ADO-Wohnimmobilie in Berlin
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Werden Mieten eingefroren? Anleger lassen Immo-Aktien fallen

Stand: 06.06.2019, 10:48 Uhr

Ein harter Tag für die Immobilienbranche: Die Sorge vor einem politischen Verbot von Mietsteigerungen in Berlin hat bei Immobilienwerten zu deutlichen Kursverlusten geführt. Nur im TecDax ist naturgemäß keine Immobilien-Aktie das Schlusslicht.

Aktien von Vonovia sacken im Dax um fast vier Prozent ab und sind mit Abstand schwächster Wert im deutschen Leitindex. Anteilsscheine von Deutsche Wohnen sind im MDax größter Verlierer mit einem Abschlag von knapp acht Prozent. Adler Real Estate ist Schlusslicht im SDax und verliert beinahe neun Prozent.

Diversen Presseberichten zufolge will die Berliner Landesregierung die Wohnungsmieten ab 2020 für fünf Jahre einfrieren. Ein entsprechendes Eckpunktepapier der Linken-Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher soll Mitte Juni im Berliner Senat beschlossen werden, hieß es.

Werden die Zeiten für die erfolgsverwöhnten Immobilienkonzerne ungemütlicher? Der Mieterbund hatte am Mittwoch von der Bundesregierung eine grundlegende Neuausrichtung in der Wohnungs- und Mietenpolitik verlangt. Die Losung "bauen, bauen, bauen" werde den Problemen nicht gerecht, betonte Mieterbund-Präsident Franz-Georg Rips in Berlin. Stattdessen könnte das Grundgesetz um einen Artikel 14a erweitert und ein Grundrecht auf "angemessenes und bezahlbares Wohnen" eingeführt werden. Anders als in einer Reihe von Landesverfassungen sei das Recht auf Wohnen im Grundgesetz nicht ausdrücklich genannt.

"Nichts zu tun mit freier Marktwirtschaft"

Von der Wohnungswirtschaft kam Kritik. Statt "ideologischer Debatten" benötige man Maßnahmen für mehr bezahlbaren Wohnraum, darunter schnellere Grundstücksvergaben und Genehmigungsverfahren, erklärte der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Am Markt wurden vor allem die Pläne der Berliner Landesregierung scharf kommentiert. "Mit freier Marktwirtschaft hat das nichts mehr zu tun", so ein Börsianer. Die Politik wolle wohl nicht verstehen, dass auch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank mit ihren Niedrigzinsen die Mieten antreibe.

Untermauert wird diese Einschätzung von einer aktuellen Studie der KPMG-Wirtschaftsprüfer und der Immobilienakademie IREBS an der Universität Regensburg. "Aufgrund mangelnder Alternativen bei festverzinslichen Kapitalanlagen wird es somit bei dem erheblichen Liquiditätsüberhang im Immobilieninvestmentmarkt bleiben", stellte KPMG-Immobilienchef Hans Volckens darin fest. Preise und Mieten hätten in fast allen Nutzungsarten Höchststände erreicht.

Mit den Berlin-fokussierten Vonovia, Deutsche Wohnen und ADO könnten die Anleger in den vergangenen Jahren gut verdienen. So konnten sich Vonovia-Papiere seit ihrem Börsenstart 2013 fast verdreifachen und die 2015 an die Börse gekommenen ADO waren in der Spitze zweieinhalb Mal soviel wert wie zum Start. Bei Deutsche Wohnen waren seit Durchschreiten der Talsohle Mitte 2010 gar fast 600 Prozent Kursgewinn zu erzielen.

ts