Jamie Dimon, CEO von JPMorgan Chase & Co.

"Unmöglich, ohne Patienten zu töten" JPMorgan will Deutsche Bank nicht übernehmen

Stand: 02.11.2018, 10:37 Uhr

Nach dem Einstieg des Hedgefonds Hudson Executive aus den USA hat sich nun die US-Großbank über eine mögliche Übernahme der Deutschen Bank geäußert. Das komme nach den Worten von Konzernchef Jamie Dimon nicht infrage. Die Aktien der Frankfurter Bank steigen derweil weiter.

Jamie Dimon, CEO von JPMorgan Chase & Co.

Jamie Dimon, CEO JPMorgan Chase. | Bildquelle: picture alliance/AP Photo

"Das würde für uns keinen Sinn ergeben", sagte Dimon dem "Handelsblatt". "Wenn man ein Unternehmen kauft, nur um zu konsolidieren, dann ist das fast unmöglich, ohne den Patienten dabei zu töten." Bei einer Übernahme würde die Deutsche Bank seiner Meinung nach also verschwinden.

Amerikas größte Bank verdiente in den ersten neun Monaten bereits 25,4 Milliarden Dollar und ist damit auf dem besten Weg zu einem Rekordergebnis im laufenden Jahr. Von Bloomberg befragte Experten rechnen im Schnitt derzeit mit einem Gewinn von rund 31 Milliarden Dollar. Damit würde JPMorgan in einem Jahr mehr verdienen, als die Deutsche Bank derzeit an der Börse wert ist.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass das Frankfurter Institut auf seinem Sanierungskurs Unterstützung aus den USA bekommt: Der Hedgefonds Hudson Executive wird überraschend einer der größten Aktionäre. Hudson wird von Ex-JPMorgan-Finanzchef Douglas Braunstein geleitet. In einem Interview mit dem "Wall Street Journal" bezeichnete Braunstein die Aktien als "missverstanden und unterbewertet".

Wende im Abwärtstrend?

Seit mehreren Jahren befinden sich die Papiere im Abwärtsstrudel. In den vergangenen zwölf Monaten knickte die Deutsche Bank-Aktie um fast 40 Prozent ein. Vor wenigen Tagen erreichte sie gar ein Rekordtief. Zwar machte die Deutsche Bank bei der Präsentation ihrer Quartalszahlen Hoffnungen auf den ersten Jahresgewinn seit 2014. In den ersten neun Monaten verdiente das Geldinstitut unter dem Strich bereits 750 Millionen Euro. Die Einnahmen sollten in diesem Jahr aber leicht zurückgehen.

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing. | Bildquelle: dpa

Das heißt: Der Gewinn wird nur über Kosteneinsparungen erreicht. Der seit April an der Spitze stehende Konzernchef Christian Sewing baut Stellen ab, zieht sich teilweise aus den USA und aus dem Aktienhandel zurück und geht auf Sparkurs. Auch über eine Fusion mit der Commerzbank wurde zuletzt spekuliert. In einer internen Telefonkonferenz mit Top-Managern der Bank habe Sewing diese jedoch als "Bullshit" bezeichnet, schrieb die "Financial Times" am Montag unter Berufung auf Teilnehmer der Telefonkonferenz.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Hudson Executive nutzte die Schwäche der Deutschen Bank und sicherte sich 3,1 Prozent des Finanzinstituts. Der rund 1,4 Milliarden schwere Hedgefonds ließ sich das etwa 620 Milliarden Dollar kosten. Neben Sewing, der Braunstein für das Vertrauen dankte, freute das auch die Anleger. Die Aktien zählten am Donnerstag zu den stärksten Dax-Werten. Auch am Freitag steigen die Papiere am Vormittag weiter um über zwei Prozent.

tb