Peter Terium, Vorstandsvorsitzender von RWE
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Nach Gewinnwarnung Innogy-Chef muss gehen

Stand: 20.12.2017, 08:42 Uhr

Es ist fast wie im Fußball: Wenige Tage nach der Verkündung einer Gewinnwarnung muss Peter Terium, langjähriger Vorstandsvorsitzender von RWE und seit 2016 Chef der Ökostromtochter Innogy, seinen Posten räumen.

Die Trennung sei im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat beschlossen worden, teilte die RWE-Ökostromtochter Innogy mit - die in der Unternehmenswelt übliche Umschreibung eines Rauswurfs. Terium geht mit sofortiger Wirkung. "Der Aufsichtsrat begrüßt grundsätzlich die vom Vorstand verfolgte Unternehmens- und Finanzstrategie, sieht aber die Notwendigkeit eines höheren Stellenwertes der Kostendisziplin und einer fokussierten Wachstums- und Investitionsstrategie", heißt es in der Pressemitteilung. Terium hatte einen Vertrag noch bis Ende März 2021.

Terium war seit 2003 in verschiedenen Positionen bei RWE tätig, zunächst als Leiter des Konzerncontrollings, später als Vorstandsvorsitzender verschiedener Tochterfirmen. Er war seit April 2016 Chef der RWE-Ökostromtochter. Zuvor hatte der Niederländer seit 2012 den Mutterkonzern RWE geleitet.

Überraschende Entscheidung

Die Entscheidung des Aufsichtsrats kam offenbar überraschend, da auf der Internetseite des Konzerns noch das Zitat Teriums stand: "Innogy steht für umweltfreundliche, digitale und smarte Innovationen." RWE hatte Innogy im vergangenen Jahr an die Börse gebracht. Der Mutterkonzern hält noch 77 Prozent der Anteile. In den vergangenen Monaten war immer wieder spekuliert worden, dass Innogy von einem ausländischen Energieriesen übernommen werden könnte.

Das seit Jahren schwächelnde Strom- und Gasgeschäft in Großbritannien verhagelte zuletzt die Bilanz von Innogy. Kunden könnten dort vielfach nur dadurch gehalten werden, dass man ihnen Tarifwechsel mit günstigeren Konditionen biete, hieß es. Im November hatte Innogy angekündigt, die Mehrheit an seinem britischen Vertriebsgeschäft an den britischen Versorger SSE abzugeben.

Probleme in Großbritannien

Hörfunk-Moderatorin Franka Welz
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Börse 17.00 Uhr Terium-Abgang - was ist passiert?

Letzten Mittwoch hatte das Unternehmen gewarnt, dass das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2017 bei 2,8 Milliarden Euro liegen werde, statt der bislang angepeilten 2,9 Milliarden Euro. 2018 werde das Ergebnis des Konzerns zudem wegen höherer Kosten für Zukunftsprojekte wie die Digitalisierung oder Investitionen in Wachstumsgeschäfte mit 2,7 Milliarden Euro noch niedriger ausfallen.

Hintergrund sind hier laut Innogy erhebliche höhere Investitionen in Zukunftsfelder wie Elektromobilität, Breitbandnetze und Digitalisierung. "Auch wenn das kurzfristig unser Ergebnis belastet, bin ich überzeugt: Das ist die richtige Strategie", hatte sich Terium seinerzeit noch überzeugt gezeigt.

Aktien leicht im Plus

Die Anleger reagieren erleichtert auf den Abgang Teriums. Im vorbörslichen Handel legen sowohl die Papiere von RWE als auch von Innogy leicht zu. Nach der Gewinnwarnung von Innogy am Mittwoch vergangener Woche waren die Papiere in nur zwei Tagen um rund 18 Prozent eingebrochen und konnten sich anschließend auf dem niedrigen Niveau stabilisieren. Auch die Aktien der Mutter RWE waren unter starken Druck geraten.

RWE-Welt

RWE und Innogy. | Bildquelle: boerse.ARD.de, Grafik: boerse.ARD.de

lg