Airbus A220 Paris Air Show

Fortgeschrittene Gespräche Insider: Airbus kauft Bombardiers A220-Anteile

Stand: 10.02.2020, 09:41 Uhr

Airbus ist dem Vernehmen nach in fortgeschrittenen Gesprächen, Bombardiers Anteil am kleinsten Jet A220 zu übernehmen.

Der europäische Flugzeugbauer und sein kanadischer Partner könnten die Übernahme der Bombardier-Anteile (33,6 Prozent), bereits in dieser Woche bekanntgeben. Beide Unternehmen wollen am Donnerstag ihre Zahlen für 2019 vorlegen. Ein Verkauf an Airbus hatte sich abgezeichnet: Bombardier hatte im Januar die Bereitschaft signalisiert, ganz aus dem A220-Projekt auszusteigen, weil der angeschlagene Zug- und Flugzeugbauer die Kosten für den Hochlauf der Produktion scheut.

Airbus A220 Paris Air Show

Airbus A220 Paris Air Show. | Bildquelle: Unternehmen

Airbus hatte vor eineinhalb Jahren für den symbolischen Preis von einem kanadischen Dollar die Mehrheit von 50,6 Prozent an der damaligen "C-Series“ übernommen, für die Bombardier kaum Kunden gefunden hatte. Jetzt kaufen die Fluggesellschaften zwar die in A220 umbenannten Maschinen. Ende Januar lagen 658 Orders dafür vor.

Hohe Kosten befürchtet

Doch bekommt Airbus die Kosten nicht in den Griff. Es werde länger dauern als gedacht, die Gewinnschwelle zu erreichen, hatte Bombardier gewarnt, und das Flugzeuge werde die geplanten Renditen auf lange Sicht wohl nicht erzielen. Daher drohten Bombardier Abschreibungen. Die Kanadier haben das Recht, ihren Anteil am A220 bis 2026 zu Marktwerten an Airbus zu verkaufen.

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
53,51
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"Airbus wollte das eigentlich nicht jetzt machen, aber das Unternehmen hat keine Wahl, wenn Bombardier aussteigt", sagte einer der von Reuters zitierten Insider. Die kanadische Provinz Quebec ist seit fünf Jahren mit 16,4 Prozent an der Baureihe beteiligt. Damals hatte sie in Sorge um die damit verbundenen 2.700 Arbeitsplätze in der Region Bombardier aus der Klemme geholfen. Zusätzliches Geld will sie aber nicht ausgeben.

"Eine Milliarde reicht"

"Wir haben eine Milliarde Dollar reingesteckt, und das reicht", sagte Wirtschaftsminister Pierre Fitzgibbon vergangene Woche. Bombardier-Aktien legten am Freitag in Toronto 2,8 Prozent zu. Mit dem Verkauf der A220-Anteile würden die Kanadier endgültig aus dem Geschäft mit großem Verkehrsflugzeugen aussteigen. Dann blieben nur noch die Geschäftsflugzeuge.

Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" spricht Bombardier aber auch über den Verkauf dieser Sparte mit dem "Cessna"-Mutterkonzern Textron. Der traditionsreiche Konzern aus Montreal ist mit mehr als neun Milliarden Dollar verschuldet. In der Zug-Sparte, die ihren Sitz in Berlin hat, kämpft Bombardier zudem mit teuren Pannen bei mehreren Projekten. Hier laufen laut Insidern Gespräche mit dem französischen Rivalen Alstom und der japanischen Hitachi über eine mögliche Fusion der Sparten.

Derweil hat die Commerzbank das Kursziel für Airbus vor den am Donnerstag erwarteten Jahreszahlen von 140 auf 160 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Der Flugzeugbauer bleibe eine langanhaltende Wachstumsstory, schrieb Analyst Norbert Kretlow in einer am Montag vorliegenden Studie.

lg/rtr