Wirecard-Logo auf einem Smartphone vor Kurstafel

Nach Merrill Lynch-Studie Ist Wirecard überbewertet?

Stand: 21.11.2018, 14:22 Uhr

Der Experte der Investmentbank Merrill Lynch hält die Aktie des kürzlich in den Dax aufgestiegenen Zahlungsabwicklers Wirecard für überbewertet. Nun setzt sich Firmenchef Markus Braun zur Wehr.

Im Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin "Capital" wies Markus Braun Zweifel an der Werthaltigkeit und am Erfolg des Bezahldienstleisters zurück. "Im vergangenen Jahr nutzten in Deutschland 18.000 Händler unsere Plattform mit einem Transaktionsvolumen von 18,9 Milliarden Euro. Und unsere Aktie wird von 29 Analysten beobachtet, 23 empfehlen uns zum Kauf", sagte Braun dem Blatt zufolge. Zweifel etwa an der Anzahl der Wirecard-Kunden in Deutschland könne er "nicht nachvollziehen".

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
149,45
Differenz relativ
-0,96%

Merrill Lynch-Analyst Adithya Metuku hatte in der vergangenen Woche seine Wachstumsprognosen für Wirecard gesenkt und die Aktie auf "Underperform" herabgestuft. Das Kursziel für den Dax-Neuling senkte er drastisch von 192 auf 150 Euro herunter. Inzwischen ist das Papier sogar auf 130 Euro abgestürzt. Gleichzeitig hob Metuku das Votum für den französischen Konkurrenten Ingenico an und bewertet das Papier nun mit "Neutral".

Sind die Ziele überambitioniert?

Der Analyst moniert vor allem, dass seiner Prüfung zufolge von den 100 größten Handelsunternehmen in Deutschland lediglich fünf die Dienste von Wirecard nutzen. Daher sei fraglich, wie stark Wirecards Marktstellung und wie lange das überproportionale Wachstum mit hohen Margen tatsächlich andauern könne.

Markus Braun, CEO, Wirecard

Markus Braun. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Braun sagte "Capital", dass nicht fünf, sondern 18 deutsche Händler die Dienste von Wirecard nutzen. Außerdem biete Wirecard eine Fülle von Mehrwertdiensten wie etwa Kundenbindung oder die Herausgabe digitaler Karten an, die diese Analyse gar nicht berücksichtige. Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass Analysten Zweifel an der Werthaltigkeit von Wirecard anmelden. Auch in der Vergangenheit ist das Unternehmen immer wieder in die Kritik geraten.

Braun bestätigt Aussichten

Wirecard hält an seinen selbst gesteckten Zielen fest. Danach sollen Umsatz und Börsenwert des Unternehmens in den kommenden Jahren vervielfacht werden. Dies hält Braun nicht für überambitioniert. "Der Markt ist noch embryonal, es ist Raum für Wachstum für noch viel mehr Akteure. Gerade mal 20 Prozent aller Bezahlvorgänge laufen weltweit elektronisch, vielleicht zwei Prozent voll digital. Unser Gewinn vor Zinsen und Steuern ist im ersten Halbjahr um fast 40 Prozent gewachsen, wir haben Neugeschäft mit einem potenziellen Volumen von 30 Milliarden Euro abgeschlossen. Das sind rund 180 Prozent Zuwachs. Unsere Umsatzziele sind keine Hybris, wir sind eher konservativ in den Zielen", betonte Braun.

Allerdings sind inzwischen auch die Anleger vorsichtiger geworden. Die Aktie des Unternehmens, das erst Ende September in den Dax aufgestiegen war und dafür symbolträchtig die Commerzbank aus dem deutschen Leitindex verdrängt hatte, ist seither unter Druck geraten. Insgesamt verlor sie seit der Dax-Aufnahme rund ein Drittel an Wert.

Braun zeigt sich von dem Kurseinbruch unbeeindruckt. "Sie haben immer Psychologie im Markt, gerade bei Tech-Werten. Ich habe nie etwas auf kurzfristige Börsenbewegungen gegeben, sondern glaube an langfristige Strategien", so der Manager.

lg