Comdirect

Neuer Brandbrief von Hedgefonds Ist die Comdirect ein Wertvernichter?

Stand: 02.03.2018, 11:07 Uhr

Zugegeben: Eine Kursrakete sieht anders aus. Dennoch können die Aktionäre der Onlinebank Comdirect ganz zufrieden sein, ist der Kurs doch im letzten Jahr um 20 Prozent gestiegen. Dem Hedgefonds Petrus Advisers aus London reicht das noch lange nicht.

So habe das Comdirect-Papier in den vergangenen zwölf Monaten 60 bis 75 Prozent schlechter abgeschnitten als Vergleichsunternehmen, monieren die Petrus-Vertreter Klaus Umek und Till Hufnagel in einem Schreiben an Commerzbank-Chef Martin Zielke. "Diese Wertvernichtung für die Aktionäre von Comdirect sowie Commerzbank ist schockierend.“ Petrus besitzt nach eigenen Angaben knapp drei Prozent der Comdirect-Aktien und ist damit zweitgrößter Aktionär hinter der dominierenden Commerzbank.

Comdirect ein Wertvernichter? Tatsächlich hat die im SDax notierte Aktie der Direktbank im vergangenen Jahr um knapp 20 Prozent zugelegt. Damit ist sie zwar keine Kursrakete gewesen, doch hat sie besser abgeschnitten als der europäische Bankenindex, Euro Stoxx Banks, der nur um zehn Prozent zulegte. Damit ist die Comdirect-Aktie immerhin deutlich besser gelaufen als die Gesamtbranche.

Zu hohe Kosten

Zum Vergleich dienten den Hedgfonds-Aktivisten denn auch vor allem Fintechs wie Swissquote oder Fineco, deren Aktien natürlich schneller gestiegen sind als die einer schon seit vielen Jahren existierenden und und um ein Vielfaches größeren Comdirect.

Größte Bremse der Comdirect-Aktie sind in den Augen der Hedgefonds-Manager die zu hohen Kosten. Das Institut musste im vergangenen Jahr 75 Cent aufwenden, um einen Euro zu verdienen. Bei anderen Onlinebanken falle das Aufwand-Ertrags-Verhältnis deutlich niedriger aus. So kam die ING-Diba im vergangenen Jahr auf 44 Prozent, Fineco sogar nur auf knapp 40 Prozent.

Beherrschungsvertrag gefordert

Comdirect-Chef Arno Walter hatte Kritik an zu hohen Kosten in einem Gespräch mit dem Handelsblatt bereits zurückgewiesen. "Unser primärer Fokus liegt auf Wachstum, nicht auf den Kosten“, sagte er. "Bei unserem Geschäftsmodell und dem aktuellen Niedrigzinsumfeld ist eine Cost-Income-Ratio von 75 Prozent okay.“

Weil die Commerzbank als größter Einzelaktionär von Comdirect auf die Kritik des Hedgefonds bisher nicht reagiert hat, verschärfen die Kritiker den Ton: Sie fordern den Abschluss eines Beherrschungsvertrags. Darin wäre die Bank verpflichtet, Minderheitsaktionären erlittene Nachteile auszugleichen, etwa in Form einer festen jährlichen Dividende.

Die Commerzbank hat sich zu diesen Forderungen bislang nicht geäußert. Auch gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass sie die Forderungen der Hedgefonds-Manager erfüllen wird.

lg