Ratingagenturen

Ratingagenturen senken den Daumen Jetzt droht die Welle von Ratingherabstufungen

Stand: 07.04.2020, 07:01 Uhr

In der Finanzkrise wurde den Ratingagenturen vorgeworfen, zu zögerlich gehandelt zu haben. Daraus scheinen sie gelernt zu haben. In der aktuellen Corona-Krise gab es schon mehrere Abstufungen. Selbst Deutschland muss zittern.

Schlägt jetzt die Stunde der Ratingagenturen? Die Infizierung der Weltwirtschaft durch das Corona-Virus ruft die Bonitätswächter zunehmend auf den Plan. Firmen, die unter den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie leiden, stehen auf dem Prüfstand.

Moody's rechnet mit deutlich steigender Ausfallquote

Die Ratingagentur Moody's rechnet, dass die Ausfallquote von schwachen Unternehmen weltweit innerhalb der nächsten zwölf Monate von drei auf über sieben Prozent ansteigen wird.

Besonders düster sieht es in den USA aus. Angeschlagenen US-Firmen dürfte die Billiggeld-Flut der Fed wenig helfen. Die Analysten der Rating-Agentur S&P prophezeien hier einen Anstieg der Rate an Zahlungsausfälle auf zehn Prozent. Ende Dezember 2019 hatte die Quote noch bei 3,1 Prozent gelegen. Vor allem in der Fracking-Industrie droht eine Pleitewelle. S&P prophezeit hier eine Ausfallrate von 16 Prozent.

Nicht viel besser scheint die Lage in Europa. Nach Einschätzung der Ratingagentur S&P werden sich aufgrund Corona die Kreditausfälle bei Anleihen mit niedrigerer Bonität vervierfachen. Bis Dezember werde die Ausfallquote bei Ramschanleihen auf acht Prozent hochschnellen. Ende 2019 lag die Ausfallquote bei europäischen Ramschanleihen noch bei 2,2 Prozent.

Airlines, Kreuzfahrtfirmen und Ölkonzerne im Visier

Vor zwei Wochen warnte Moody's vor der ersten Welle von Rating-Abstufungen oder -Warnungen. Vor allem Airlines, Kreuzfahrt-Anbieter und Ölkonzerne stehen im Visier der Bonitätswächter. Moody's senkte beispielsweise die Lufthansa-Kreditwürdigkeit auf Ramsch-Niveau. S&P drückte die Note für die Lufthansa von "BBB" auf "BBB-".

Ende März erwischte es die Autoindustrie. Gleich bei sieben Autobauern senkte die Ratingagentur S&P den Daumen. So senkte die US-Agentur das Rating für BMW von "A+" auf "A" und für Daimler von "A-" auf "BBB+". Den Ausblick beließ S&P bei "negativ". Bei Volkswagen hat S&P nur den Ausblick von "stabil" auf "negativ" gesenkt.

Einigen Firmen droht Verlust von Investmentgrade

BMW, Daimler und Lufthansa dürften nicht die einzigen Konzerne sein, die "abgestuft" werden. Gut die Hälfte aller Firmen weltweit, die sich über Unternehmensanleihen finanziert haben, weisen ein Rating von BBB auf, also die letzte Stufe des Investmentgrade, hat Peter Seppelfricke, Professor für Betriebs- und Finanzwirtschaft an der Hochschule Osnabrück ermittelt. Mehreren Unternehmen droht nun eine Herabstufung bei ihrem Rating. Dann würden sie in den Bereich des Non-Investmentgrade fallen. Investoren müssten sich dann aus den Anleihen mit schlechterer Bonität zurückziehen. "Es bahnt sich damit ein Blutbad auf den internationalen Kreditmärkten an", sagte Seppelfricke.

Ratingstufen und Spreads

Ratingstufen und Spreads.

Schlechtere Ratings können für Unternehmen die Finanzierungskosten erhöhen, wenn Investoren zum dem Schluss kommen, dass sich das Risikoprofil unvorteilhaft verändert hat.

Daumen runter bei Großbritannien und Südafrika

Britische Fähnchen an einer Leine aufgereiht

Britische Fähnchen. | Bildquelle: colourbox.de

Auch die Staaten kommen nicht ungeschoren in der Corona-Krise davon. Fitch hat bereits die Kreditwürdigkeit Großbritanniens von "AA" auf "AA-" gesenkt. Die Milliarden-Ausgaben des Vereinigten Königsreichs zur Bekämpfung der Virus-Folgen gefielen den Bonitätswächtern nicht.

Ebenso stufte Moody's Südafrika auf Ramschniveau ab. Daraufhin fiel die Landeswährung Rand auf ein Rekordtief zum Dollar. Zuvor hatten bereits S&P und Fitch dem Land die Bewertung §Investment Grade" entzogen.

Deutschland behält seine Bestnote - noch

Deutschlandfahne

Deutschland. | Bildquelle: picture alliance

Selbst Deutschland könnte wegen der enormen Ausgaben zur Eindämmung der Corona-Pandemie seine Bestnote "AAA" verlieren. "Deutschlands massives Konjunkturpaket bedeutet, dass es die Einhaltung seiner selbst auferlegten Regel des ausgeglichenen Haushalts aussetzen muss", sagt David Carruthers von Credit Benchmark,. Das erhöhe das Ausfallrisiko auf 1,24 Basispunkte. Ein AAA-Rating sei aber üblicherweise nur bis maximal 1,25 Punkten zu halten. "Das bringt es sehr nahe an eine Herabstufung", meint Carruthers.

Die Ratingagentur S&P hat indes Ende vergangener Woche Deutschlands Spitzenbewertung bestätigt. Das Land halte die Note "AAA/A-1+". In der Bewertung spiegele sich der starke finanzielle Puffer, über den Deutschland verfüge. Die staatlichen Finanzen seien in einem guten Zustand und ermöglichten eine starke Reaktion auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie. Die Ratingagentur ist momentan noch ziemlich optimistisch. Sie geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr in Deutschland um 1,9 Prozent schrumpfen wird. Selbst die Wirtschaftsweisen haben da pessimistischere Szenarien.

nb