Gebäude der Banca Carige in Genua

Wie gefährlich ist die Lage wirklich? Italien springt Krisenbank Carige zur Seite

Stand: 08.01.2019, 15:45 Uhr

Die italienische Regierung greift der gebeutelten Banca Carige unter die Arme und garantiert die Übernahme neuer Anleihen. Wieder einmal müssen Steuerzahler in Italien eine Bank retten. Es könnte ein neues Milliardengrab werden - doch wieso ist das kleine Geldhaus so wichtig?

Das Kabinett verabschiedete am späten Montagabend ein Dekret, wonach der Staat Garantien für neue Anleihen des Instituts übernimmt. Zudem steht der Staat für Gelder gerade, die das Bankhaus bei der italienischen Zentralbank aufnehmen könnte. Die Möglichkeit zur Ausgabe staatlich garantierter Anleihen will Carige baldmöglichst nutzen, erklärte das Institut aus Genua am Dienstag.

Falls nötig, kann die Bank auch eine staatliche Finanzspritze zur vorsorglichen Rekapitalisierung beantragen. Es sei aber sehr unwahrscheinlich, dass man darauf zurückgreifen werde, erklärte Carige. Die Aktien sind seit vergangener Woche vom Börsenhandel ausgesetzt.

Carige sitzt auf faulen Krediten

Die Regionalbank Carige, die ehemalige Sparkasse Genuas und Italiens zehntgrößte Bank, steckt tief in der Krise. Sie leidet unter der Konjunkturflaute und hat seit 2014 Verluste von 1,5 Milliarden Euro angehäuft. Zudem sitzt Carige laut der italienischen Zeitung "Il Messaggero" auf Darlehen im Volumen von rund zwei Milliarden Euro, die wahrscheinlich nicht mehr zurückgezahlt werden sowie auf Wackelkrediten in Höhe von 1,7 Milliarden Euro.

Gebäude der Banca Carige in Genua

Banca Carige. | Bildquelle: picture alliance / Design Pics

In der vergangenen Woche hatte die Europäische Zentralbank (EZB) Carige schließlich unter Zwangsverwaltung gestellt, nachdem eine geplante 400 Millionen Euro schwere Kapitalerhöhung im Dezember am Widerstand eines Großaktionärs gescheitert war. Mit der Kapitalerhöhung sollte eigentlich eine 320 Millionen Euro schwere Wandelanleihe des von den italienischen Geldhäusern getragenen Einlagensicherungsfonds FITD abgelöst werden, mit der bereits 2018 der Konkurs verhindert worden war.

Weil dieser Plan fehlschlug, erhöhte sich die Verzinsung für die Wandelanleihe von 13 auf 16 Prozent und verschärfte die prekäre Finanzlage. Bei einer Abwicklung müssten die italienischen Banken tief in die Tasche greifen. Der FITD müsste dann für Sparkonten über bis zu 9,4 Milliarden Euro geradestehen, wie ein Insider des Fonds sagte.

Regierung vollzieht Richtungswechsel

Dazu wird es jedoch voraussichtlich nicht kommen. Mit den vom Kabinett verabschiedeten Maßnahmen solle Carige nun stabilisiert werden, den Umbau vorantreiben können und eine Fusion für andere Banken attraktiver machen, erklärte die Regierung. Damit vollzieht die Regierungskoalition der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der rechten Lega, die frühere Bankenrettungen scharf kritisiert hatte, eine Kehrtwende. Erst im Oktober sagte Parteichef Luigi Di Maio, dass "kein Euro" öffentlicher Gelder für die Stützung von Banken benutzt werden würde.

2017 hatte die Vorgängerregierung der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena mit einer vorsorglichen Rekapitalisierung unter die Arme gegriffen, nachdem sich das Geldhaus zu einem tiefgreifenden Umbau verpflichtet hatte.

Die EU-Regeln erlauben einen solchen Schritt, wenn die Bank solvent ist. Sollte die Regierung auch bei Carige den Weg wählen, müsste sie dafür grünes Licht von der EU-Kommission erhalten. Diese stehe in Kontakt mit Italien und sei bereit, Maßnahmen innerhalb des EU-Rechts zu diskutieren, sagte ein Sprecher.

Kritiker sahen in der milliardenteuren Rettung von Monte dei Paschi einen massiven Verstoß gegen die neuen EU-Vorschriften zur Sanierung und Abwicklung von Geldhäusern. Mit ihnen sollte nach der Finanzkrise eigentlich verhindert werden, dass die Steuerzahler einmal mehr für die Rettung von Instituten in die Tasche greifen müssen. Diese verloren nach derzeitigem Stand mehr als fünf Milliarden Euro, weil der Wert des erworbenen Staatsanteils von 68 Prozent an der Börse seither massiv gesunken ist.

Wie gefährlich ist die Lage?

Der Index aller italienischen Bankaktien liegt derzeit laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" 30 Prozent unter dem Wert des Jahresbeginns 2018. Italiens Banken häuften in den vergangenen Jahren nach Angaben der "Neuen Zürcher Zeitung" bis zu 200 Milliarden faule Kredite an. Je mehr solcher Problemkredite in den Bilanzen liegen, desto schwieriger ist es für die Geldinstitute, neue Kredite auszugeben und damit die Konjunktur in Schwung zu halten.

Auch der Zinsaufschlag (Spread) für italienische Staatsanleihen pendelt seit dem Amtsantritt der italienischen Regierung im Juni gegenüber deutschen Titeln um horrend hohe 300 Basispunkte. Laut der Banca d’Italia haben die Banken durch diese Entwicklung im ersten Halbjahr 2018 durchschnittliche Wertverluste von neun Prozent erlitten. Die Deutsche Bank schätzt, dass der hohe Spread Italiens Banken auch im neuen Jahr mit einer Milliarde Euro belastet.

Für Italien steht also viel auf dem Spiel. Trotz einer vergleichbar kleinen Bilanzsumme von 24 Milliarden Euro gilt die Banca Carige als Prüfstein für die Sanierung und das Image des italienischen Bankensystems. Ein Zusammenbruch könnte ein Krisensignal für das gesamte Land sein.

tb