Technologie

Tim Cook präsentiert die neue Apple Watch

Nach dem Siegeszug des iPhone Apple: Ist jetzt die Uhrenindustrie dran?

Stand: 09.09.2016, 12:07 Uhr

Apple gilt, gemessen am Umsatz, inzwischen als zweitgrößter Uhrenhersteller der Welt. Nur Rolex schreibt noch bessere Zahlen. Das iPhone verdrängte nach seiner Vorstellung Handygiganten wie Nokia innerhalb kürzester Zeit vom Markt. Blüht der Uhrenindustrie ein ähnliches Schicksal?

Die Schweizer Uhrenhersteller sind nach wie vor die unangefochtenen Marktführer in der Produktion qualitativ hochwertiger Uhren. Glaubt man eidgenössischen Experten, stellt sich die Frage nach einem Untergang von Schweizer Uhrenfabrikanten nicht. Die Argumente sind so vielseitig wie nachvollziehbar.

Zum einen spiele die Apple Watch in einem Preissegment, das von den Herstellern kaum abgedeckt werde, zum anderen sei sie nach wie vor ein Computer, der nach wenigen Jahren veraltet ist. In diesem Preissegment sei die Schweizer Uhrenindustrie kaum angreifbar, außerdem produzierten sie edle Uhren für die Ewigkeit.

Apples Edel-Smartwatch beerdigt

Recht gibt den Schweizern der Rückzug Apples aus dem Edeluhrensegment. Die vergoldeten und diamantenbesetzten Varianten waren für 10.000 bis 20.000 Euro angeboten worden. Ein Wearable, das nach wenigen Jahren technisch überholt ist, war den Kunden zu diesem Preis wohl einfach zu teuer. Kommentarlos und über Nacht verschwanden die Edel-Smartwatches von der Internetseite des Konzerns.

Nokia mahnt aus seinem Grab

Doch auch Nokia fühlte sich nach der Einführung des ersten iPhone 2007 noch sicher. Acht Jahre später hüteten Nokias Smartphones die Läden. Inzwischen ist die Handysparte des einstigen finnischen Weltmarktführers Geschichte. Der Untergang Nokias als Handyprimus schwebt seit dem wie ein ständig erhobener Zeigefinger über jeder Branche, in deren Markt Apple zu wildern beginnt.

Was Apple jedoch 2007 zum Raketenstart an die Spitze des selbstgeschaffenen Smartphone-Weltmarktes verhalf, war vor allem seine Innovationskraft. Das iPhone war etwas so noch nie Dagewesenes. Schon vor dem iPhone entwickelten sich die Handys mehr und mehr zu Multimediaplattformen. Kameras, Musikplayer, Internetzugang sind nur einige Beispiele für diese Entwicklung. Apple hob diesen Multimediatrend auf ein neues Niveau. Das neuartige Touchdisplay öffnete nicht Türen, sondern brach Dämme für eine ganz neue Form des Medienkonsums und alle möglichen Zusatzprogramme.

 iPhone-Absatzzahlen innerhalb der ersten 3 Verkaufstage ab 2008

Prognosen zum iPhone 6. | Bildquelle: Statista, Grafik: boerse.ARD.de

Schlägt Innovation Langlebigkeit?

Nach anfänglichen Freudentänzen der Fachmedien herrscht seit wenigen Jahren aber vor allem Ernüchterung. So auch nach der aktuellsten Präsentation des iPhone 7. Der Hunger nach dem nächsten großen Ding konnte auch diesmal nicht gestillt werden. Auch der Aktienkurs des Unternehmens reagierte kaum.

Auf dem Uhrenmarkt sieht das aktuell etwas anders aus. Selbst der Uhrenchef des Weltmarktführers für Luxusgüter LVMH, Jean-Claude Biver, lobt gegenüber der Schweizer "Handelszeitung" die technische Entwicklung. Wie das Handy bald kein einfaches Telefon mehr war, sind die Smartwatches längst keine schlichten Chronographen mehr. Sie erweitern die Funktionen des Smartphones und sind Multifunktionsgeräte. Sogar Autohersteller und –zulieferer feilen an Möglichkeiten der Smartwatches zu Verbesserung der Fahrsicherheit und des Komforts. Auch als modisches Accessoire können sie der klassischen Armbanduhr Konkurrenz machen.

Als Statussymbole und langlebige Qualitätsprodukte können sie aber den klassischen Uhren den Rang noch nicht ablaufen. Zumindest solange die Entwicklung von Hard- und Software weiterhin so schnell voranschreitet. Aber die SChweizer Hersteller schlafen nicht: Längst machen sie Apple mit eigenen Smartwatches Konkurrenz.

mb

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Nokia - vom Gummistiefel zum Netzwerk Die bewegte Geschichte

Erstes Logo von Nokia von 1865 und Porträt des Gründers Fredrik Idestam

Unten am Fluss
Die Geschichte von Nokia beginnt für einen Handykonzern recht früh - nämlich bereits 1865. Damals baute der Ingenieur Fredrik Idestam in Tampere im Südwesten Finnlands eine Papierfabrik. Ein paar Jahre später entstand eine zweite in der Nähe des Flusses Nokianvirta - daher auch der Konzern-Name "Nokia".