Chipproduktion bei Infineon
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Aktie am Dax-Ende Infineon stemmt größten Kauf der Konzerngeschichte

Stand: 03.06.2019, 09:25 Uhr

Der Chiphersteller Infineon wagt den bisher größten Übernahmeversuch der Unternehmensgeschichte. Ziel des milliardenschweren Geschäfts ist der US-Konkurrent Cypress Semiconductor. Die Anleger mögen den Plan gar nicht. Ist der Preis zu hoch?

Der Dax-Konzern will für Cypress neun Milliarden Euro bezahlen. Dazu soll den Aktionären des Unternehmens 23,85 Dollar je Anteil geboten werden, wie Infineon mitteilte. Das sei ein Aufschlag von 46 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen 30 Handelstage. Die Kaufsumme soll bis bis zu 30 Prozent durch neues Eigenkapital finanziert werden.

Cypress-Chefs sind einverstanden

Infineon stärke mit der Übernahme von Cypress seine Ausrichtung auf strukturelle Wachstumstreiber und erweitere sein Anwendungsspektrum, heißt es in der Unternehmensmitteilung. Aufgrund zu erwartender Größeneffekte entstünden bis 2022 jährliche Kostensynergien in Höhe von 180 Millionen Euro. Die sich ergänzenden Portfolios ermöglichten zusätzliche Angebote von Chip-Lösungen, die sich langfristig in Umsatzsynergien in Höhe von mehr als 1,5 Milliarden Euro pro Jahr niederschlagen dürften.

Infineon hat sich bereits die Unterstützung der Cypress-Führungsspitze gesichert und will die Übernahme bis spätestens Anfang 2020 abschließen. Die Akquisition bedürfe aber noch der Zustimmung der zuständigen Aufsichtsbehörden und der Aktionäre von Cypress sowie der Erfüllung weiterer üblicher Bedingungen.

Infineon-CEO Reinhard Ploss

Infineon-CEO Reinhard Ploss. | Bildquelle: picture alliance / Stephan Goerlich

Die Anleger mögen den Plan nicht

Infineon kam im Geschäftsjahr 2017/18 auf einen Umsatz von 7,6 Milliarden Euro, der Gewinn lag bei 1,1 Milliarden Euro. Cypress ist deutlich kleiner als Infineon. Der US-Konzern beschäftigt nach eigenen Angaben rund 6.500 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von umgerechnet rund gut zwei Milliarden Euro. Für Infineon wäre es die mit Abstand größte Akquisition der rund 20-jährigen Unternehmensgeschichte. Bisher ist das der rund drei Milliarden Dollar teure Kauf des US-Unternehmens International Rectifier, der Anfang 2015 abgeschlossen wurde.

Mit einem Abschlag von rund fünf Prozent notiert das Papier am Dax-Ende. Allein in den vergangenen vier Wochen verloren die Aktien mehr als 20 Prozent. Binnen weniger Monate hatte der Chiphersteller zwei Mal seine Prognose gesenkt.

Sinnvoll, aber teuer

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 16.00 Uhr: Anleger erschreckt über Zukauf von Infineon

Mittlerweile haben sich auch die ersten Fachleute zum Thema geäußert. Die Commerzbank hat die Einstufung auf "Buy" mit einem Kursziel von 24 Euro belassen. Der Schritt dürfte an der Börse eine maue Reaktion nach sich ziehen, schrieb Analyst Florian Treisch. Er schätzt zwar den strategischen Sinn der Übernahme, verwies aber als Dämpfer auf einen hohen Preis, das große Volumen und eine allgemein gedämpfte Risikobereitschaft der Anleger.

Nach Einschätzung des Investmenthauses Mainfirst komme Infineon die Übernahme im aktuellen Branchenabschwung teuer zu stehen. Möglicherweise habe sich der Preis durch andere Interessenten hochgeschaukelt, erklärte Analyst Jürgen Wagner. Strategisch lobt er den Schritt aber. Die Produktportfolios ergänzten sich auf den ersten Blick gut und Cypress stärke zudem die globale Präsenz der Münchner. Wagner ließ seine Einstufung für Infineon auf "Neutral" mit einem Kursziel von 19 Euro.

ts/rtr/dpa