Frau mit Fernglas

Wochenausblick Ist eine neue GroKo Gift für den Dax?

Stand: 26.11.2017, 11:01 Uhr

Die Regierungskrise in Berlin hat die Aktienmärkte bisher nur am Rande interessiert, läuft die Wirtschaft doch so rund wie lange nicht. Bringen die Aussicht auf eine neue GroKo und die damit verbundenen Milliarden-Forderungen der SPD den Aktienmarkt nun ins Wanken?

Dass der Aktienmarkt in der neuen Woche unter der Aussicht auf eine neue Große Koalition in Berlin in die Knie gehen wird, sehen Ökonomen und Marktexperten nicht. Allerdings dürfte das Gerangel um die Bildung einer Regierung den Dax bremsen und den Sprung auf neue Rekorde erschweren.

"Deutschland braucht trotz der guten wirtschaftlichen Lage dringend eine handlungsfähige Regierung", sagt Felix Herrmann, Anlagestratege beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Schließlich müssten unter anderem Antworten auf den demografischen und technologischen Wandel gefunden werden.

Stimmung so gut wie lange nicht

Ob die am Wochenende immer lauter gewordenen Forderungen der SPD nach mehr sozialer Gerechtigkeit und milliardenschweren Ausgabepaketen den Frankfurter Aktienmarkt belasten werden, lassen die Analysten unbeantwortet. Größere Kursrückschläge an den Börsen seien nicht zu erwarten, glaubt Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhauses Merck Finck.

"Historisch betrachtet legten Europas Aktienmärkte zwischen Thanksgiving und Weihnachten in drei von vier Jahren zu. Zusammen mit dem überzeugenden Konjunkturbild spricht dies durchaus noch für eine Jahresendrally in Richtung der alten Hochs von Dax & Co." Anlage-Experte Joachim Goldberg von der Beratungsfirma Goldberg und Goldberg verwies darauf, dass der Optimismus der Investoren ungebrochen sei. Die Stimmung der Privatanleger sei so gut wie noch nie in diesem Jahr. In der abgelaufenen Woche legte der Dax ein halbes Prozent zu. Sein Plus seit Jahresbeginn summiert sich damit auf rund 14 Prozent. Im selben Zeitraum legte das US-Börsenbarometer S&P 500 16 Prozent zu.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.346,93
Differenz relativ
+0,23%

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.467,27
Differenz relativ
-0,04%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.726,03
Differenz relativ
+0,14%

Seitwärts in die neue Woche?

Portfoliomanager Manfred Rath von der KSW Vermögensverwaltung erwartet für den deutschen Leitindex eine Seitwärtsbewegung, bevor es dann zu einer kleinen Jahresendrally kommen sollte. Nachrichten aus der Politik spielten eher eine untergeordnete Rolle. "Die Halbwertszeit von Nachrichten ist momentan gering", so Rath. So habe der Markt die jüngsten politischen Ereignisse sehr rasch weggesteckt.

Auch wenn momentan keiner weiß, wie eine neue Regierung in Deutschland aussehen wird, beunruhige das die Anleger im Grunde nicht. Vor dem Jahresende geht es laut Rath den Investoren letztendlich eher darum, noch auf den Konten liegendes Geld zu investieren. Denn: Das Börsenjahr 2017 war stark, und in den USA ist die nächste Zinserhöhung bereits absehbar.

Konjunkturdaten und Inflationszahlen

In der neuen Woche stehen nur wenige Nachrichten aus der ersten Reihe auf der Agenda. Das Higlight dürften am Donnerstag die Zahlen zu Einkommen und Konsunausgaben in den USA werden. Auch der Freitag anstehende ISM-Einkaufsmanagerindex für die amerikanische Industrie dürfte größere Beachtung finden.

Mit Spannung warten die Anleger zudem auf die Anhörung des designierten Fed-Chefs Jerome Powell vor einem Ausschuss des US-Senats am Dienstag. Sie erhoffen sich Hinweise auf die weitere US-Geldpolitik. Am selben Tag beraten wichtige Rohöl-Exportländer über eine Verlängerung der Förderbremse, mit der das weltweite Überangebot eingedämmt werden soll.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,15
Differenz relativ
+0,55%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,09
Differenz relativ
-0,05%

Hierzulande dürfte das Augenmerk auf den Inflationszahlen aus Deutschland (Mittwoch) und der Euro-Zone (Donnerstag) liegen. Experten erwarten, dass die Kernrate unter zwei Prozent verharrt und damit weiter deutlich unter dem EZB-Ziel. Unternehmensseitig wird es in Deutschland in der neuen Woche wohl ruhig bleiben. Nur wenige Nachzügler aus dem Kleinwerte-Index SDax legen noch Quartalsberichte vor. Lesen Sie dazu unsere Hingucker der Woche.

lg