Hörfunk-Moderatorin Franka Welz
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Angeblicher Streit mit AR-Chef John Cryan vor der Ablösung?

Stand: 27.03.2018, 13:27 Uhr

Die Deutsche Bank kommt nicht aus den Schlagzeilen. Vor allem in der Führungsmannschaft gärt es offenbar gewaltig. So sehr, dass Deutschlands führendes Geldhaus nun angeblich nach einem neuen Chef sucht. Und einen möglichen Kandidaten gibt's auch schon.

Wegen der anhaltend schlechten Geschäfte bei Deutschlands größtem Geldhaus gebe es eine Auseinandersetzung zwischen dem 57-jährigen Briten und Aufsichtsratschef Paul Achleitner über die Strategie der Bank, berichtete die Londoner "Times" am Morgen auf ihrer Webseite.

"Es ist klar, dass das Verhältnis zwischen dem Vorstandschef und dem Aufsichtsratschef zerbrochen ist", zitiert die Zeitung einen Insider. Als möglichen Nachfolger habe die Deutsche Bank Goldman-Sachs-Vize-Chairman Richard Gnodde angesprochen. Gnodde habe allerdings wohl abgelehnt.

Mehrere Kandidaten im Gespräch

Die Deutsche Bank wollte den Bericht auf Nachfrage nicht kommentieren. Der "Times" zufolge waren auch UniCredit-Chef Jean Pierre Mustier und Bill Winters, Chef der britischen Bank Standard Chartered als mögliche Kandidaten für den Chefposten bei der Deutschen Bank im Gespräch. John Cryan, der 2015 als Nachfolger von Anshu Jain angetreten war, die Deutsche Bank aus der Krise zu holen, hat in den vergangenen Monaten auf seinem Sanierungskurs mehrere Rückschläge hinnehmen müssen.

Cryans Vertrag endet regulär im Jahr 2020. Zuletzt hatte er auch angedeutet, weitermachen zu wollen. Seine Arbeit sei nicht immer einfach gewesen, hatte er mit einem Schmunzeln auf der Bilanzpressekonferenz gesagt und hinzugefügt: "Ich fange an, meinen Job zu mögen."

Neue Gewinnwarnung

Im Januar zerstreute er mit einer Gewinnwarnung alle Hoffnungen, dass das Geldhaus nach zwei Jahren Dauerkrise wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen könnte. 2017 meldete die Deutsche Bank vor allem wegen der US-Steuerreform das dritte Verlustjahr in Folge. Doch auch das operative Geschäft im Anleihehandel und im Investmentbanking läuft nach wie vor nicht rund. Vergangene Woche bereitete die Bank ihre Anleger auf ein schwaches erstes Quartal vor.

Aussagen von Finanzchef James von Moltke über Belastungen von 450 Millionen Euro im Investmentbanking schickten die Aktie auf Talfahrt. Analysten sprachen von einem Vertrauensverlust in den Sanierungskurs von Deutsche-Bank-Chef John Cryan. Die Aktien rutschten seit vergangenen Mittwoch um über elf Prozent ab und waren zeitweise weniger als elf Euro wert.

Aktie legt zu

Hinzu kommt die öffentliche Diskussion über die mehr als zwei Milliarden Euro an Boni, die die Bank ihren Mitarbeitern trotz der Verluste für 2017 zahlt. Immer wieder war Kritik einzelner Investoren an dem Vorstandschef laut geworden, doch Cryan genießt auch einen Ruf als Aufräumer.

Die Meldung stützt heute den Kurs der Aktie. Im Xetra-Handel legt sie in der Spitze um gut drei Prozent zu. am Nachmittag sind es dann ein noch 1,3 Prozent. Händler sprechen deshalb von einem möglichen Strohfeuer. Denn auch der neue Chef der Deutschen Bank werde an den chronisch schwachen Einnahmen des Geldhauses vermutlich nicht viel ändern können, sagte der Händler weiter.

lg/rtr