JD.com und Alibaba

Chinesische Online-Händler Alibaba und JD.com streben auf den deutschen Markt

Von Marcus Pfeiffer

Stand: 23.07.2018, 10:56 Uhr

Die beiden größten chinesischen Online-Händler bereiten den Markteintritt in Deutschland vor: Während Alibaba bereits an der Logistik arbeitet, feilt JD.com noch an der richtigen Strategie. Der Druck auf deutsche Händler nimmt weiter zu.

Bisher waren es vor allem die amerikanischen E-Commerce-Plattformen, die dem stationären und internetbasierten Handel in Deutschland Sorge bereiten. Vor allem Amazon hat den Druck auf die deutschen Händler in den vergangenen Jahren massiv erhöht. Zuerst mit Büchern und anderen Versandartikeln. Zuletzt auch mit Lebensmittelangeboten wie die von Amazon Fresh.

Nun müssen sich die deutschen Online-Händler aber auch noch auf starke Konkurrenz aus Fernost einstellen. Nach Handelsblatt-Berichten bereitet der zweitgrößte chinesische Online-Händler JD.com seinen Markteintritt in Deutschland vor. Dabei wollen die Chinesen ganz explizit mehr Waren nach Deutschland verkaufen und nehmen dabei auch die deutsche Exportweltmeisterschaft ins Visier.

Produkte von China nach Deutschland verkaufen

"Mir geht es nicht mehr nur darum, Produkte von Deutschland nach China zu verkaufen. Ich möchte auch Produkte in Europa verkaufen", sagt Richerd Liu, Gründer und Vorstandschef von JD.com im Handelsblatt. Liu lasse gerade letzte Details für den Markteintritt klären, heißt es weiter. Bis Ende des Jahres solle die Strategie stehen und ein eigenes Deutschland-Büro eröffnet sein. Zudem möchte JD.com ins Versicherungsgeschäft einsteigen und eine Partnerschaft mit der Allianz eingehen.

Stein mit Schriftzug vor der Alibaba-Zentrale in Hangzhou, China

Alibaba (im Bild: das chinesische Hauptquartier) baut schon erste Infrastruktur in Europa auf. | Quelle: Unternehmen

Etwas weiter ist da schon Alibaba. Die chinesische Nummer Eins im Online-Handel hat Europa schon seit längerem als neuen Markt im Blick. Derzeit baue das Unternehmen an der Infrastruktur, etwa im belgischen Lüttich, wo ein Logistikdrehkreuz für Alibaba entsteht. Das Ziel von Alibaba ist nicht nur der Verkauf. Unternehmensgründer Jack Ma will Alibaba zu einem globalen Netzwerk machen. Jedes Lager, jede Stadt und jeder Haushalt solle so verbunden werden, dass eine Lieferung innerhalb von höchstens 72 Stunden erfolgen könnte.

Chinesen könnten zehn Milliarden Euro Umsatz in Europa machen

Schon 2025 könnten Alibaba und JD.com mehr als zehn Milliarden Umsatz in Europa erzielen, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman aus dem Frühjahr. Mit ihrer weit fortgeschrittenen Digitalkompetenz und neuen Geschäftsmodellen könne China zum "Silicon Valley der Handelsszene" werden, prophezeihen die Berater.

Noch sei der deutsche Handel in einer starken Position, heißt es in der Studie. Der Umsatz der zehn größten deutschen Handelsgruppen war mit 380 Milliarden Euro größer als der Umsatz der zehn größten Händler aus Großbritannien (179 Milliarden Euro) und China (137 Milliarden Euro). Und Analysten sagen, dass der Markteinstieg in Deutschland nur über eine große Akquisition funktionieren könne. Mögliche Ziele: Otto, Deutsche Post DHL oder Zalando. Aber die chinesischen Player verfügen über hohe Finanz- und Schlagkraft, dass sie auch diese Form des Einstiegs nicht scheuen.

Zalando will in Ruhe abwarten

Zalando gibt sich heute abwartend: "Wir haben die Pläne aus Fernost zur Kenntnis genommen und das chinesische Interesse zeigt, dass der deutsche Markt attraktiv ist", sagt Unternehmenssprecher Alexander Styles. "Wir werden uns die neuen Wettbewerber wie jeden anderen Wettbewerber anschauen."

Nach Angaben des Deutschen Handelsverbandes hatte der deutsche Online-Handel im vergangenen Jahr ein Marktvolumen von 48,9 Milliarden Euro. Die größten Umsatzzuwächse konnte Amazon verzeichnen (Marketplace: plus 2,1 Milliarden Euro; Amazon.de: plus 1,1 Milliarden Euro). Besonders stark war das Wachstum in den Bereichen Fashinon & Accessoirs und Elektrogeräte. Dieses Wachstum geht einher mit Umsatzverlusten im Offline-Handel. Dort war im vergangenen Jahr auch die Branche Heimwerken & Garten erstmals betroffen.

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