Donald Trump

US-Demokraten alarmiert Insiderhandel vor Trump-Äußerungen?

von Angela Göpfert

Stand: 22.10.2019, 08:32 Uhr

Wenn Trump twittert oder redet, dann reagiert die Börse sofort. Das sollen sich Insider zunutze gemacht und "verdächtige" Wertpapiergeschäfte getätigt haben.

Ein einzelner Tweet, eine einzelne Äußerung des amerikanischen Präsidenten kann Milliarden an den Kapitalmärkten bewegen. Das weiß mittlerweile wohl jeder, der in den vergangenen Jahren das Geschehen an der Börse ansatzweise verfolgt hat. Nicht umsonst hat die US-Bank JPMorgan jüngst sogar einen eigenen Index für Trumps Twitter-Aktivitäten geschaffen.

Demokraten fordern Untersuchung

Aber was für Möglichkeiten hätte man an der Börse, wenn man nicht erst auf Trumps Tweets reagieren müsste, sondern sich schon im Vorfeld von Äußerungen des US-Präsidenten perfekt positionieren könnte? Nun, womöglich hatten einige Akteure diese Möglichkeiten.

In einem Brief an Justizminister Bill Barr, die Bundespolizei FBI und die Börsenaufsicht SEC haben 14 demokratische Senatoren am Montag eine Untersuchung wegen möglichen Insiderhandels im Zusammenhang mit Wertpapiergeschäften kurz vor wichtigen Äußerungen von US-Präsident Donald Trump gefordert.

Wer wusste hier mehr?

Sie verwiesen auf Medienberichte über "verdächtige" Wertpapiergeschäfte. Demnach hätten Akteure womöglich über Regierungsquellen Zugang zu nicht öffentlichen, marktbewegenden Informationen und dadurch einen "unfairen" Handelsvorteil.

Das Magazin "Vanity Fair" hatte vergangene Woche ausführlich über derartige Vorgänge berichtet. Unter der Überschrift "Das fantastisch profitable Geheimnis der Trump-Chaos-Trades" verweist Autor William D. Cohan auf zahlreiche verdächtige Trades mit E-Mini S&P 500 Futures im Juni und September. Cohan glaubt, dass die Akteure hinter diesen Mega-Trades wussten, was Trump sagen würde, und sich entsprechend am Markt positioniert hätten.

Was ist der E-Mini S&P 500 Future?

Beim E-Mini S&P 500 Future handelt es sich um Future-Kontrakte, der auf dem marktbreiten US-Aktienindex S&P 500 basiert. In diesem Kontrakt sind sowohl institutionelle als auch private Anleger tätig. Das Tagesvolumen liegt bei über 1 Million Kontrakte, der Kontrakt ist damit sehr liquide. Gehandelt wird an 23 Stunden am Tag an fünf Tagen die Woche – getreu dem Motto: "Futures-Trader never sleep!"

Der Osaka-Milliarden-Trade

Ein Beispiel aus dem Artikel: Am Freitag, den 28. Juni, in den letzten 30 Minuten vor Börsenschluss, kaufte ein Trader oder eine Gruppe von Tradern 420.000 E-Minis. Zu diesem Zeitpunkt war Trump bereits in Osaka, Japan, auf dem Weg zu einem Treffen mit Chinas Präsident Xi Jingping abseits des G20-Gipfels. Am Samstag verkündete Trump in Osaka, dass die zuletzt stockenden Handelsgespräche "wieder auf dem richtigen Weg" seien.

Donald Trump (l) und Xi Jinping

Trump und Xi in Osaka. | Bildquelle: imago images / VCG

Dank dieser Ankündigung war die folgende Börsenwoche eine herausragend gute. Der S&P 500 legte 84 Punkte zu. "Wer auch immer die 420.000 E-Minis am 28. Juni gekauft hatte, konnte sich über einen ansehnlichen Gewinn von knapp 1,8 Milliarden Dollar freuen", heißt es in dem "Vanity Fair"-Artikel.

Verdächtiges Volumen und Timing

Fassade mit Portaluhr des Chicago Board of Trade

Die altehrwürdige Chicago Board of Trade ist Teil der CME Group. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Chicagoer Börse, an der die Papiere gehandelt werden, wies den Bericht als "offenkundig falsch" zurück. Die Chicagoer CME Group ist eine der weltgrößten Optionsbörsen und die größte Terminbörse der Welt.

Fakt ist: Die Höhe der mit den Future-Trades tatsächlich erzielten Gewinne ist etwas spekulativ. Denn wann genau diese – höchst wahrscheinlich in einzelnen Tranchen – wieder verkauft wurden, das lässt sich schlecht nachvollziehen.

Verdächtig bleibt allerdings das große Volumen und perfekte Timing dieser Trades. So entsprach etwa der genannte Trade im Juni rund 40 Prozent des gesamten Handelsvolumens im September. Da von einem Zufall zu sprechen, fällt schwer.