IBM-Deutschland-Zentrale in München

Wachstumsfantasie mit Fragezeichen IBM kriegt die Kurve nicht

Stand: 17.10.2018, 08:39 Uhr

Drei Quartale mit Wachstum - und nun scheint die Uhr bei dem IT-Urgestein wieder rückwärts zu laufen. Ein Umsatzminus im letzten Berichtszeitraum schickte die IBM-Aktie am Dienstagabend heftig in den Keller.

Minus fünf Prozent lautet die Bilanz des nachbörslichen US-Handels. Damit liegt der Titel im gesamten Börsenjahr 2018 nun rund zehn Prozent in der Minuszone - und das, obwohl der gesamte US-Aktienmarkt sich im Aufwärtstrend befindet.

Großrechner weniger gefragt

IBM kämpft an mehreren Fronten, derzeit offenbar nicht allzu erfolgreich. Ein schwächeres Server-Geschäft, inzwischen das Brot-und-Butter-Geschäft des Konzerns, sorgte für einen Umsatzrückgang von zwei Prozent im Sommer-Quartal. In den drei Monaten bis Ende September erlöste IBM 18,8 Milliarden Dollar (umgerechnet 15,6 Milliarden Euro). Laut Experten leidet der Bereich unter einem zyklischen Tief für die Großrechner, die vor allem in der Finanzindustrie eingesetzt werden.

Aber auch die neuen Geschäfte, bei denen IBM inzwischen kräftig mitmischt und investiert hat, wachsen derzeit nicht so schnell wie erhofft. Das Cloud-Geschäft schaffte zwar ein zehnprozentiges Umsatzplus, blieb damit aber deutlich hinter dem zwanzigprozentigen Anstieg im Vorquartal zurück.

Und besonders schwach schnitt die Sparte "Cognitive Solutions", zu der unter anderem IBMs Supercomputer Watson gehört, im vergangenen Quartal ab - hier gaben die Erlöse um sechs Prozent nach.

Zweifel an der Wachstumsstrategie

Ob dies nur eine Momentaufnahme bei dem US-Konzern ist oder ein neuer Trendwechsel nach unten, bleibt zunächst offen. Sowohl im Cloud-Geschäft als auch in den Bereichen Künstliche Intelligenz oder auch Blockchain wird die Luft und damit auch die Marge für die großen Player dünner. Außer IBM tummeln sich hier auch die Giganten Amazon, Microsoft oder Google.

IBM, das einst größter Hersteller von PC war, hatte sich bereits vor Jahren zunächst auf das lukrativere Server-Geschäft geworfen und dann nach weiteren Wachstumsfeldern gesucht. Sechs Jahre in Folge hatte der Konzern Umsatzrückgänge hinnehmen müssen, dann schien eine Wende geschafft - nun ist die Wachstumsfantasie mit Fragezeichen versehen.

Gewinn über Erwartungen

Da nützt es derzeit auch nichts, dass die Profite bei IBM im Berichtsquartal die Erwartungen übertrafen. Allerdings steht auch hier ein Wachstumsminus vor dem Ergebnis: Der Quartalsgewinn sank um 1,2 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar, fiel damit aber noch etwas besser als erwartet aus. Trotz des durchwachsenen Vierteljahres hielt der Konzern immerhin an seinen Gewinnzielen für das Gesamtjahr fest: Weiterhin ein bereinigtes Ergebnis von mindestens 11,60 Dollar pro Aktie erwartet.

AB