Innogy-RWE-Zentrale in Essen
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Hohe Abschreibung belastet Innogy muss in Großbritannien beißen

Stand: 13.11.2017, 08:30 Uhr

Operativ lief es in den ersten neun Monaten gar nicht schlecht für die Ökostromtochter von RWE. Aber auf dem schwierigen britischen Markt musste das Unternehmen Federn lassen.

Denn bedingt durch eine außerplanmäßige Abschreibung auf den Geschäfts- oder Firmenwert in Höhe von 480 Millionen Euro auf die britische Vertriebstochter Npower sank das Nettoergebnis um 61,4 Prozent auf 389 Millionen Euro. Das Unternehmen begründete die Wertberichtigung mit verschlechterten kommerziellen Annahmen sowie erschwerten regulatorischen Rahmenbedingungen.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Erst in der Vorwoche hatte Innogy bekannt gegeben, Npower mit den Vertriebsaktivitäten des britischen Versorgers SSE zusammenzuführen. Innogy wird an der neuen Gesellschaft mit 34,4 Prozent danach nur noch einen Minderheitsanteil halten. Der Abschluss der Transaktion wird für Ende 2018 erwartet, Aufsichtsbehörden und Aktionäre müssen noch zustimmen. Finanzvorstand Bernhard Günther sprach von einer schwierigen Lage auf dem britischen Markt, betonte aber ansonsten die solide Entwicklung der Ertragslage.

Operativ zugelegt

Dies belegen die operativen Zahlen nach neun Monaten. Das bereinigte Ebitda lag um fünf Prozent höher bei 3,1 Milliarden Euro, das operative Ergebnis nach betrieblichen Abschreibungen (Ebit) lag um neun Prozent höher bei rund 2,0 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand ein bereinigtes Nettoergebnis von 850 Millionen Euro, 27 Prozent mehr als im Vorjahr.

Peter Terium, RWE

Peter Terium. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Träger des Ergebnisses war vor allem das Netzgeschäft, das bereinigte Ebit des Bereichs legte um 19 Prozent auf 1,42 Milliarden Euro zu. Insgesamt wurden nach neun Monaten 8,1 Prozent mehr Strom ausgeliefert oder 193,1 Milliarden Kilowattstunden.

Innogy, an dem der Mutterkonzern RWE etwas mehr als 76 Prozent hält, sieht sich selbst gut aufgestellt. Sowohl im Bereich Solarenergie als auch bei der Entwicklung des vom Bund geförderten Aufbaus einer Ladeinfrastruktur bei Stromsäulen. Zudem hat Innogy den Zuschlag für den Windpark Triton Knoll vor der britischen Ostküste erhalten mit einer Kapazität von 860 Megawatt. Mindestens 800.000 Haushalte in Großbritannien sollen damit mit Strom versorgt werden.

Ausblick bestätigt

Den Ausblick für das laufende Jahr bestätigt das Unternehmen, das vom ehemaligen RWE-Konzernchef Peter Terium geführt wird. Danach liegt das Ziel beim Ebitda auf Konzernebene weiter bei 4,4 Milliarden Euro und beim Ebit bei 2,9 Milliarden Euro. Netto soll das Ergebnis bei über 1,2 Milliarden Euro liegen, vorbehaltlich allerdings möglicher Unsicherheiten beim britischen Vertriebsgeschäft.

Die Börse ist zufrieden

Der Blick auf den Chart zeigt, dass die Anleger die Innogy-Aktie gerne aufnehmen. Erst im Oktober stand die Aktie mit Kursen über 42 Euro so hoch wie noch nie. Auch die hohe Abschreibung, da dem Charakter nach eine Einmalaufwendung, verzeiht der Kapitalmarkt tendenziell, zumal das Problem durch die angekündigte Fusion mit SSE bereits adressiert ist. Im vorbörslichen frühen Handel tendiert die im MDax notierte Innogy-Aktie gegenüber dem Schlussstand vom Freitag wenig verändert.

rm