Brian Krzanich, Intel-CEO
Audio

Verstoß gegen Verhaltenskodex Liebesaffäre kostet Intel-Chef den Job

Stand: 21.06.2018, 15:48 Uhr

Wegen einer früheren Beziehung mit einem/r Mitarbeiter/in muss Intel-Chef Brian Krzanich seinen Chefsessel räumen. Die Intel-Aktie gibt nach. Nach der aufgedeckten Sicherheitslücke bei Chips war Krzanich schon in Bedrängnis geraten.

Der mächtige IT-Manager reichte am Donnerstag überraschend seinen Rücktritt ein, nachdem das Unternehmen von einer früheren Mitarbeiter-Beziehung erfuhr. Eine interne Untersuchung habe zwar ergeben, dass die Beziehung einvernehmlich war, Krzanich habe damit jedoch gegen den firmeninternen Verhaltenskodex verstoßen. In vielen US-Firmen ist es Managern untersagt, Beziehungen mit Angestellten einzugehen, weil unter anderem befürchtet wird, dass sie ihre Chefrolle ausnutzen könnten.

Übergangschef nominiert

Der bisherige Finanzchef Robert Swan löst mit sofortiger Wirkung Krzanich als Vorstandschef und Mitglied des Verwaltungsrats ab, teilte der Chipkonzern am Nachmittag mit. Es handele sich zunächst um eine Übergangslösung. Die Suche nach einem neuen Vorstandschef laufe.

Der 58-Jährige war seit 1982 für Intel tätig. 2015 war Krzanich zum Vorstandschef ernannt worden. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die Firma gab nicht bekannt, ob es sich bei der Beziehung Krzanichs zu einem Intel-Mitarbeiter um eine Frau oder einen Mann handele.

Quartalsprognose angehoben

Ungeachtet des Wirbels um den Vorstandschef läuft das Geschäft rund. Die Firma aus dem Silicon Valley hob am Nachmittag die Prognose für das laufende zweite Quartal an. Der Umsatz soll demnach bei 16,9 Milliarden Dollar und der Gewinn je Aktie bei 99 Cent liegen. Analysten waren bislang von 16,29 Milliarden Dollar Umsatz und 85 Cent Gewinn je Aktie ausgegangen. 2018 werde ein weiteres Rekordjahr.

Das konnte die Anleger nicht besänftigen. Krzanichs Rücktritt belastete zur Handelseröffnung die Aktien. Sie büßten über ein Prozent ein, während der Dow Jones um 0,5 Prozent nachgab.

Kritik an Aktienverkauf

In die Kritik geriet Krzanich Anfang des Jahres, als schwerwiegende Sicherheitslücken in der Prozessor-Architektur bei Intel und anderen Anbietern öffentlich wurden. Intel wurde bereits im Sommer 2017 über die Schwachstelle informiert und arbeitete mit IT-Sicherheitsforschern an einer Lösung. Krzanich verkaufte aber noch im Herbst ein Paket von Intel-Aktien - und meldete dies offenbar erst, nachdem der Konzern von der Schwachstelle erfahren hatte. Der Aktienverkauf wurde kritisiert, weil die Intel-Aktie nach Bekanntwerden der Schwachstelle absackte.

Krzanich ist nicht der erste US-Konzernchef, der über eine Beziehung am Arbeitsplatz stürzt. Bei Boeing wurde Harry Stonecifer 2005 zum Rücktritt gedrängt, nachdem eine Affäre mit einer Mitarbeiterin bekannt wurde. Mark Hurd verlor 2010 den Chefposten beim Computerkonzern Hewlett-Packard, weil der Verwaltungsrat zu dem Schluss kam, dass er Kontakte zu einer externen Mitarbeiterin unter anderem durch falsche Abrechnungen vertuschen wollte.

nb