Weil Google tabu ist Huawei weicht auf TomTom aus

Stand: 20.01.2020, 10:20 Uhr

Gute Nachrichten für die geplagten Aktionäre des Navianbieters TomTom: Weil der Mobilfunker Huawei keine Google-Dienste mehr einsetzen darf, setzen die Chinesen nun auf die Dienste der Niederländer.

Wie der Kartendienst-Anbieter TomTom am Wochenende bestätigte, habe man mit Huawei einen Vertrag abgeschlossen. Dabei gehe es um Nutzungsrechte für Kartenmaterial und damit zusammenhängende Dienste.

TomTom-Sprecher Remco Meerstra sagte gegenüber Reuters, der Vertrag sei bereits vor einiger Zeit geschlossen worden, jedoch im Interesse beider Partner geheimgehalten worden. Zu Details wie Preis, Umfang oder Laufzeit des Deals äußerte sich Meerstra jedoch nicht.

Auf der schwarzen Liste

Seit die US-Behörden Huawei im vergangenen Jahr wegen Bedenken der nationalen Sicherheit auf eine schwarze Liste gesetzt haben, ist es amerikanischen Unternehmen nicht mehr gestattet, Geschäfte mit dem chinesischen Konzern zu machen.

So darf Huawei nicht mehr das Googles-Betriebssystem Android samt der dazugehörigen Dienste auf seinen Geräten nutzen. Dazu gehört auch der beliebte Kartendienst Google Maps. Mit den Karten, Verkehrsinformationen und der Navigationssoftware von TomTom kann Huawei nun eigene Apps für seine Smartphones entwickeln.

Die Niederländer erscheinen insofern als ein geeigneter Partner als sie bereits seit Jahren eigene Karten, Navigationssoftware und Live-Verkehrsdaten einsetzen und auf diesem Gebiet über entsprechende Erfahrung verfügen.

Kein 5G-Netz in Deutschland ohne Huawei

TomTom läuft allerdings Gefahr, wegen der Zusammenarbeit mit Huawei selbst von den Amerikanern mit einem Boykott belegt zu werden. In Deutschland ist eine Zusammenarbeit mit Huawei erlaubt.

So bestätigte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) im Gespräch mit der "FAZ", dass der chinesische Telekommunikationsausrüster nicht generell vom Ausbau des deutschen 5G-Netzes ausgeschlossen werde: "Ich bin dagegen, ein Produkt aus dem Markt zu nehmen, nur weil die Möglichkeit besteht, dass etwas passieren könnte."

Seehofer sagte weiter, würde man chinesische Anbieter ausschließen, würde sich der Netzaufbau um fünf bis zehn Jahre verschieben. "Ich sehe nicht, dass wir ein 5G-Netz in Deutschland ohne Beteiligung von Huawei kurzfristig errichten können."

Huawei

Huawei. | Bildquelle: Imago

Christdemokraten uneins

Wenn erforderlich, könnten noch zusätzliche Sicherheitsnetze eingezogen werden. Bei dem Thema sei er sich "ganz einig mit der Bundeskanzlerin", so Seehofer. Die hatte sich gegen eine Sonderregelung nur für Huawei eingesetzt. Unter den Christdemokraten gibt es aber Bestrebungen, Huawei vom deutschen 5G-Markt fernzuhalten. Bereits seit Monaten wird darüber diskutiert, ob der Konzern vom 5G-Ausbau in Deutschland ausgeschlossen werden sollte.

lg/rtr