BioNTech-Labor

Zurück zur Normalität? Impfstoff: Es läuft bei Pfizer und Biontech

Stand: 21.08.2020, 07:34 Uhr

Im globalen Rennen um einen Corona-Impfstoff liegt das Mainzer Unternehmen Biontech mit seinem US-Partner Pfizer weit vorn. Die entscheidende dritte Testphase beginnt, ein Zulassungsantrag noch in diesem Oktober bleibt möglich.

Frühe Daten einer gemeinsamen Studie von Pfizer und Biontech bezüglich des Hauptimpfstoffkandidaten BNT162b2 gegen Covid-19 fallen ermutigend aus, wie beide Unternehmen jetzt bekanntgeben. "Bei Erfolg der Studie planen Pfizer und Biontech weiterhin, bereits im Oktober 2020 das Zulassungsverfahren zu beantragen und bei einer Zulassung oder Genehmigung weltweit bis zu 100 Millionen Impfstoffdosen bis Ende 2020 sowie potenziell rund 1,3 Milliarden Impfstoffdosen bis Ende 2021 bereitzustellen", heißt es in der Biontech-Mitteilung.

Forscher von Pfizer hätten Daten aus vorangegangenen klinischen Studien an zwei Vakzin-Kandidaten verglichen, hieß es. Beide hätten gleichermaßen die Immunsysteme gestärkt, ohne dabei schwere Nebenwirkungen auszulösen.

Biontech: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Nebenwirkungen behandelbar

Einer der beiden Kandidaten habe erheblich weniger Reaktionen nach Injektionen hervorgerufen, insbesondere bei älteren Erwachsenen. Zu den Symptomen gehörten Fieber, Kopfschmerzen, Frösteln oder Muskelschmerzen, die zwar vorbeigingen, aber unangenehm seien, berichtete Pfizer.

Stärkere Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schüttelfrost sowie Muskel- oder Gelenkschmerzen seien bei einer kleinen Anzahl an jüngeren Probanden beobachtet worden, die mit BNT162b2 behandelt worden seien, teilte Biontech mit. "Diese traten jedoch nur kurzfristig auf und waren behandelbar. Es traten keine schweren Nebenwirkungen bei älteren Probanden, die mit BNT162b2 behandelt wurden, auf", heißt es weiter.

Die entscheidende Phase

Für den führenden Impfstoff-Kandidaten hat die letzte Phase 3 begonnen. Wissenschaftler haben in den USA und anderen Ländern rund 30.000 Probanden für die Studie rekrutiert. Der mögliche Impfstoff ist weltweit einer von einer Handvoll experimenteller Vakzine, die die Test-Endphase erreicht haben.

Weltweit gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gegenwärtig 169 Corona-Impfstoffprojekte, davon befinden sich 30 in der klinischen Erprobung an Menschen, acht davon in der entscheidenden abschließenden Phase-3-Studie, die für eine Zulassung ausschlaggebend ist.

Natürlich reagiert die Börse: Biontech sprangen auf Tradegate um 11 Prozent nach oben, während Pfizer-Aktien um 2,5 Prozent zulegten. "Das hat heute an den Finanzmärkten die Erwartung gestützt, dass das Leben rascher als bisher gedacht wieder zur Normalität zurückkehren könnte", schrieb Analyst Stephen Innes vom Handelshaus Axicorp. Sollte es tatsächlich einen Impfstoff gegen die Krankheit geben, würde "die Fahrt zur nächsten Klinik die weltweite Rezession quasi auf einen Schlag beenden", gab sich Innes euphorisch.

ts