Uwe Tigges, Vorstandsvorsitzender von Innogy, spricht während der Hauptversammlung des Unternehmens

Management trotzt Übernahme Innogy: Spiel auf Zeit

Stand: 24.04.2018, 15:25 Uhr

Erst abgespalten, um dann übernommen und anschließend zerlegt zu werden: Das Schicksal der RWE-Tochter Innogy scheint besiegelt. Doch das Management betont auf der Hauptversammlung die Eigenständigkeit.

"Innogy ist Stand heute ein wirtschaftlich eigenständiges, starkes Energieunternehmen", so Vorstandschef Uwe Tigges am Dienstagvormittag in Essen. "Und solange die Transaktion nicht abgeschlossen ist, wird das auch so bleiben." Mit der Transaktion ist das Übernahmeangebot durch Eon gemeint, das für Mai erwartet wird. Zu dem Deal gebe es noch "viele offene Fragen", die meisten Details seien "weiter offen", so der Manager. Tigges wurde zwischenzeitlich vom Interims-Chef zum offiziellen Vorstandsvorsitzenden bestellt. Das teilte Aufsichtsratschef Erhard Schipporeit am Dienstag in Essen auf der Hauptversammlung mit. Tigges hatte das Amt im Dezember 2017 von Peter Terium zunächst übergangsweise übernommen.

Vorstandsriege längerfristig engagiert

Innogy-Chef Uwe Tigges

Uwe Tigges. | Bildquelle: Unternehmen

Auch beim Rest des Vorstandes richtet sich das Unternehmen zumindest formal auf eine längere Eigenständigkeit ein. Verlängert wurden nämlich die Verträge der Vorstandsmitglieder Hildegard Müller, Hans Bünting sowie Martin Herrmann bis zum 31. März 2022. Finanzvorstand bleibt Bernhard Günther, der vor einigen Wochen Opfer eines Säureattentats geworden war. Seine Aufgaben werden derzeit von Bünting kommissarisch übernommen. Tigges wie Günther sind bis Ende März 2021 bestellt.

Innogy ist die Netz- und Ökostromtochter des Stromriesen RWE, an der RWE noch 77 Prozent hält. Sie soll zwischen RWE und Eon aufgeteilt werden. Eon will dabei das komplette Netz- und Endkundengeschäft übernehmen und RWE am Ende die Ökostrom-Produktion überlassen. Dabei soll Eon voraussichtlich Innogy komplett übernehmen, um dann das Unternehmen aufzuteilen.

Angebotspreis mit zwei Komponenten

Den übrigen Aktionären dürfte Tigges auf der Hauptversammlung mit seinen Statements aus dem Herzen gesprochen haben. Sie dürften entweder auf eine Erhaltung des Unternehmens in der jetzigen Form setzen oder aber auf einen deutlichen Aufschlag auf den derzeitigen Aktienpreis bei einer Übernahme durch Eon hoffen. Bereits im März hatte Eon ein Übernahmeangebot angekündigt, das 40 Euro je Aktie in bar betragen soll. Dieser Wert setzt sich aus einem Angebotspreis von 36,76 Euro je Aktie sowie den Zahlungen aus den unterstellten Dividenden der Innogy von 3,24 pro Aktie für die Geschäftsjahre 2017 und 2018 zusammen. Die Innogy-Aktie liegt derzeit mit 37,70 Euro bereits über dem "Basispreis" des Übernahmeangebots ohne die Dividendenzahlungen.

Unruhe bei den Kommunen

Für Irritationen sorgt die geplante Zerschlagung auch bei den Kommunen. Innogy ist an rund 100 Stadtwerken und regionalen Versorgern beteiligt und besitzt rund 3.000 Stromnetz-Konzessionen - nicht nur im RWE-Kernland Nordrhein-Westfalen. Die geplante Übernahme des lukrativen Geschäfts mit Strom- und Gasnetzen würde Eon zum neuen Partner der Kommunen machen. Einzelne Kommunen prüfen nun bereits, ob in Verträgen vereinbarte Sonderkündigungsrechte genutzt werden können, um sich nach anderen Partnern umzusehen oder Stadtwerke wieder ganz in kommunale Hand zurückzuholen. Die Grünen im Dortmunder Rat etwa haben bereits vorgeschlagen, sich von Innogy/Eon zu trennen.

Anlegerschützer raten zum Abwarten

Das formelle Übernahmeangebot von Eon wird für Mai erwartet. Erst im zweiten Halbjahr 2019 allerdings sollen nach derzeitigem Fahrplan der beiden Versorger die Pläne für die Umstrukturierung innerhalb der Konzerne umgesetzt werden. Laut Aktionärsschützern wird es erst dann spannend für Anleger, die auf ein besseres Angebot warten wollen. Laut der Vereinigung DSW steht dann ein Beherrschungsvertrag zwischen Eon und Innogy an, und damit wäre ein Abfindungsangebot für die verbleibenen freien Innogy-Anteilseigner fällig. Dieses wäre dann auch gerichtlich überprüfbar.

RWE-Welt

RWE und Innogy. | Bildquelle: boerse.ARD.de, Grafik: boerse.ARD.de

Der Weg zur Neustrukturierung der Versorgerbranche dürfte damit für RWE und Eon noch ein langer sein. Das gilt auch für Innogy-Aktionäre, die eine dicke Entschädigung für ihren Ausstieg erhoffen.

AB