Zentrale RTL Group in Luxemburg

Corona hinterlässt tiefe Spuren RTL - die Riesen-Dividende ist weg

Stand: 03.04.2020, 10:50 Uhr

Der Medienkonzern RTL zahlt seit Jahren eine Dividende von 4,00 Euro je Aktie. Das hätte beim aktuellen Aktienkurs eine prozentual zweistellige Dividendenrendite bedeutet - aus und vorbei!

Wegen der Corona-Krise zieht die RTL Group ihren Ausblick für das laufende Geschäftsjahr und den Dividendenvorschlag für das vergangene Jahr zurück. Die globalen wirtschaftlichen Entwicklungen hätten sich seit Mitte März, als der Ausblick veröffentlicht worden sei, signifikant verschlechtert, teilte die im MDax notierte Bertelsmann-Tochter mit. Einen neuen Ausblick für das Geschäftsjahr gibt es nicht.

"Während das erste Quartal des Jahres 2020 weitgehend den Erwartungen entspricht, werden Stornierungen für Werbebuchungen und Verschiebungen von Produktionen die Ergebnisse der RTL Group in den kommenden Monaten negativ beeinflussen", hieß es. Es sei nun wichtig, Liquidität sicherzustellen.

RTL Group: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
39,20
Differenz relativ
+1,40%

Daher entschied der Verwaltungsrat der RTL Group auch, den bisherigen Dividendenvorschlag von 4,00 Euro pro Aktie für das Jahr 2019 zurückzunehmen. "Der Hauptversammlung der RTL Group am 30. Juni 2020 wird nunmehr keine Dividende vorgeschlagen", hieß es weiter. Zugleich halte die Mediengruppe an den bisherigen Zielen fest, etwa den Ausbau der Streaming-Dienste in Deutschland und den Niederlanden voranzutreiben.

Schon lange Kursverluste

Die RTL-Aktie reagierte mit Kursverlusten von bis zu 8,2 Prozent auf 28,00 Euro und lag damit nur noch knapp über dem erst vor kurzem erreichten 52-Wochen-Tief von 26,88 Euro. Das Papier befindet sich seit dem Jahr 2015 in einem charttechnischen Abwärtstrend.

Nichts, gar nichts

Bei den derzeitigen Kursen hätte die bislang erwartete Dividende einer Dividendenrendite von rund 14 Prozent entsprochen. Solche hohe erwartete Ausschüttungsquoten sind häufig ein Warnzeichen, dass ein solcher Geldregen für die Aktionäre zu schön ist, um wahr zu sein.

Mitte März hatte die RTL Group, die mehr als 60 TV-Sender im Portfolio hat, darunter in Deutschland RTL, RTL2, SuperRTL, ntv und Vox noch diesen Ausblick gegeben: Beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) rechnete man 2020 mit einem Rückgang von bis zu sieben Prozent. Die Ausgaben für die Streaming-Dienste herausgerechnet, sollte sich das Ebita weitgehend stabil entwickeln. Den Umsatz wollte RTL um zwei bis drei Prozent steigern.

Die Konkurrenz wird immer stärker

Lineares Fernsehen, wie es RTL trotz aller Streaming-Bemühungen bisher hauptsächlich anbietet, kommt immer stärker unter Druck. Neben Netflix, Prime Video von Amazon, Apple + ist nun auch seit kurzem Disney + am Start.

ME