Konstantin Urban (l.) und Alexander Brand, Gründer und Vorstände von windeln.de

Kapitalherabsetzung und weiteres Verlustjahr Ist Windeln.de noch zu retten?

von von Notker Blechner

Stand: 27.11.2018, 20:01 Uhr

Nach der erneuten Verzögerung des Turn-Around und der Ankündigung einer Kapitalherabsetzung ist die Aktie von Windeln.de nur noch ein paar Handvoll Cents wert. Auf dem Eigenkapitalforum versuchten die Manager des Online-Babyartikelhändlers die Notlage zu beschwichtigen.

Sie sehen etwas gestresst und übernächtigt aus, die beiden Windeln.de-Vorstände Matthias Peuckert und Nick Weinberger. Die neuerliche Verlustwarnung vom Freitag scheint an ihren Nerven gezehrt zu haben. Ihren Optimismus haben sie aber noch nicht verloren. "Wir werden es schaffen, bis Anfang 2020 profitabel zu sein", versprechen sie.

Noch vor wenigen Tagen war eigentlich der Turn-Around für 2019 angepeilt gewesen. Weil aber das China-Geschäft zuletzt hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, verschiebt der Online-Babyausstatter die Gewinnwende auf das übernächste Jahr.

Mehrere Aktionäre wollen bei Kapitalherabsetzung mitmachen

Um zu überleben, benötigt Windeln.de eine Kapitalherabsetzung im Verhältnis zehn zu eins. Mit dem Geld wollen die Manager die weitere Restrukturierung finanzieren. "Wir brauchen die Kapitalherabsetzung", erklärt Finanzvorstand Weinberger. Er zeigt sich aber zuversichtlich, dass die Aktionäre mitmachen. Mehrere große Anteilseigner hätten signalisiert, dass sich an der Kapitalmaßnahme beteiligen, sagte Weinberger.

Eine außerordentliche Hauptversammlung am 9. Januar muss die Kapitalherabsetzung genehmigen. Sagen die Aktionäre nein oder machen sie bei der Kapitalmaßnahme nicht mit, könnte Windeln.de wohl im schlimmsten Fall die Insolvenz drohen. Die Aktien sind dramatisch eingebrochen und notieren auf Pennystock-Niveau. Auf Einjahres-Sicht haben sie 85 Prozent eingebüßt.

Auf der Suche nach Wachstumsfeldern in China

Doch von Pleitegefahr wollen die Windeln.de-Macher (noch) nichts wissen. Auf dem Eigenkapitalforum versuchten sie in schwerfälligem Englisch das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen - und erläuterten detailgetreu die Restrukturierungsmaßnahmen. Alleine in China sollen durch neue Geschäfte und Kooperationen im nächsten Jahr 50 bis 72 Millionen Euro zusätzlich hereingespielt werden.

Windeln.de will in neue Geschäftsfelder wie Schönheit, Pharma und Sportnahrung einsteigen. Zudem soll es eine Zusammenarbeit mit der Designertaschen-Marke Fashionette geben. Darüber hinaus sollen Logistikkosten gesenkt werden.

Schrumpfkurs in Europa

In Europa soll der Turn-Around bald geschafft werden. In diesem Jahr hat der Online-Babyartikel-Händler bereits seine defizitäre Osteuropa-Sparte Feedo verkauft. Zudem wurden die Aktivitäten in Italien eingestampft.

In den ersten neun Monaten lag der Umsatz bei 78,5 Millionen Euro, der operative Verlust (adjusted Ebit) betrug 16 Millionen Euro. Immerhin konnte im dritten Quartal der adjusted Ebit leicht eingedämmt werden. Ohne die Probleme im China-Geschäft hätte die Lage viel besser ausgesehen, meinte Finanzchef Weinberger. "China hat uns das Jahr verdorben." Im Reich der Mitte kam es an einem der Zollhäfen zu Verzögerungen von rund sechs Wochen. "Das hat uns Umsatz gekostet."

Von Babywindeln bis Spielzeug

Mit den Ankündigungen konnten die Windeln.de-Vorstände die versammelten 50 Investoren auf dem Eigenkapitalforum kaum zufrieden stellen. Viele zeigten sich skeptisch.

Der Verkauf von Windeln übers Internet ist längst nicht mehr das Kerngeschäft des bayerischen E-Commerce-Unternehmens. Es macht heute gut ein Viertel des Deutschland-Umsatzes aus. Die übrigen Erlöse kommen aus dem Vertrieb von Babynahrung, -pflege-, spielzeug und –kleidung.