen wirklich zerstoben sind und auch den Branchennachbarn Kion belasten könnten, bleibt abzuwarten. Kion, ehemalige Sparte des Industriegase-Spezialisten Linde, hatte Ende Oktober noch einen deutlich höheren Auftragseingang verzeichnet. Der Umsatz verbesserte sich im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um fast 14 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) stieg um 12,6 Prozent auf 217,1 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente Kion im dritten Quartal 120,7 Millionen Euro - rund ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum.

Nach Anfang Dezember waren die Aktien beider Gabelstapler-Hersteller nach einem positiven Analystenkommentar deutlich gestiegen. Daniel Gleim von Mainfirst hatte beide Aktien von "Neutral" auf "Outperform" hochgestuft und die Kursziele jeweils deutlich angehoben. Der Experte rechnet mit einer Bodenbildung der europäischen Endmärkte im vierten Quartal. Entsprechende Signale dürften zu einer Neubewertung führen, schrieb er noch vor rund einer Woche. Diese Signale lauten nun zumindest von Jungheinrich anders, eine Bodenbildung des Marktes sieht anders aus.

AB