Innogy-RWE-Zentrale in Essen
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Drohende Aufspaltung & Jahreszahlen Innogy: Donnernder Applaus der Anleger

Stand: 12.03.2018, 10:32 Uhr

Angesichts der Nachrichten über die geplante Neuordnung des Versorgermarkts treten die Zahlen des Energiekonzerns fast in den Hintergrund. Das Management wird darüber nicht böse sein und die Aktie springt nach vorn.

Das Innogy-Papier springt um mehr als 15 Prozent auf knapp 40 Euro an. Das ist wenig überraschend, denn Eon unterbreitet den Innogy-Aktionären ein freiwilliges Übernahmeangebot. Dabei sollen die Anteilseigner nach aktuellem Stand 40 Euro je Aktie in bar erhalten.

Die Fachleute der Société Générale kommentieren das Angebot: "Auch wenn die Schlagzeile für den Übernahmepreis 40 Euro je Innogy-Aktie lautet, liegt die eigentliche Hausnummer bei 36,76 Euro je Aktie", schrieb Analyst Lüder Schumacher in einer am Montag vorliegenden ersten Reaktion. Denn neben einem Barbetrag erhielten sie das Recht auf die nächsten zwei Dividendenzahlungen, das sie jedoch bereits besäßen.

Nettogewinn halbiert

Fast könnte man vergessen, dass heute auch die Jahreszahlen von Innogy präsentiert wurden: Nach Abschreibungen von fast einer halben Milliarden Euro auf das seit Jahren schwächelnde britische Vertriebsgeschäft fiel das Nettoergebnis um 48,6 Prozent auf 778 Millionen Euro. Bereinigt stieg das Nettoergebnis um neun Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Die Dividende bleibt mit 1,60 Euro je Aktie unverändert.

Der Umsatz sank von 43,6 Milliarden Euro auf 43,1 Milliarden. Das ist etwas weniger als Fachleute prognostiziert hatten. Immerhin beim bereinigten operativen Ergebnis (Ebit) erreichte Innogy seine im Dezember gesenkte Prognose. Es stieg leicht um drei Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Dazu trug das Netzgeschäft mit rund 1,9 Milliarden Euro den Löwenanteil.

Es wird noch härter gespart

Innogy-RWE-Zentrale in Essen

Innogy-RWE-Zentrale in Essen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Innogy wird nach der angekündigten Zerschlagung durch den Mutterkonzern RWE und den Konkurrenten Eon den Sparkurs forcieren. Für die Jahre bis 2020 sollten die beeinflussbaren Kosten um brutto 400 Millionen Euro reduziert werden, kündigte Vorstandschef Uwe Tigges. "Zu den jüngsten Ankündigungen von RWE und Eon werden wir zu gegebener Zeit Stellung nehmen."

Die Energieriesen hatten am Wochenende bekannt gegeben, Innogy zu zerschlagen und die Geschäfte untereinander aufzuteilen. Eon soll das Netz- und Vertriebsgeschäft erhalten, RWE die Ökostromanlagen sowohl von Innogy als auch von Eon.

"Attraktives Angebot"

Daniel Etzel, Experte bei NFS Capital, nimmt ebenfalls Stellung zum Angebot in Höhe von 40 Euro. "Objektiv gesehen halten wir das Angebot vor dem Hintergrund der Probleme von Innogy für durchaus attraktiv. Zum einen nimmt es die ambitionierten Dividendenerwartungen für die nächsten zwei Jahre vorweg. Darüberhinaus muss man schon sehr optimistisch sein, ohne Übernahmeangebot mittelfristig Kurse zu erwarten, die deutlich über dem jetzigen Angebotspreis liegen. Zum Schlusskurs vom Freitag bei knapp 35 Euro je Aktie wird das Unternehmen mit 19 Milliarden Euro bewertet. Hinzu kommt eine Nettoverschuldung in etwa der gleichen Größenordnung."

Aus Basis der jetzigen Markterwartungen, die immerhin einigermaßen stabile Gewinne für die nächsten Jahre sähen, sei das Unternehmen bereits mit dem 15-fachen des operativen Ergebnisses und dem 17-fachen des Gewinns je Aktie bewertet, so Etzel.

ts