Intel-Chip 10. Generation

Verzögerung der neuen Generation Schon wieder Chip-Probleme bei Intel

Stand: 24.07.2020, 09:17 Uhr

Eigentlich läuft's bei Intel derzeit rund. Wegen des Homeoffice-Trends und der gefragten Streaming-Dienste werden Rechenzentren ausgebaut. Diese brauchen mehr Chips. Doch nun hat Intel Probleme mit seiner neuen Prozessoren-Generation - wieder einmal.

Für manche Branchenexperten dürfte es ein Déjà-Vu-Erlebnis sein: Bei der 10-nm-Chip-Generation kämpfte Intel jahrelang mit Verzögerungen. Nun hinkt der größte Chiphersteller der Welt bei seiner neuen Prozessoren-Generation erneut dem Zeitplan hinterher. Die 7-nm-Chip-Technologie verspäte sich um ein halbes Jahr, warnte Intel am späten Donnerstagabend nach US-Börsenschluss. Die Prozessoren mit Strukturbreiten von 7 Nanometern sollen nun voraussichtlich Ende 2022 in erste Computer kommen, sagte Intel-Chef Bob Swan.

Das Problem mit Intels 7-Nanometer-Produktion ist, dass sie zu viele unbrauchbare Chips abwirft. In der Chipfertigung sind niedrige Fehlerquoten wichtig, um mit Gewinn arbeiten zu können. Intel habe die Ursachen des Problems inzwischen gefunden und stelle sie ab. Je niedriger die Strukturbreiten, desto mehr Prozessoren passen auf eine Halbleiter-Scheibe bei der Produktion. Zudem arbeiten die Chips dadurch effizienter und stromsparender.

Intel-Aktie sackt ab, AMD-Aktie steigt

Die Nachricht schreckte die Anleger auf. Nachbörslich sackte die Intel-Aktie um über zehn Prozent ab - sehr zur Freude des Erzrivalen AMD. Dessen Papiere stiegen um 6,3 Prozent. AMD fertigt bereits 7-Nanometer-Chips.

Dabei profitiert eigentlich Intel von der Corona-Krise. Die Verlagerung von Aktivitäten ins Homeoffice und die verstärkte Nutzung von Streaming-Diensten hat den Ausbau der Netzwerk-Kapazitäten notwendig gemacht. Der Ausbau von Rechenzentren sorgt für einen höheren Bedarf an Chips.

Ausbau von Rechenzentren treibt Intel-Geschäft an

Das bekam Intel im zweiten Quartal zu spüren. Das boomende Geschäft mit Rechenzentren in der Corona-Krise gab dem Chipriesen einen kräftigen Schub. Der Konzernumsatz stieg im Jahresvergleich um 20 Prozent auf 19,7 Milliarden Dollar.

Zugleich wurden in den vergangenen Monaten mehr Notebooks für Heimarbeit gekauft. Intel profitierte davon mit einem Umsatzplus von sieben Prozent auf 9,5 Milliarden Dollar in seiner Computerchip- Sparte.

Unterm Strich machte Intel einen Quartalsgewinn von 5,1 Milliarden Dollar - 22 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Gewinn je Aktie nach Sonderposten lag bei 1,23 Dollar, Analysten hatten 1,11 Dollar geschätzt.

Optimistischer Ausblick

Für das laufende dritte Quartal stellt Intel einen Umsatz von 18,2 Milliarden Dollar in Aussicht. Das ist mehr als erwartet. Die Analysten-Prognosen lagen durchschnittlich bei 17,9 Milliarden Dollar. Der Bedarf an Chips in Rechenzentren lasse inzwischen aber wieder nach, sagte Intels Finanzchef George Davis.

Die erneute Verzögerung bei Intels neuer Chip-Generation wirft auch ein neues Licht auf Apples jüngste Entscheidung, in seinen Mac-Computern Prozessoren des Konzerns durch Chips aus eigener Entwicklung zu ersetzen. Apple musste in der Vergangenheit wiederholt die Erneuerung seiner Modelpalette bremsen, weil die erforderlichen Intel-Prozessoren nicht verfügbar waren.

Intel-Chef gibt sich gelassen

Intel-Chef Swan zeigte sich trotz der Probleme zuversichtlich für die Zukunft. Über die Hauptprozessoren hinaus steckten in verschiedenen Geräten immer mehr Intel-Halbleiter, betonte er. Der Markt sei groß: "Wir sehen eine Welt, in der im Grunde alles zum Computer wird." Und Intel werde auf Wachstum ausgerichtet.

Ein wichtiger Baustein dafür ist die zugekaufte Firma Mobileye, die Autoherstellern Ausrüstung für Fahrassistenz-Systeme anbietet und an Technologie zum autonomen Fahren arbeitet. Im vergangenen Quartal sackte der Mobileye-Umsatz allerdings wegen schwächelnder Autoverkäufe um 27 Prozent auf 146 Millionen Dollar ab.

nb