Ing DiBa-Schriftzug

Übernahme von Lendico geplant ING-Diba setzt voll auf Fintech

Stand: 19.02.2018, 10:58 Uhr

Die Direktbank plant nach eigenen Angaben die Übernahme der ehemaligen Rocket-Internet-Tochter Lendico. Der Marktplatz für Unternehmenskredite wäre schon der dritte Deal, mit dem sich ING-Diba in Sachen Fintech "aufrüstet".

Die Bank bestätigte am Montagvormittag in einer kurzen Pressemeldung einen Bericht des Newletters "Finanz-Szene", wonach sich die deutsche Tochter des niederländischen Finanzkonzerns ING Group mit Lendico im Bereich des "Crowd-Lending" verstärken will.

Firmenkunden als Zielgruppe

"Wir sehen im Bereich digital SME sehr viel Wachstumspotential für uns", so Nick Jue, Vorstandsvorsitzender der ING-DiBa AG, in der Mitteilung. Gemeint sind damit kleine und mittlere Unternehmen (small and medium-sized enterprises, SME), die sich die Direktbank neben den Retailkunden besser erschließen will. Genau für diese Zielgruppe bietet Lendico die Möglichkeit Firmenkredite per Peer-to-peer-Verfahren über die Plattform schnell zu mobilisieren. Dabei werden Kreditnehmer und -geber zusammengebracht, ohne dass eine Bank als Mittler fungiert.

Lendico war 2013 von der Internet-Beteiligungs-Gesellschaft Rocket Internet gestartet worden. Das Unternehmen hatte sein Angebot schnell auf mehrere europäische Länder ausgedehnt, darunter Spanien, Polen und Österreich. Lendico hatte zunächst schwerpunktmäßig Kredite für Privatpersonen vermittelt.

Lendico umgebaut - und verkauft?

Im vergangenen Jahr sollte der Kreditmarktplatz auf die Vermittlung von Firmenkrediten umjustiert werden. Und im Juli 2017 kündigte Rocket Internet dann an, seine Mehrheitsbeteiligung an Lendico an den britischen Hedgefonds Arrowgras verkaufen zu wollen. Unklar ist damit, ob die Internet-Gesellschaft derzeit noch am Verkauf an die ING-Diba mitverdienen wird.

Für die Direktbank ist offensichtlich vor allem die Technologie von Lendico interessant. Mit der Übernahme spart sich das Institut die teure Entwicklung einer eigenen Anwendung. Die ING-Diba setzt konsequent auf die Integration von Anwendungen der neuen Finanz-Technologie (Fintech). So wurde im April 2017eine Partnerschaft mit dem Online-Versicherungsvermittler Clark angekündigt.

Zwei Kooperationen, eine Übernahme

Im Juli 2017 folgte dann mit der Kooperation mit der Online-Vermögensverwaltung Scalable Capital der nächste Deal. Der "Robo-Advisor" aus München hat wie Clark nun Zugang zu den rund acht Millionen Diba-Kunden. Nach neuesten Meldungen konnte Scalable sein verwaltetes Vermögen dank der Kooperation auf inzwisch rund 600 Millionen Euro ausdehnen.

Die Übernahme von Lendico wäre allerdings der erste Zukauf eines Fintech-Unternehmens durch eine Großbank. Ein Deal, der dadurch durchaus Signalwirkung in der Branche haben könnte. Über finanzielle Details herrscht allerdings Stillschweigen.

AB