Zug von Stadler

Eine Erfolgsgeschichte aus der Schweiz Riesen-Nachfrage nach Aktien von Stadler Rail

Stand: 12.04.2019, 18:05 Uhr

Ein Mittelständler, der eigentlich ein Großkonzern ist. Mit dem Börsengang des Schweizer Zugherstellers Stadler Rail können sich Anleger an einem bemerkenswerten unternehmerischen Werdegang beteiligen.

Da soll einer mal sagen, die Karriere vom Tellerwäscher zum Millionär gibt es nur in Amerika. Zwar hat der Ex-Politiker, Firmenchef und (immer noch) Großaktionär Peter Spuhler sicher nicht ganz unten angefangen - der Erfolg des Börsengangs der Stadler Rail-Aktie heute an der Züricher Börse kommt aber nicht von ungefähr.

Das im Vorfeld mehrfach überzeichnete Papier, das zu 38 Franken an die Börse kam, stieg an seinem ersten Handelstag auf 43,10 Franken. Ein Zuwachs von 13 Prozent. Kein schlechtes Ergebnis für eine Industrieaktie!

Peter Spuhler und die Volksaktie

Peter Spuhler, Stadler Rail

Peter Spuhler. | Bildquelle: picture alliance / KEYSTONE

Der Erfolg des Unternehmens ist untrennbar mit dem Namen Peter Spuhler verbunden, aus dessen Besitz die angebotenen Aktien stammen. Neues Geld kommt also nicht rein, Spuhler will aber trotz des großen Zahltags mit knapp 40 Prozent weiter an dem von ihm maßgeblich geformten Zugbauer beteiligt bleiben. Was ihn nicht daran hindert, die Stadler Rail-Aktie als neue Volksaktie zu propagieren. Er selbst vereinnahmt übrigens rund 1,5 Milliarden Franken.

Bescheidenheit ist also nicht das Motto der Stunde, auch wenn sich Spuhler weiter als Mittelständler fühlt. Die Firma, ursprünglich ein kleiner, unbekannter mittelständischer Betrieb, spielt heute nämlich in der gleichen Liga wie die Großkonkurrenz von Siemens, Alstom oder Bombardier. Und auch mit der chinesischen Konkurrenz setzt sich Stadler Rail aus dem Kanton Thurgau mittlerweile auseinander.

Basierend auf dem Emissionspreis wird das Unternehmen mit 3,8 Milliarden Franken bewertet. Zwar nicht so viel wie die Konkurrenz auf die Waage bringt, aber Spuhler fühlt sich ohnehin auch weiterhin eher als Mittelständler –1987 hatte er den Betrieb mit 17 Mitarbeitern und 4,5 Millionen Franken Umsatz übernommen, heute setzt er mit rund 7.600 Beschäftigten 2,4 Milliarden Franken jährlich um.

Weltweit vertreten

Erfolgsmeldungen über neue Aufträge gibt es jedenfalls genügend. Zuletzt aus den USA, aber auch bei der Erneuerung der Berliner U-Bahn-Züge ist Stadler Rail vertreten, teilweise zusammen mit Siemens. Einem bereits unterschriftsreifen Vertrag mit dem Iran im Wert von 1,3 Milliarden Franken machte allerdings Donald Trump mit seinem Embargo einen Strich durch die Rechnung. Das Geschäft werden jetzt wohl die Chinesen machen.

Zukünftig will sich die Firma auch in der lukrativen Signaltechnik engagieren – der Bereich also, in dem Siemens und Alstom rund 85 Prozent des Marktes dominieren. Ein Hauptgrund, warum die EU-Kommission die Fusion zwischen den beiden Firmen zuletzt abgelehnt hatte.   

Was sich heute so leicht liest, war allerdings nicht immer einfach. Denn der starke Franken lastet(e) auf dem Geschäft. So geschehen ab 2012, als Spuhler sich aus der Politik zurückzog und sich ganz dem Management der Firma widmete, deren Aufträge wegen der starken Landeswährung eingebrochen waren. Mit Erfolg, wie der heutige Tag zeigt.

rm