Logos von Deutsche Bank und Commerzbank an Hochhausfassaden

Fusionsfantasie zwischen Deutscher Bank und Commerzbank Intensive Kontakte in Frankfurt

Stand: 14.01.2019, 09:53 Uhr

Wer hätte das gedacht? Die Berliner Politiker interessieren sich wieder für die Bankenbranche in Frankfurt und favorisieren ein Zusammengehen von Deutscher Bank und Commerzbank. Die Gewerkschaften sind alarmiert.

"Wir sehen das Szenario kritisch, da ein erneuter erheblicher Arbeitsplatzabbau zu befürchten wäre", sagte Jan Duscheck, Verdi-Fachgruppenleiter Bankgewerbe, dem "Handelsblatt". Zugleich sei eine Stärkung der Geschäftsmodelle dabei nicht klar erkennbar. "Das ist aber alles hoch hypothetisch", sagte Duscheck, der auch im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt.

Kritik kam auch vom Vorsitzenden der Gewerkschaft Deutscher Bankangestelltenverband (DBV). "Beide Häuser haben ihre eigenen, sehr unterschiedlich gelagerten Probleme", sagte der DBV-Vorsitzende Stephan Szukalski. "Diese löst man nicht mit einer Fusion, sondern potenziert sie. Ein solches Gebilde wäre auf viele Jahre nur noch mit sich selbst beschäftigt, mit ungewissem Ausgang." Aus seiner Sicht wäre das "die schlechteste Lösung für Mitarbeiter, Kunden, Aktionäre und überdies auch den Steuerzahler".

Viele Treffen zwischen Sewing und Zielke

Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister

Olaf Scholz. | Bildquelle: dpa

Die Gewerkschaften reagieren damit auf Zeitungsmeldungen, diesmal der "FAZ", wonach die Bemühungen von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) um eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank offenbar konkreter sind als bisher bekannt. Die Zeitung zitiert aus einem Schreiben des Finanzministeriums, aus dem erstmals hervorgeht, wie intensiv die Kontakte zwischen der Leitung und der Deutschen Bank seien.

So sollen sich Christian Sewing und Martin Zielke, die Chefs der Deutschen Bank und der Commerzbank, seit Amtsantritt der aktuellen Bundesregierung 23 Mal getroffen haben. Das zeige die Antwort auf eine Parlamentarische Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Danyal Bayaz.

Scholz will aktiver gestalten

Gegenstand der Gespräche seien "regelmäßig auch strategische Optionen der jeweiligen Institute und Bewertungen durch die Leitung des Bundesministeriums der Finanzen", heißt es auf die Frage, ob auch eine Fusion der Bank mit der Commerzbank erörtert wurde.

Finanzminister Olaf Scholz hatte sich im vergangenen Herbst auf einer "Handelsblatt"-Tagung für eine aktive Gestaltung der Politik in der Finanzbranche ausgeprochen. Auch sei es für Deutschland ein Problem, dass die heimischen Banken nicht die nötige Größenordnung hätten, um die Wirtschaft zu begleiten. Damit befeuerte er Spekuationen, wonach Berlin ein Zusammengehen der beiden Institute wünscht.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Noch nicht erholt

Bereits im Dezember hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet, dass die Bundesregierung ihre Bemühungen einer Fusion zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank intensiviere.

Tatsächlich haben sich beide Institute bis heute nicht von den Folgen der Finanzkrise erholt. Damit hinken sie den Konkurrenten aus den USA und vielen europäischen Ländern hinterher. Auch ist bis heute nicht ersichtlich, in welchen Märkten die beiden Banken künftig Geld verdienen wollen, stehen sie doch besonders in Deutschland unter dem Druck der öffentlich-rechtlichen Sparkassen und der genossenschaftlichen Banken. Zudem kämpfen beide Häuser seit Jahrzehnten mit zu hohen Kosten und veralteten Computersystemen.

Kritische Analysten

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing. | Bildquelle: dpa

Bankchef Christian Sewing, der den Dax-Konzern seit April 2018 führt, will die Zahl der Beschäftigten auf unter 93.000 drücken und die Betriebskosten - abseits von Strafzahlungen und Umstrukturierungen - unter 23 Milliarden Euro halten. Nach mehreren Verlustjahren soll die Deutsche Bank endlich wieder schwarze Zahlen schreiben. Es wäre das erste Mal seit 2014.

Derweil beäugen die Analysten die Banken weiterhin sehr kritisch. Kurzfristig rechne er nicht mit einer Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank, schrieb etwa Credit-Suisse-Analyst Jon Peace vor wenigen Tagen. Er findet die Perspektiven für die Aktie nicht klar genug für ein starkes Investment. Seine Kollegin Giulia Aurora Miotto von der US-Bank Morgan Stanley fände eine Fusion zwar reizvoll, sieht aber erhebliche Risiken bei der Umsetzung. Sie hat deshalb ihr Kursziel von 9,00 auf 8,00 Euro gesenkt.

lg