Intel-Logo aus beleuchteten Drohnen am Nachthimmel
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50 Jahre und (k)ein bisschen müde Intel in der Midlife-Crisis

von Angela Göpfert

Stand: 18.07.2018, 06:45 Uhr

Weltgrößter Chipkonzern, gerechtestes Unternehmen, Drohnen-Weltrekordhalter – Intel vereint viele Superlative auf sich. Doch ausgerechnet zu seinem 50. Geburtstag steht der Gründungskonzern des Silicon Valley vor großen Herausforderungen.

Vor 50 Jahren wurde von zwei "Verrätern" der Grundstein für das Computerzeitalter gelegt: Am 18. Juli 1968 gründeten der Physiker Robert Noyce und sein Fairchild-Kollege Gordon Moore im kalifornischen Santa Clara die Chip-Firma Intel.

Am Anfang stand ein Verrat

Beide gehörten zu den "verräterischen Acht" ("traitorous eight") – einer Gruppe von acht abtrünnigen Forschern, die 1957 das Shockley Semiconductor Laboratory verließen, um Fairchild Semiconductor zu gründen.

Fairchild gilt gemeinhin als die Brutstätte des Silicon Valley. Heute führen mehr als 400 Firmen ihre Wurzeln bis auf Fairchild zurück. Die bekannteste von ihnen ist und bleibt aber Intel.

Fairchild-Gründer v.l.n.r. Gordon Moore, Sheldon Roberts, Eugene Kleiner, Robert Noyce, Victor Grinich, Julius Blank, Jean Hoerni und Jay Last

Gordon Moore und Robert Nyce (1. und 4. von links) gehörten zu den "acht Verrätern", die Fairchild gründeten. | Bildquelle: Fairchild Semiconductor

Wenn das kein Grund zu feiern ist…

Intel-Gründer Noyce hatte nahezu zeitgleich mit Jack Kilby von Texas Instruments den ersten integrierten Schaltkreis entwickelt – kurz IC. Damit schuf er die Grundlage für den Bau von Mikrochips - und damit auch für PCs, Mobiltelefone, Waschmaschinen und viele andere Geräte, die ohne ICs nicht funktionieren würden.

Das muss natürlich gefeiert werden: Heute sollen 1.500 Drohnen am Firmensitz im kalifornischen Santa Clara synchron aufsteigen und eine fulminante Lichter-Show veranstalten.

Intel 4004, der erster Microchip der Welt

Der Intel 4004, der erste Mikrochip der Welt. | Bildquelle: picture alliance / Karsten Lemm, Wikimedia Commons, Thomas Nguyen, Montage: boerse.ARD.de

Neuer Weltrekord?

Damit würde Intel den Weltrekord für die meisten zeitgleich in der Luft befindlichen Drohnen brechen. Intel selbst hatte den Weltrekord während der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang mit insgesamt 1.218 Intel-Shooting-Star-Drohnen aufgestellt.

Der Sinn des Geburtstags-Spektakels liegt auf der Hand: Intel will sich zu seinem 50-jährigem Jubiläum als innovatives und agiles Unternehmen präsentieren und – netter Nebeneffekt – auch von aktuellen Problemen ablenken.

Intel-Drohnen vor dem Start

Drohnen als Ablenkungsmanöver. | Bildquelle: Intel

Kultur mit Kratzern

So steht Intel zu seinem 50. Geburtstag ohne Chef da. CEO Brian Krzanich trat Mitte Juni zurück. Krzanich hatte eine interne Regel verletzt, wonach Vorgesetzte keine Beziehungen zu Untergebenen eingehen dürfen.

Damit hatte er der legendären "Intel-Kultur" einen ordentlichen Kratzer verpasst. Das Unternehmen ist nicht umsonst stolz darauf, auf Platz eins der "Forbes Just 100"-Liste zu stehen. Intel produziert demnach qualitativ hochwertige Güter, ist nett zu seinen Kunden, minimiert die Umweltschäden – und behandelt seine Angestellten gut.

Intel-CEO Brian Krzanich

So nicht! Intel-CEO Brian Krzanich musste seinen Hut nehmen. | Bildquelle: picture alliance / NurPhoto

Hungrige Chips

Doch die Intel-Angestellten sehen einer ungewissen Zukunft entgegen. Denn das goldene PC-Zeitalter neigt sich dem Ende entgegen – und Intel bekommt diese Entwicklung brutal zu spüren.

Den Sprung ins Mobilzeitalter haben die Kalifornier bislang nicht geschafft, die Intel-Chips sind für die Verwendung in Smartphones nach wie vor zu stromhungrig.

Neue Konkurrenz

Die eigentliche Gefahr für das Intel-Geschäftsmodell lauert jedoch in Grafik-Chips. Lange als dumme Rechenknechte für Computer-Chips verschrien, nimmt ihre Bedeutung im anbrechenden Zeitalter der Künstlichen Intelligenz immer weiter zu.

Mittlerweile liefern sich Intel und der Grafikchipkonzern Nvidia auf dem Markt für autonomes Fahren sogar ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Frau in einem selbstfahrenden Auto

Autonomes Fahren - Chance und Risiko zugleich für Intel. | Bildquelle: Volvo

Nur die Spitze des Eisbergs

Zu allem Übel wurde vor einem Jahr auch noch bekannt, dass im Kern der Intel-Prozessoren gefährliche Sicherheitslücken klaffen. Und das könnte nur die Spitze des Eisbergs sein, vermuten Fachleute. Intel selbst schätzt vier der "Spectre"-Lücken als hoch riskant ein.

Das sind in der Summe gewaltige Probleme, denen sich das Silicon-Valley-Urgestein zu seinem 50. Geburtstag gegenübersieht. Probleme, über die selbst ein neuer Drohnen-Weltrekord wohl kaum hinwegtäuschen wird können.