Delivery Hero

Delivery-Hero-Chef verweigert Gewinnziel Ist der Pizza-Lieferdienst reif für den Dax?

Stand: 24.07.2020, 10:53 Uhr

Der Online-Essenslieferdienst gilt als Corona-Gewinner. Seit dem Corona-Tief hat sich der Kurs von Delivery Hero zeitweise mehr als verdoppelt. Heute aber sacken die Aktien des Dax-Aufstiegskandidaten ab - wegen peinlicher Aussagen des Firmenchefs.

Wann wird Delivery Hero endlich profitabel? Das ist eine Frage, die Vorstandschef Niklas Östberg ständig zu hören bekommt. Doch eine klare Antwort kann und will der 40-jährige Schwede nicht (mehr) geben. "Ich weiß es wirklich nicht", antwortete er am Freitag auf die Frage des "Handelsblatts" zum Zeitpunkt des Break-.Even. "Ich möchte mich nicht auf ein fixes Ziel festlegen."

"Weiß nicht, wann wir profitabel sind"

Niklas Östberg, CEO Delivery Hero

Niklas Östberg. | Bildquelle: Unternehmen

Er habe schon einmal ein Datum genannt und sich dann geirrt. Tatsächlich wollte Delivery Hero schon 2018 operativ schwarze Zahlen schreiben. Von diesem Ziel distanzierte sich der Online-Essenslieferdienst dann wieder. Seither weicht Östberg den Break-Even-Fragen immer wieder aus. "Wir werden die Gewinnschwelle knacken, wenn wir groß genug sind", sagte er zuletzt Ende April gegenüber Reuters. Man müsse einfach nur geduldig sein.

Aktie stark unter Druck

Delivery Hero: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
93,70
Differenz relativ
+4,51%

Das sind die Anleger aber nicht. Die neuesten vagen Aussagen von Östberg gefallen ihnen gar nicht. Die Aktien von DeliveryHero sacken am Freitag um rund sechs Prozent ab und sind Schlusslicht im MDax. Damit gerät der jüngste Höhenflug weiter ins Stocken. Seit dem Corona-Krisentief Mitte März bei gut 50 Euro hat sich der Kurs bis Anfang Juli mehr als verdoppelt. Mit 106,20 Euro erreichte er sein Rekordhoch. Seither bröckeln die Kursgewinne. Aktuell notieren die Titel bei 91,50 Euro.

Mit einer Marktkapitalisierung von inzwischen 19 Milliarden Euro gilt der Online-Essenslieferdienst als heißer Kandidat für den Dax-Aufstieg. Das Berliner Start-up könnte die Skandal-Firma Wirecard ersetzen. Delivery Hero gilt als einer der Gewinner der Corona-Krise und profitiert gerade in der Phase der sozialen Einschränkungen und geschlossenen Restaurants von Essensbestellungen nach Hause. Die Nachfrage boomt. Die Zahl der Bestellungen und der Umsatz hätten sich verdoppelt, meldete Delivery Hero mitten in der Corona-.Krise.

Zweifel an tragfähigem Geschäftsmodell

Takeaway.com

Takeaway.com. | Bildquelle: Unternehmen

Doch ob das Geschäftsmodell der Berliner auch nach Corona tragfähig ist, bezweifeln manche Experten. Jirse Groen, der Gründer von Takeaway.com, und auch Michael Lidl, Chef der Gastronomieberatung Treugast, meinen im "Handelsblatt", dass das Geschäft mit eigenen Fahrern nicht profitabel werden kann. Online-Lieferdienste müssten vor allem Aufträge an Gastronomen mit eigener Lieferflotte vermitteln, also etwa an klassische "Pizzataxis". Delivery Hero setzt dagegen auf eigene Lieferanten.

Uber eats-Fahrer in Gent

Uber eats. | Bildquelle: picture alliance / NurPhoto

Zudem drängen immer mehr Konkurrenten in das Lieferdienst-Geschäft. So sind Uber, Grab und das Softbank-Unternehmen Rappi in den Markt eingestiegen. Delivery-Hero-Chef Östberg hat das überrascht. "Wir haben nicht damit gerechnet, dass Konzerne wie Uber all ihre Anstrengungen in Speisen legen." Die drei Konzerne Uber, Grab und Rappi könnten fast unbegrenzt Geld verbrennen, sagt Östberg.

Expansion außerhalb Deutschlands

Delivery Hero wäre der erste Dax-Konzern ohne nennenswertes Deutschland-Geschäft. Die deutschen Marken Foodora, Lieferheld und Pizza.de hat das Berliner Unternehmen vor zwei Jahren an Takeaway.com verkauft. Den Schnell-Lieferservice ist in 35 Ländern in Europa, im Nahen Osten, in Asien und in Lateinamerika präsent. "75 Prozent unseres Geschäfts ist profitabel", sagt Östberg.

Woowa App

Woowa App. | Bildquelle: Unternehmen

Mit der 3,6 Milliarden Euro teuren Übernahme des koreanischen Konkurrenten Woowa will Delivery Hero wieder zum Weltmarktführer aufsteigen. Mit der Freigabe des Deals rechnet Vorstandschef Östberg im laufenden Jahr.

Trotz des Booms in Corona-Zeiten hat Delivery Hero die Umsatzprognose bisher unverändert gelassen. Die Erlöse sollen auf 2,4 bis 2,6 Milliarden Euro zulegen. Der operative Verlust soll 14 bis 18 Prozent des Umsatzes ausmachen. 2019 machte der Online-Essenslieferdienst einen operativen Verlust von 663 Millionen Euro – bei einem Umsatz von 1,2 Milliarden Euro.

nb