Bayer- und Covestro-Logos

Trendsetter Bayer und Siemens In der Spaltung liegt die Würze - oder?

Stand: 02.08.2018, 14:57 Uhr

Ob Siemens, Conti oder Bayer: Die Aufspaltung von Unternehmen liegt voll im Trend. Damit wollen die Firmen agiler werden - und vor allem den Börsenwert steigern. Doch nicht nur das. Und es gibt auch Misserfolge.

Um Konglomerate oder sogenannte Mischkonzerne, die auf vielen verschiedenen Geschäftsfeldern unterwegs sind, machen viele Großinvestoren einen weiten Bogen. Denn sie gelten als undurchsichtig und somit nur schwer zu bewerten. Das haben Unternehmen wie Bayer bereits vor Jahren erkannt und ihr Portfolio bereinigt. Denn die Summe der Einzelteile eines Konzerns ist oftmals mehr wert als der Gesamtkonzern.

So verkauften die Leverkusener zunächst ihre Spezialchemiesparte und brachten sie an die Börse. Mit Erfolg. Der Aktienkurs kletterte von knapp 18 Euro im Jahr 2005 auf zuletzt fast 70 Euro. Die in Lanxess umgetaufte Firma schaffte es sogar in den Dax. Wiederholt hat Bayer diesen Schritt ein paar Jahre später mit der Kunststoffsparte: Sie wurde in Covestro umgetauft und an die Börse gebracht. Auch diese Entscheidung war erfolgreich: Die frühere Tochter stieg in die erste Börsenliga auf, ihr Kurs hat sich seit der Erstnotiz im Oktober 2015 mehr als verdreifacht.

"Wie ein Flottenverbund durchs Meer"

Auch für Bayer hat sich die Fokussierung gelohnt, haben doch die Erlöse aus dem Verkauf von Covestro dazu beigetragen, den Erwerb von Monsanto zu finanzieren. Längst sind andere deutsche Konzerne dem Beispiel Bayer gefolgt, gehen dabei aber noch einen Schritt weiter.

Am weitesten gediehen ist der Umbau von Siemens. Nachdem sich der einst so behäbige Konzern (eine Bank mit angeschlossener Elektroabteilung) bereits von seiner Glühlampentochter Osram getrennt hat, folgt nun der große Wurf.

So soll Siemens künftig wie ein "Flottenverbund durch das stürmische Meer" fahren und dabei einer Kombination aus schlanker Zentrale und vielen Schnellbooten gleichen, die eigenständig ihren Kurs halten. So zumindest beschreibt es Vorstandschef Joe Kaeser.

Größter Umbau seiner Geschichte

Tatsächlich hat der Münchner Konzern gerade den größten Umbau seiner Geschichte verkündet. Danach sollen die bisher fünf Industrie-Divisionen in drei operative Gesellschaften gebündelt werden. "Kern der Unternehmensstrategie 'Vision 2020+' ist, den einzelnen Geschäften deutlich mehr unternehmerische Freiheit unter der starken Marke Siemens zu geben", so Siemens.

Die Medizintechnik wurde unter dem Namen Healthineers bereits abgespalten und an die Börse gebracht. Die Windkraft fusionierte mit dem Konkurrenten Gamesa und kam ebenfalls an die Börse. Ein ähnliches Modell ist gerade in der Bahntechnik mit dem geplanten Zusammenschluss mit Alstom zu einem neuen europäischen Zug-Champion geplant.

Auch Conti wird zur Holding

Experten zufolge wird sich der Umbruch fortsetzen. Denn die Aktionäre fordern von den Unternehmen maximale Transparenz. Auch müssen die Firmen ihre Strukturen an die Digitalisierung mit ihren radikalen Umbrüchen anpassen. Das geht mit kleineren, überschaubaren Einheiten schneller und einfacher als innerhalb eines Konglomerats.

Diesem Trend will sich auch der Autozulieferer Continental nicht entziehen. So hat Conti im Juli entschieden, sich unter dem Dach einer Holding in die drei Unternehmensbereiche zu gliedern. Die größte Veränderung ist die Herauslösung und ein Teilbörsengang der Antriebssparte Powertrain, der schon Mitte nächsten Jahres kommen könnte. Mit der Schaffung der drei Bereiche unter dem Dach einer Holding will sich der Dax-Konzern für die Zukunft der Mobilität rüsten.

Daimler und VW wollen folgen

Auch Daimler hat große Pläne für eine Neuorganisation. Unter dem Dach der Daimler AG als Holding soll es künftig drei rechtlich selbstständige Sparten geben: Pkw/Vans, Lkw/Busse und Finanzdienstleistungen.

Diese Aufteilung soll mehr Unternehmergeist und Flexibilität ermöglichen, angesichts der "sich schnell ändernden Umfelder". Zwar gibt es intern bereits fünf Sparten mit eigenen Leitungsgremien, doch mit der neuen Struktur als rechtlich eigenständige Firmen, so versprechen es die Manager, könnten die einzelnen Sparten leichter externe Partnerschaften eingehen und sich Kapital beschaffen. Auch Teilbörsengänge, beispielsweise der Lkw-Sparte, sind nicht ausgeschlossen.

LKW-Sparte an die Börse

Das gilt auch für Volkswagen. Zwar galt bis vor Kurzem noch die Maxime des ehemaligen Aufsichtsratschefs und Miteigentümers Ferdinand Piëch, nach der VW nur kaufe, aber nie etwas abgebe.

Doch dieser Grundsatz ist längst ins Wanken geraten: Die erst 2012 erworbenen Lkw-Töchter MAN und Scania werden in Traton Group umbenannt und sollen bereits im kommenden Jahr an die Börse. Anders als bei Konzerntöchtern wie Audi oder Skoda sollen keine Mitglieder der Familien Porsche und Piëch in den Aufsichtsrat einziehen. Obwohl Volkswagen die Mehrheit der Anteile behalten will, wird Renschler sehr eigenständig agieren können.

Nicht immer von Erfolg gekrönt

Doch nicht immer ist die Aufspaltung der Konzerne von Erfolg gekrönt. Die Teilung des Einzelhändlers Metro ins traditionelle Großhandelsgeschäft und in die Ceconomy AG (Media Markt und Saturn) hat sich sogar als Flop erwiesen, liegt doch die Summe des Börsenwerts der beiden Teile des Unternehmens heute deutlich unter dem Wert vor der Trennung.

Ähnlich sieht es bei der Deutschen Bank und der abgespaltenen Fondstochter aus. So hat sich die DWS seit dem Börsengang vom einstigen Ertragsbringer zum Sorgenkind entwickelt. Der Aktienkurs trudelt abwärts, nachdem bekannt wurde, dass der Vermögensverwalter im zweiten Quartal Mittelabflüsse von knapp fünf Milliarden Euro verzeichnet hat.

Zwei Beispiele - Deutsche Bank und Metro - die darauf hindeuten, dass sich der Trend zur Aufspaltung und zur Portfoliobereinigung nicht für alle Konzerne eignet und kein automatischer Weg zum Erfolg ist.

lg