Broadcom bietet viel Geld
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Mega-Übernahme in Chipbranche Jetzt geht's um 148 Milliarden Dollar

Stand: 05.02.2018, 13:29 Uhr

Die größte Übernahme in der Chipbranche wird noch teurer. Weil Broadcom seinen Konkurrenten Qualcomm unbedingt schlucken will, legt es noch eine Schippe drauf.

Das Unternehmen ist bereit, auf die zuletzt ausgerufenen insgesamt rund 130 Milliarden Dollar inklusive Schulden noch mal bis zu 18 Milliarden Dollar draufzupacken, wie Broadcom am Mittag mitteilte. Damit bestätigt sich eine Bloomberg-Meldung, wonach die Erhöhung noch vor US-Börseneröffnung bekanntgegeben werde.

Die Offerte wird also von 80 auf 82 Dollar je Aktie angehoben. Bislang hatte Broadcom 70 Dollar - davon 60 Dollar in bar und 10 Dollar in Broadcom-Aktie - angeboten. Diese Offerte war jedoch von Qualcomm-Chef Steve Mollenkopf als nicht diskussionswürdig und "dramatisch unterbewertet" eingestuft und zurückgewiesen worden. Sollte die Offerte auf 82 Dollar erhöht werden, würde Qualcomm mit rund 123 Milliarden Dollar bewertet.

Qualcomm-Aktie steigt

Dazu kommen noch die Schulden von rund 25 Milliarden Dollar, so dass die Offerte auf eine Gesamthöhe von zirka 148 Milliarden Dollar kommen würde - das wäre die größte Übernahme in der Technologiebranche bisher. Die Anleger reagieren prompt.

Im vorbörslichen New Yorker Handel steigt die Qualcomm-Aktie um bis zu sieben Prozent. Broadcom hatte im November mitgeteilt, den Konkurrenten übernehmen zu wollen. Qualcomm wies die Offerte aber zurück. Das Unternehmen ist im Großteil der Smartphones und Tablet-Computer mit Kommunikationschips vertreten, die für die Verbindung zu Netzen sorgen. Qualcomm ist nach Intel, Samsung und TSMC der viertgrößte Chip-Hersteller der Welt.

Was wird aus dem NXP-Deal?

Zudem stellt Qualcomm in vielen Telefonen auch den Hauptprozessor und verdient Geld mit Patentlizenzen auf diverse Technologien. Zuletzt kämpfte Qualcomm mit einer Reihe von Problemen wie einem Quartalsverlust infolge der US-Steuerreform, einem Streit mit dem Kunden Apple und einer EU-Milliardenstrafe wegen Verträgen mit dem iPhone-Hersteller. Weil der Konzern sich jahrelang einen sicheren Platz im iPhone und iPad von Apple erkauft hat, soll er jetzt eine Milliarde Euro Strafe an Brüssel zahlen. Qualcomm habe sich die Konkurrenz von Intel vom Leib halten wollen.

Qualcomm befindet sich selbst in einer 47 Milliarden Dollar schweren Übernahme des niederländischen Chipanbieters NXP, der einst zu Philips gehörte. Zwar hat Qualcomm von der EU inzwischen grünes Licht für den Kauf bekommen, doch ob die Übernahme wirklich zustande kommt, gilt als fraglich. Wegen geringen Interesses der Aktionäre ist die Angebotspflicht bis zum 9. Februar verlängert werden. Sollte es zu einer Übernahme von Qualcomm kommen, dürfte der Deal mit NXP erst einmal auf Eis gelegt werden, weil er von den EU-Wettbewerbsbehörden neu bewertet werden müsste.

lg