Jugendlicher Geldanleger

Neue Studie Immer mehr junge Aktionäre

Stand: 24.09.2020, 16:29 Uhr

Die Corona-Krise hat der Aktienkultur in Deutschland nicht geschadet. Im Gegenteil: Der Anteil der Aktienbesitzer ist gestiegen. Vor allem 15- bis 25-Jährige investierten in Wertpapiere. Dadurch hat sich die Aktionärsstruktur verjüngt.

Wie sieht Otto Normalanleger aus? Das wollte die Initiative "Aktion pro Aktie", ein Zusammenschluss von Comdirect, Consorsbank und ING Deutschland, herausfinden - und machte im Juli und August eine repräsentative Umfrage unter 2.000 Bundesbürgern. Das Ergebnis ist wenig verblüffend: Der durchschnittliche Aktienbesitzer in Deutschland ist männlich, um die 40 Jahre alt, verfügt über einen Hochschulabschluss und verdient mindestens 4.000 Euro netto pro Monat.

18- bis 24-Jährige im Aktienrausch

Zumindest altersmäßig tut sich aber was. Unter den neuen Wertpapierbesitzern befinden sich zunehmend junge Aktionäre. Laut der Studie der "Aktion pro Aktie" erhöhte sich bei den unter 25-Jährigen der Anteil der Aktienbesitzer um 13 Prozentpunkte auf 39 Prozent. Eine solch hohe Aktienquote gibt es nur bei den 45- bis 54-Jährigen.

Dadurch stieg der Anteil der Aktien- und Fondsbesitzer in Deutschland um fünf Prozentpunkte auf 34 Prozent. 2017 lag die Quote noch bei nur 24 Prozent.

Mehr Männer als Frauen haben Aktien

Noch immer sind aber männliche Anleger überrepräsentiert. 42 Prozent der Männer, aber nur 25 Prozent der Frauen besitzen derzeit Wertpapiere. Jede zweite deutsche Frau hat noch nie Aktien besessen - weder jetzt noch in der Vergangenheit.

Auch Bildung und Einkommen spielen eine entscheidende Rolle für den Aktienbesitz. Jeder zweite Hochschulabsolvent ist Aktionär. Im Bevölkerungsschnitt sind es gerade mal 34 Prozent. Dagegen besitzen lediglich 13 Prozent der Menschen ohne oder mit niedrigem Abschluss Aktien.

Besonders Gutverdiener setzen auf Aktien

Zudem beeinflusst das Haushaltsnettoeinkommen das Anlageverhalten: Wer nur wenig verdient, hat weniger Spielraum zu sparen und zu investieren. Mehr als die Hälfte der Gutverdiener (monatliches Grundeinkommen von mindestens 4.000 Euro netto) ist am Aktienmarkt aktiv. Bei einem Haushaltseinkommen von unter 1.000 Euro sind indes nur acht Prozent von ihnen in Aktien investiert.

Die Einstellung zu Geldanlagen wandelt sich zunehmend - wohl auch weil viele Bürger merken, dass sie keine Zinsen mehr bei der Bank bekommen. 59 Prozent der Befragten sehen Aktien als Beteiligung an einem Unternehmen. Bei den Aktienbesitzern liegt der Anteil gar bei 75 Prozent. Gut ein Drittel der Deutschen, nämlich 34 Prozent, halten Aktien für eine gute Geldanlage. Vor einem Jahr meinten das nur 31 Prozent. Als Zockerpapiere betrachtet nur jeder zehnte Deutsche die Aktien.

Einstellung der Deutschen zu Aktien

Einstellung der Deutschen zu Aktien. | Grafik: boerse.ARD.de

Girokonto und Sparbuch weiter am populärsten

Unter den Top-Geldanlagen fristen Aktien und Fonds allerdings weiterhin ein Schattendasein. Die beliebtesten Anlageformen bleiben das Girokonto, das Sparbuch und das Tagesgeld. Aktienfonds kommen nur an siebter Stelle. Aktien gehören nicht zu den Top-10-Geldanlagen.

Während bei Bundesbürgern unter 35 Jahren das Sparbuch überdurchschnittlich populär ist, entscheiden sich die 45- bis 54-Jährigen besonders häufig für Aktienfonds. Gut ein Viertel von ihnen hat in Fonds investiert; in keiner anderen Altersgruppe ist der Anteil an Aktienfondsbesitzern größer. Geringverdiener nutzen eher kurzfristige Geldanlageprodukte wie Girokonto oder Sparbuch. Je höher das Einkommen, desto eher investieren die Bürger in langfristige Anlagen. Drei Viertel der Deutschen mit einem Haushaltseinkommen von mindestens 4.000 Euro netto haben Ersparnisse in Bausparverträgen, Immobilien, Lebensversicherungen, Festgeld oder Anleihen angelegt.

nb