Irre Kursrally von über 1.000 Prozent Trump erweckt Kodak zu neuem Leben

Stand: 30.07.2020, 15:25 Uhr

Der berühmte Fotokonzern, der sich inzwischen auf digitalen Druck konzentriert hat, steht vor seiner Renaissance. Er hat von der US-Regierung einen Millionenkredit erhalten. Der Kurs von Kodak hat sich in dieser Woche mehr als verzehnfacht. Was ist da los?

Beim Blick auf den Aktienkurs von Eastman Kodak dürfte so mancher Anleger derzeit seinen Augen nicht trauen. Binnen weniger Tage ist der Kurs der einstigen Foto-Ikone an der Nasdaq von 2,65 Dollar auf über 33 Dollar geschnellt. Zeitweise lag die Kodak-Aktie bei über 53 Dollar. Seit Wochenbeginn beträgt das Kursplus unglaubliche 1.150 Prozent. Die Marktkapitalisierung beträgt fast 1,5 Milliarden Dollar.

765 Millionen-Kredit von der Regierung

Der legendäre Fotoausrüster soll neu erfunden werden. Eastman Kodak bekommt im Rahmen des 1950 anlässlich des Koreakriegs auferlegten "Defense Production Act" einen 765 Millionen Dollar schweren Kredit aus Staatsmitteln. In diesem Gesetzesprogramm wurden zuletzt Unternehmen dazu verpflichtet, während der Coronavirus-Pandemie medizinischen Bedarf herzustellen - mit dem Ziel, knappe Produkte zum Kampf gegen den Virus schneller verfügbar zu machen. Künftig soll Eastman Kodak Inhaltsstoffe für Medikamente produzieren. Die Aussicht auf ein neues tragfähiges Geschäftsmodell ließ die Papiere um das Zehnfache nach oben springen.

"Wir werden Amerika zum weltgrößten Medizinhersteller und -anbieter machen", sagte US-Präsident Donald Trump. "Kodak ist stolz darauf, Teil der amerikanischen Selbstversorgung zu sein, indem pharmazeutische Schlüsselprodukte produziert werden, die unseren Bürger Sicherheit gewährleisten", erklärte Kodak-Boss Jim Continenza.

Vom Digitaldrucker zum Pharma-Zulieferer?

Jahrzehntelang war Kodak eine Ikone in Sachen Fotografie. 2012 ging der Fotoausrüster pleite, weil er die Digitalisierung verschlafen hatte. Ein Jahr später entkam der Konzern aber wieder der Insolvenz und stellte sich neu auf -  als Spezialist für digitalen Druck. Hier macht das Unternehmen inzwischen fast eine Milliarde Dollar Umsatz.

Es stellt sich freilich die Frage, ob Kodak als Pharma-Zulieferer eine Zukunft hat. Die Konkurrenz in diesem Bereich ist groß.

Im Rahmen des ursprünglich für Kriegszeiten entwickelten "Defense Production Act" war in der Frühphase der Pandemie schon der Autobauer General Motors (GM) mobilisiert worden, um Beatmungsgeräte herzustellen. Auch beim Mischkonzern 3M wurde das Bundesgesetz aus dem Jahr 1950 bereits angewendet, um die Versorgung der USA mit Schutzmasken zu sichern. Hier hielten sich aber die Kursreaktionen in Grenzen.

nb

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Kodak: Glück, Geschick und eine tödliche Panne Galerie

Die erste Kodak-Kamera 1889

1888 ist die Geburtsstunde des Namens "Kodak". Dieser steht für die erste Kamera des Unternehmens, das damals noch Eastman Dry Plate Company hieß. Vier Jahre später wird es in Eastman Kodak umbenannt.