Acht Euro

Neue Negativbewertung Ist die Deutsche Bank nur noch acht Euro wert?

Stand: 16.05.2018, 11:52 Uhr

Der jüngste Führungswechsel bei der Deutschen Bank hat den Niedergang der Aktie nur kurz aufgehalten, aber nicht beendet. Einen weiteren Dämpfer bekommt das Papier jetzt von einem Analysten der Barclays Bank.

Er heißt Amit Goel und hat so große Zweifel an einer Wende zum Besseren bei der Deutschen Bank, dass er den fairen Wert der Aktie auf nur noch 8,00 Euro abgesenkt hat - ein neuer Negativrekord. Marktanteilsverluste und geringe Renditen dürften dem Analysten zufolge die nächsten Jahre prägen. Auch hegt er erhebliche Zweifel daran, dass die Bank ihre Kostensenkungsziele erreichen wird.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die mit dem Bericht zum ersten Quartal vom Management angekündigten Initiativen dürften die Probleme der Bank kaum lösen. "Es muss sich etwas ändern, nur was?" - titelt der Experte in seiner jüngsten Studie und startet die Bewertung der Aktie mit "Underweight". Er hat damit das niedrigste Kursziel der 22 von dpa-AFX erfassten Experten.

Angekündigter Umbau reicht nicht

Der neue Bankchef Christian Sewing müsse über "radikalere Veränderungen" nachdenken, schrieb Goel. Die drohende Herabstufung der Bonitätsnote durch die Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P) und Moody's setze das Institut unter Druck und könne sich als "negativer Katalysator" erweisen. Der Verlust von Kunden und Marktanteilen sei dann eine wahrscheinliche Folge.

Christian Sewing

Christian Sewing. | Bildquelle: Imago

Der zur Reduzierung von Schuldenrisiken angekündigte Umbau im Firmenkunden- und Investmentbanking-Geschäft der USA und in Asien werde den Wettbewerb erschweren. Zudem dürften wegen der Restrukturierung beträchtliche Kosten auf die Bank zukommen, erwartet er.

Aktie findet keinen Halt

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 5 Jahre
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Kurzfristig gesehen dürfte die Profitabilität des deutsche Branchenprimus weiter schrumpfen und in den kommenden Jahren werde es die Bank schwer haben, eine Rendite über zwei bis drei Prozent zu erwirtschaften, glaubt der Experte. Durch eine Übernahme der Commerzbank, wie er sie theoretisch durchgespielt habe, könnten zwar Kostensynergien erzielt werden, doch brächte dies erhebliche Umsetzungsrisiken mit sich, wodurch mögliche Vorteile erst nach vielen Jahren - wenn überhaupt - sichtbar würden.

Er geht folglich davon aus, dass die Deutsche Bank-Aktie auch nach dem jüngsten Kursrutsch keinen Halt findet. Das Papier ist mit einem Verlust von 28 Prozent derzeit ohnehin bereits mit Abstand der schwächste Dax-Wert in diesem Jahr. Zum Vergleich: Die Commerzbank-Aktie hat seit Jahresbeginn "nur" zehn Prozent eingebüßt.

Sollte der Kurs der Deutschen Bank auf das von ihm in Aussicht gestellte Niveau sinken, wäre sie so billig wie nie und dann nur noch 18 Milliarden Euro wert. 8,84 Euro beträgt der bisherige Tiefstand, den das Papier im Oktober 2016 markierte. Seitdem hatte sich der Wert der Aktie zwischenzeitlich verdoppelt, bevor sie Anfang 2018 wieder ins Rutschen kam.

Auch andere Analysten sind skeptisch

Den bisherigen Negativrekord hielt Andrew Coombs, Analyst bei der Citigroup. Er glaubt, dass die vom neuen Vorstandschef Christian Sewing beschlossenen Einschnitte im Investmentbanking die Bank weiter schwächen werden. Er warnt deshalb vor "unerwarteten Nebenwirkungen“ und hat die Aktie auf 8,30 Euro herabgestuft.

Auch die Investmentbank Oddo BHF senkte ihr Kursziel, von 11,00 auf 9,40 Euro. "Die angekündigten Maßnahmen des neuen Führungsteams seien enttäuschend und dürften nicht ausreichen, um in einem zyklischen Abwärtstrend eine ausreichende Rentabilität wiederherzustellen", schrieb Oddo-Analyst Jean Sassus am 7. Mai.

Für Crash-Prophet Steve Eisman ist die Deutsche Bank eine Problembank. Das Institut habe große Profitabilitätsprobleme und werde sich im nächsten Jahr neues Kapital besorgen müssen, so der Hedgefonds-Manager, der inzwischen im Dienste der Neuberger Berman Group steht. Die Deutsche Bank müsse "dramatisch schrumpfen“.

lg