Tesla Model S

Probleme beim E-Auto-Pionier Ist der Lack bei Tesla ab?

von Notker Blechner

Stand: 03.05.2018, 11:07 Uhr

Seit dem Börsengang vor knapp acht Jahren hat Tesla noch nie einen Gewinn eingefahren. In diesem Jahr aber will Tesla-Chef Elon Musk den Turnaround schaffen. Doch zuletzt häuften sich die Hiobsbotschaften. Kriegt Tesla endlich die Kurve?

Lange Zeit war "Elektroauto-Visionär" Musk der Liebling der Börsianer. Die Aktie versechsfachte sich in den vergangenen fünf Jahren. Das Unternehmen ist mehr wert als riesige Autokonzerne wie VW oder Ford. Zeitweise lag die Marktkapitalisierung sogar über der von US-Marktführer General Motors (GM).

Goldman senkt Kursziel auf unter 200 Dollar

Inzwischen jedoch mehren sich die Zweifel an Musk und der "Tesla-Story". Immer mehr Analysten gehen auf Distanz. So hat Goldman Sachs jüngst sein Kursziel auf nur noch 195 Dollar gesenkt. Auch die Experten des renommierten Investmenthauses Bernstein monieren in einer aktuellen Studie, dass die Probleme bei Tesla größer seien als gedacht.

Tatsächlich vergeht momentan fast keine Woche ohne neue Negativ-Nachrichten über das "Meisterwerk". Erst gab's eine große Rückruf-Aktion von über 120.000 Fahrzeugen des meist verkauften Model S. Dann schockte ein tödlicher Unfall mit dem Model X die Autowelt. Angeblich funktionierte der Autopilot nicht richtig. Und last but not least kommt Tesla mit der Produktion des wichtigsten Produkts, des Model 3 nicht so voran wie geplant. Vor zwei Wochen stoppte der Elektroauto-Pionier die Produktion für kurze Zeit.

Produktionsziel beim Model 3 verfehlt

In einer scharfen Mail an die Mitarbeiter klagte Musk über einen Schlendrian, der sich bei Tesla eingeschlichen habe. Gleichzeitig räumte er ein, dass "die exzessive Automatisierung bei Tesla ein Fehler war - mein Fehler". Vom langfristigen Ziel, 5.000 Fahrzeuge pro Woche herzustellen, ist der Elektroautobauer inzwischen meilenweit entfernt. Selbst das gesenkte Ziel auf 2.500 Fahrzeuge wurde nicht erreicht. Ende April liefen wöchentlich 2.270 Model 3 über das Fließband.

Verfehlt Tesla weiterhin die Produktionsziele, muss der E-Auto-Pionier womöglich die Fertigung des Model 3 umdenken. Das würde viel Geld und Zeit kosten. Damit würde eine Kapitalerhöhung immer wahrscheinlicher – was den Aktionären gar nicht gefallen würde. Noch dementiert Tesla-Chef Musk heftig solche Gerüchte. Tesla werde 2018 kein zusätzliches Kapital brauchen, beteuert er.

Tesla muss liefern!

Der 46-jährige "Wunder-Manager" peilt für dieses Jahr den lang ersehnten Turnaround an. Tesla werde im dritten und vierten Quartal profitabel sein, kündigte Musk via Twitter Mitte April an. Doch einige Börsianer trauen ihm nicht mehr. Der Tesla-Boss hat schon häufig Dinge versprochen, die dann nicht eintraten.

Anleger wetten auf fallende Aktienkurse

Zahlreiche Anleger wetten auf Kursverluste von Tesla. Laut der Analysefirma S3 ist der Wert der Leerverkäufe im März um 28 Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar gestiegen. Es gibt kein amerikanisches Unternehmen, gegen das so sehr gewettet wird wie Tesla.

Andererseits gibt es auch immer noch eine Menge von "Tesla-Fans", die an Musk wie an einen Guru glauben. Sie verteufeln die Kritiker als notorische Schwarzmaler und verweisen darauf, dass die großen Autokonzerne wie VW, Daimler und BMW es nicht geschafft haben, die Macht von Tesla im Stromer-Markt zu brechen.

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Tesla Semi

Tesla Semi
Unter großem Pomp enthüllte Tesla-Chef Elon Musk im November den lang erwarteten E-Lkw Semi. So soll das Fahrzeug auch mit voller Ladung von 40 Tonnen eine Reichweite von rund 800 Kilometern erreichen, sagte Musk. Zuletzt sprach Musk sogar von bis zu 965 Kilometern. Die Produktion werde im Jahr 2019 beginnen.

Der Basispreis für das 500-Meilen-Modell soll bei 180.000 Dollar liegen. Der Sattelschlepper hat vier Motoren - und Tesla verspricht, dass er pannenfrei eine Million Meilen (1,6 Millionen Kilometer) schaffen kann.