Fahnen mit den Schriftzügen von Renault und Nissan

Kritischer Brief der Anwälte Jetzt kracht's zwischen Renault und Nissan

Stand: 11.02.2019, 11:17 Uhr

Die Affäre um den geschassten Renault-Chef Carlos Ghosn belastet zunehmend das Verhältnis zwischen Renault und seinem Partner Nissan. Der französische Autobauer wirft den Japanern "Entgleisungen" vor.

Wochenlang hielt sich Renault in der Causa Ghosn zurück, nun haben die Franzosen ihr Schweigen gebrochen. In einem Brief kritisieren die Renault-Anwälte das Vorgehen ihres japanischen Allianz-Partners bei den internen Ermittlungen gegen den Ex-Renault-Chef. Darin äußern sie "ernsthafte Bedenken über die eingesetzten Methoden" von Nissan, berichtet die französische Wochenzeitung "Le Journal du Dimanche".

Nissan ermittelte, ohne Renault zu informieren

Der französische Konzern bedauere, welche Methoden von Nissan und seinen Anwälten eingesetzt wurden, "um zu erwirken, dass Beschäftigte von Renault durch die japanische Staatsanwaltschaft befragt werden", heißt es in dem Brief. Darüber hinaus habe Nissan in Frankreich nach belastenden Hinweisen gegen Ghosn gesucht, ohne Renault zu konsultieren, zitierte die Zeitung weiter aus dem Schreiben. Auch habe Nissan versucht, die Appartements von Ghosn in Brasilien, im Libanon und in den Niederlanden zu durchsuchen, ohne Renault darüber zu informieren.

Ein Nissan-Sprecher sagte am Montag, die Anwälte des japanischen Autobauers hätten auf das Schreiben bereits mehrfach mündlich und schriftlich geantwortet. Der Vorgang spiegele nicht den "derzeitigen Zustand der Gespräche" wider. Nissan habe sich immer für einen "offenen und direkten Austausch mit seinen Partnern ausgesprochen, um relevante Fakten aufzudecken".

Die "Ghosn-Affäre"

Carlos Ghosn

Carlos Ghosn. | Bildquelle: picture alliance/Daniel Karmann/dpa

Ghosn war am 19. November überraschend in Japan festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe jahrelang ein zu niedriges Einkommen bei Nissan deklariert und persönliche Verluste auf den Autobauer übertragen. Ghosn bestreitet die Vorwürfe.

Der einstige Vorzeigemanager musste dem Druck weichen und trat im Januar als Chef von Renault zurück. Die Festnahme von Ghosn hatte Risse zwischen Nissan und Renault gezeigt, die ihr Dreier-Bündnis mit Mitsubishi Motors eigentlich vertiefen wollen.

Ghosn will Hochzeitsparty-Kosten zurückzahlen

Derweil zeigt sich Ghosn bereit, die Kosten für die Prunk-Hochzeit im Schloss Versailles zurückzuzahlen. Nach Angaben seines Anwalts handle es sich um ein "Missverständnis". "Das große Problem dieser überlasteten Menschen, die die Welt bereisen und sowohl Nissan als auch Renault regieren, besteht darin, dass ihnen die Details ihrer privaten Angelegenheiten entgehen", sagte Ghosns Anwalt Jean-Yves Le Borgne dem Sender "France-Info". Ghosn werde die fraglichen 50.000 Euro für die Raumnutzung im Schloss Versailles zurückzuzahlen. Er habe damals keine Rechnung erhalten.

Der Star-Manager hatte im Oktober 2016 die Räume im Versailler Schloss für seine Hochzeitsparty genutzt. Die Kosten wurden im Rahmen des Sponsoring-Vertrags abgerechnet, den Renault mit Versailles hat. Der Vertrag ermöglicht Versailles, eine Reihe von Restaurierungen über Renault zu finanzieren. Im Gegenzug profitierte das Unternehmen von Dienstleistungen. Dazu habe auch die Nutzung der Räume des Schlosses für die Hochzeit gezählt. Der französische Autobauer hatte in der letzten Woche angekündigt, die Justiz wegen mutmaßlicher persönlicher Vorteilsnahme Ghosns einzuschalten.

Die Aktien von Renault haben seit der "Ghosn-Affäre" rund zwölf Prozent nachgegeben. Auf Ein-Jahres-Sicht haben sie sogar gut ein Drittel verloren. Mit 52 Euro fielen sie auf den tiefsten Stand seit dem Frühjahr 2013.

nb