Kim Hammonds
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Deutsche Bank-Vorstand Kim Hammonds IT-Chefin verlässt "dysfunktionales" Unternehmen

Stand: 19.04.2018, 08:30 Uhr

Wer arbeitet schon gern in einem "unfähigen" Unternehmen, noch dazu als IT-Vorstand? Es kann also nicht überraschen, dass Kim Hammonds die Deutsche Bank zur HV im Mai verlässt.

Nach nur eineinhalb Jahren im Amt ist der IT-Vorstandsposten bei der Deutschen Bank bald wieder vakant. Die wegen ihrer Kritik an der Bank bekannt gewordene Kim Hammonds scheidet zur Hauptversammlung am 24. Mai aus. Einen Nachfolger gibt es noch nicht.

Markus Gürne
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Deutsche-Bank-Vorständin gefeuert

Hammonds kam 2013 als Co-Leiterin für Technologie und Betrieb (Co-Head Technology and Operations) zur Deutschen Bank. Im August 2016 stieg sie in den Vorstand auf, wo sie für Infrastruktur und Technologie verantwortlich ist (Chief Operating Officer, COO). Vor ihrem Wechsel zur Deutschen Bank arbeitete sie fünf Jahre lang als IT-Chefin bei Boeing. Davor war sie beim Computerhersteller Dell sowie bei Ford.

Nicht schnell genug

Die Managerin hatte kürzlich auf einer internen Tagung des Konzerns gesagt, die Bank sei das "dysfunktionalste Unternehmen", für das sie je gearbeitet habe. Die Aussage sorgte bei Aktionären und Mitarbeitern derart für Kopfschütteln und Entsetzen, dass in die Öffentlichkeit durchgesteckt wurde.

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Kritiker hatten ihr schon vor den umstrittenen Äußerungen vorgeworfen, sie habe die Computersysteme nicht schnell genug modernisiert, die als Großbaustelle gelten. Der ehemalige Vorstandschef John Cryan hatte die IT des Instituts kurz nach seinem Amtsantritt 2015 öffentlich als "lausig" bezeichnet. Hammonds entgegnete ihren Kritikern, unter ihrer Ägide sei die Zahl der IT-Systeme von 45 auf 32 reduziert worden, die deutlich stabiler liefen als früher. Das Ziel sind vier.

Hat "frischen Wind" in die Bank gebracht

Trotz des unrühmlichen Abgangs hält die Bank in ihrer Mitteilung an den üblichen Ritualen fest. Danach werde Hammonds im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat aus dem Unternehmen ausscheiden. Im Klartext heißt das: Sie wurde rausgeworfen. Trotzdem lobte AR-Chef Paul Achleitner die Amerikanerin zum Abschied. "Kim Hammonds hat frischen Wind in die Bank gebracht - mit dem Blick von außen und viel Erfahrung mit organisatorischen Veränderungen." Sie habe Digital-, Daten- und Sicherheitsplattformen aufgebaut, die ein starkes Fundament für die Bank bilden. "Wir wünschen ihr weiterhin viel Erfolg", so Achleitner.

lg