Intel-Zentrale in Silicon Valley

Rechenzentren-Geschäft enttäuscht Anleger Neuer Rückschlag für Intel

Stand: 27.07.2018, 07:29 Uhr

Gewinn fast verdoppelt, Umsatz zweistellig gesteigert, optimistischer Ausblick - an der Quartalsbilanz von Intel gab es eigentlich nicht viel auszusetzen. Doch die Aktie fällt dennoch. Denn das Geschäft mit den Rechenzentren wächst nicht so rasant wie erhofft.

Sicherheitslücken bei Intel-Chips und dann der Rücktritt des Vorstandschefs wegen einer Liebes-Affäre - dem Chip-Riesen blieb im 50. Jahr seines Bestehens bisher nichts erspart. Trotzdem boomt das Geschäft mit den Chips weiter.

Fünf Milliarden Dollar Gewinn

Im abgelaufenen Quartal steigerte Intel den Umsatz um fast 15 Prozent auf 16,96 Milliarden Dollar. Der Gewinn schnellte gar um 78 Prozent auf fünf Milliarden Dollar.

Besonders lukrativ ist das Geschäft mit Chips für Rechenzentren. Hier kletterten die Erlöse um 27 Prozent auf 5,55 Milliarden Dollar. Operativ verdiente der Konzern in diesem Bereich 2,7 Milliarden Dollar.

Nicht genug, finden die Analysten. Sie hatten mit einem Umsatzsprung auf 5,63 Milliarden Dollar gerechnet.

Aktien sacken ab

Dementsprechend harsch fällt die Reaktion an der Börse aus. Nachbörslich sacken die Aktien von Intel um gut fünf Prozent ab. "Die Performance beim Geschäft mit Rechenzentren diktiert weitgehend den Aktienkurs", sagte Analyst Angelo Zino von CFRA Research. Er bewerte das knappe Verfehlen der Prognosen deshalb als negativ.

Intel-Logo aus beleuchteten Drohnen am Nachthimmel
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Börse 6.00 Uhr: Intel feiert Geburtstag

Das Geschäftsfeld mit den Rechenzentren soll deutlich ausgebaut werden, um die Abhängigkeit vom zuletzt eher schwachen PC-Geschäft zu verringern. Hier geht es aber wieder aufwärts. Im Chipgeschäft für PCs profitierte Intel im zweiten Quartal vom sich stabilisierenden Markt für Heimcomputer, der erstmals seit sechs Jahren wieder wuchs.

Jahresprognose angehoben

Für das laufende Jahr zeigte sich der weltweit zweitgrößte Chiphersteller optimistisch. Intel hob die Prognose an und rechnet nun mit einem Umsatz von 68,5 bis 70,5 Milliarden Euro. Der Gewinn je Aktie soll bei etwa 4,15 Dollar liegen.

"Es gibt nicht viel, was einem an der Bilanz nicht gefallen kann", sagte der neue Intel-Chef Robert Swan in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Swan führt den Chip-Konzern kommissarisch, nachdem Firmenchef Brian Krzanich wegen einer Affäre innerhalb des Unternehmens seinen Posten räumen musste. Swan will aber nicht dauerhaft an der Spitze bleiben. Der Konzern sucht nun nach einer dauerhaften Lösung.

AMD zurück in den schwarzen Zahlen

Der Rivale AMD war im abgelaufenen Quartal dank seines Geschäfts mit Grafikchips für PCs und Rechenzentren wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Nach einem Verlust von 42 Millionen Dollar im vergangenen Jahr stand im abgelaufenen Quartal ein Gewinn von 116 Millionen Dollar in den Büchern. Der Umsatz verdoppelte sich auf 1,76 Milliarden Dollar.

nb

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Intel-Gründer Gordon E. Moore und Robert Noyce

Intel-Gründer Gordon E. Moore und Robert Noyce
Am 18. Juli 1968 legten sie den Grundstein für Intels Aufstieg: Gordon Moore und Bob Noyce. Entsprechend der Initialien ihrer Nachnamen nannten sie ihr neues Untrenehmen NM Electronics. Wenig später kauften sie sich von der Firma Intelco das Recht, den Namen Intel zu nutzen. Ihr finanzkräftiger Freund Arthur Rock stößt wenig später als neuer Vorstand hinzu und bringt das notwendige Grundkapital mit.