Skyline von New York

Corona-Krise belastet die Bilanzen US-Banken stemmen sich gegen die Krise

Stand: 14.07.2020, 14:52 Uhr

Gleich drei US-Institute meldeten am Dienstag heftige Gewinneinbrüche. Rückstellungen für Belastungen aus der Corona-Pandemie sind dafür verantwortlich. Tausende Kreditnehmer können ihre Raten nicht mehr begleichen. Die Bankenbilanzen kommen ins Wanken.

Immer noch scheffeln die US-Institute überwiegend Milliardengewinne, doch Rückstellungen für darbende Kredite haben die Ergebnisse deutlich abschmelzen lassen.

Die Gewinnausbeute ist bei zwei von drei US-Größen dennoch besser ausgefallen, als es der Markt erwartet hat. JPMorgan etwa verdiente im Quartal 1,38 Dollar je Aktie. Analysten hatten dem Institut nur 1,05 Dollar je Aktie zugetraut. Der Finanzriese hat wegen der Corona-Krise allerdings gewaltige Rückstellungen vornehmen müssen, die die Gewinne im Vergleich zum Vorjahresquartal annähernd halbierten. In absoluten Zahlen verdiente das Institut im Quartal aber immer noch 4,7 Milliarden Dollar.

Lebhafte Börsen und starkes Investmentbanking

Auch die Erträge, vergleichbar mit dem Umsatz, lagen mit 33,8 Milliarden Dollar im Quartal deutlich über dem prognostizierten 30,6 Milliarden Dollar, die die Experten vermutet hatten. Die Aktie legte im US-Handel am Dienstag sogar zu. Die Großbank profitierte unter anderem von einem lebhaften Geschäft an den Finanzmärkten und im Investmentbanking.

Der Gewinneinbruch geht fast vollständig auf gewaltige Rückstellungen, die die Bank wegen der Corona-Krise machen musste. Firmenchef Jamie Dimon bezifferte diese mit 8,9 Milliarden Dollar, was den Gewinn je Aktie mit 2,19 Dollar belastete. Die Risikovorsorge wurde damit auf fast 10,5 Milliarden Dollar aufgestockt. Wie andere Banken in den USA und weltweit muss auch JPMorgan mit Tausenden Krediten leben, die wegen Corona nicht bedient werden.

Citigroup noch gut in Form

Dasselbe Problem treibt auch die anderen Großbanken in den USA um und dürfte ihnen noch lange erhalten bleiben. Auch die Citigroup musste im zweiten Quartal einen drastischen Gewinneinbruch von 4,8 auf 1,3 Milliarden Dollar hinnehmen. Während auch hier die Umsätze zulegten, sorgten Rückstellungen dafür, dass unter dem Strich Milliarden in der Kasse fehlen. Auch bei der Citigroup liefen die Geschäfte im Investmentbanking und beim Handel mit Anleihen noch blendend. Die Erträge kletterten um fünf Prozent auf 20 Milliarden Dollar.

Wells Fargo ächzt unter der Risikovorsorge

Was passieren kann, wenn gute Handelsgeschäfte die Gewinne nicht im Plus halten, zeigten am Dienstag Zahlen von Wells Fargo, das besonders im Privatkundengeschäft stark ist. Hier steht wegen hoher Rückstellungen für Kreditausfälle ein Verlust von 2,4 Milliarden Dollar in der Quartalsbilanz, nach rund sechs Milliarden Dollar Gewinn im Vorjahreszeitraum. Die Erträge rutschten um 17 Prozent auf 17,8 Milliarden Dollar ab.

Auch wenn die Lage der Institute insgesamt überwiegend noch besser ist als vom Markt erwartet: Die Unsicherheit über die längerfristigen Folgen der Corona-Pandemie auf die US-Wirtschaft und damit die Geschäftsaussichten bleibt hoch. Die US-Notenbank hatte die Branche deshalb bereits Ende Juni dazu aufgefordert, zugunsten höherer Rücklagen für faule Kredite auf Dividendenerhöhungen zu verzichten. Im schlimmsten Fall einer längeren Wirtschaftsflaute rechnet die Fed mit Kreditausfällen im Volumen von 700 Milliarden Euro in den USA.

Dann könnten die Reserven der Banken schnell aufgebraucht sein und auch die zuletzt noch gestiegenen Aktienkurse ins Wanken geraten.

AB