Logos von Deutsche Bank und Commerzbank an Hochhausfassaden
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Jahresrückblick Deutsche Banken in der Misere

von Victor Gojdka

Stand: 14.12.2018, 09:14 Uhr

Die Aktienkurse der großen deutschen Finanzinstitute Deutzsche Bank und Commerzbank kenne in diesem Jahr nur eine Richtung: nach unten. Die Commerzbank hat ihren Platz im Dax verloren. Die Deutsche Bank ist aus einem wichtigen Europäischen Aktienindex rausgeflogen. Was ist los in der Bankenbranche?

Es war ein Jahr zum Vergessen für die deutschen Banken. Die Commerzbank fliegt aus dem Dax, die Deutsche Bank aus dem europäischen Aktienindex Eurostoxx 50. Die Aktienkurse im Keller. Deutschlands große Banken sind nicht mehr Weltklasse, sondern Kreisliga, sagt Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank: "Der deutsche Finanzsektor hat nicht mehr diese Potenz von früher. Vielleicht könnte man sogar sagen: Casanova ist kastriert worden."

Klingt fast schon lustig, ist es aber nicht. Denn der erste Paukenschlag kam schon im März. Die Deutsche Bank tauscht ihren Vorstandschef aus. Wieder mal. Und wechselt für den Briten John Cryan den Deutschen Christian Sewing ein. Er soll es richten: "Wir müssen langfristig profitabel arbeiten und dafür jetzt die Voraussetzungen schaffen", so Sewing.

Viele Fronten

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Das ist einfacher gesagt als getan. Denn die großen Banken haben zu kämpfen. Mit härterer Regulierung, mit niedrigen Zinsen, mit Altlasten aus Zeiten vor der Finanzkrise. Commerzbank und Deutsche Bank setzen jetzt auf ein ganz ähnliches Rezept, sagt Bankenexperte Philipp Häßler von Pareto Securities: "Die Commerzbank hat das ja schon vor einigen Jahren begonnen, dass sie sich aus dem Investmentbanking zurückgezogen hat und sich auf den Privatkunden und das Firmenkundengeschäft konzentriert hat. Die Deutsche Bank hat das jetzt mit Herrn Sewing nochmal begonnen. Positiv, dass sie es zurechtgestutzt hat."

Aus „blau“ und „gelb“ könnte „blau/gelb“ werden

Weniger Risiko, das ist also die Devise. Doch damit brocken sich die Banken das nächste Problem ein. Denn im Investmentbanking lassen sich schneller Gewinne machen. Bis das Firmenkundengeschäft läuft und gute Erträge bringt, dürfte es dauern. Immer wieder diskutieren Politiker und Finanzexperten dieses Jahr daher ein ganz anderes Rezept: eine Fusion der beiden Banken. Aktuell ist auch die Bundesregierung mit von der Partie: Sie wolle eine Fusion erleichtern, so meldet es die Nachrichtenagentur Bloomberg. Aus „blau“ und „gelb“ könnte „blau/gelb“ werden. Das Kalkül dahinter kennt Experte Philipp Häßler: "Man könnte einfach auf der Kostenseite enorme Kosten rausnehmen. Wenn man hier in Frankfurt mal schaut: Die beiden Headquarters direkt beieinander, die ganzen unterstützenden Funktionen. Filialen sind in vielen Städten direkt nebendran. Das wäre ganz klar sehr, sehr bitter für die Mitarbeiter. Weil ohne einen deutlichen Abbau bei den Mitarbeitern würde eine solche Transaktion auch nicht Sinn machen."

Zwei Kranke?

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Aber: Aus zwei Kranken wird ja nicht automatisch ein Gesunder. Und andere Probleme löst eine Fusion auch nicht: Gerade in Sachen Digitalisierung müssten beide Banken jetzt mal auf Angriff schalten. Sagt Stefan Riße von der Fondsgesellschaft Acatis: "Das Bankengeschäft wird entschieden werden an der IT-Front und mit der Technik. Das sind mehr Technologie- und Softwareunternehmen in Zukunft, als dass es Banken sind."

Die Deutsche Bank will sich daher als „Plattformbank“ neu erfinden. Also auch Angebote von anderen Banken an ihre Systeme ankoppeln. Doch im Inneren der Bank herrscht ein Wirrwarr von IT-Systemen. Und die Commerzbank rühmt sich als digitaler Vorreiter, bläst das Projekt einer europäischen Digitalbank aber ab.

Verdacht: Geldwäsche

Und als wäre das alles noch nicht genug, fahren Ende November  auch noch Polizeiwagen bei der Deutschen Bank vor, zu einer Razzia. Der Verdacht: Geldwäsche. Doch in jeder Horrornachricht steckt auch eine gute, sagt Clemens Fuest, der Chef des Münchner ifo-Instituts: Es ist nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen, dass die Dinge rauskommen. Denn sie kommen wenigstens raus, früher spielte sich viel im Verborgenen ab. Es zeigt auch, dass die Überwachung wirkt, denn Verstöße werden geahndet."

Dass die Deutschen Banken bald aus dem Aktienkeller wieder heraus kommen, glaubt niemand so richtig. Eine sichere Bank sind die Finanztitel schon lange nicht mehr.

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Die Skandale der Deutschen Bank Galerie: Von Peanuts, Fettnäpfen und dubiosen Deals

Hilmar Kopper 1994 auf der

"Peanuts" - schlappe 50 Millionen Mark
Der Ausspruch ist fast schon legendär:. "Wir reden hier eigentlich von Peanuts." Das Zitat stammt vom damaligen Deutsche Bank-Chef Hilmar Kopper. Als der Immobilienunternehmer Jürgen Schneider pleite ging, gab es offene Handwerkerrechnungen in Höhe von 50 Millionen Mark , die die Deutsche Bank bezahlten wolle. Die Summe sei kein Problem für seine Bank. Im Prinzip richtig, für seine Bank waren es Peanuts im Vergleich zu den fünf Milliarden, die seine Bank durch den Betrug verloren hatte. Doch nicht nur für die Handwerker, die wegen solcher „Kleinigkeiten“ ihren Betrieb schließen mussten, war das daneben.
Für das Ansehen der Bank keine Glanzleistung. „Peanuts“ wurde 1994 zum „Unwort des Jahres gewählt."