HSBC-Schriftzüge

Gewinn unter Erwartungen HSBC enttäuscht Bankenbranche

Stand: 19.02.2019, 07:47 Uhr

Eine schwache Gewinn- und Erlösausbeute bei der britischen Großbank lastet auf der ganzen europäischen Bankenbranche. Auch Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank rutschen ab, weil HSBC beim Quartalsergebnis gepatzt hat.

Bei Papieren der Deutschen Bank geht es am Nachmittag um rund drei Prozent bergab. Papiere der Commerzbank im MDax büßen rund vier Prozent ein. Das Zahlenwerk der britischen Bank mit internationaler Aufstellung hat die Analysten und Anleger nicht begeistert. HSBC-Aktien rutschen in London fast fünf Prozent ab und steuern damit auf den größten Tagesverlust seit rund zwei Jahren zu.

Deutlich mehr Gewinn erwartet

Die britische Großbank hat 2018 einen zweistelligen Milliarden-Gewinn vor Steuern eingefahren und trotzdem die Erwartungen des Kapitalmarktes nicht erfüllen können. Wie das Institut am Dienstag in London mitteilte, legte das Ergebnis im Jahresvergleich von 17,2 auf 19,9 Milliarden Dollar zu. Von der früheren Thomson-Reuters-Datensparte Refinitiv befragte Analysten hatten allerdings im Schnitt einen Vorsteuergewinn von 22 Milliarden Dollar prognostiziert.

Die Aktie kam aber auch unter Druck weil der seit gut einem Jahr amtierende Vorstandschef John Flint wegen des nahenden Brexits und der Konjunkturabkühlung in China deutlich die Hoffnungen für das laufende Jahr bremst. Vor allem das Geschäft im Reich der Mitte bereitet Flint einiges Kopfzerbrechen. Flint kündigte nun an, dass HSBC möglicherweise geplante Investitionen zurückfahren werde. Im Juni hatte er noch erklärt, in den kommenden drei Jahren 15 bis 17 Milliarden Dollar in neue Technologie und den chinesischen Markt investieren zu wollen. HSBC macht mehr als drei Viertel seiner Profite in China.

US-Geschäft soll belebt werden

Flint war im Februar vergangenen Jahres als Nachfolger von Stuart Gulliver an die Spitze von HSBC gerückt. Strategisch hält er die Bank seitdem auf einem ähnlichen Kurs mit einem starken Fokus auf China. Im Gegensatz zu Gulliver will er allerdings das Geschäft in den USA wieder stärker beleben und legt zugleich weniger Gewicht auf das klassische Investmentbanking.

Gegenwind spürt die Bank wie andere britische Häuser auch wegen des bevorstehenden Ausstiegs Großbritanniens aus der EU und der andauernden Unsicherheit, wie der für Ende März geplante Brexit konkret ablaufen wird. Flint warnte wie andere Top-Banker auch davor, dass die Unklarheit über den Brexit die Konjunktur massiv belasten und die Gewinne von Unternehmen und Banken aufzehren dürfte. "Je länger wir diese Unsicherheit haben, desto schwieriger ist es für unsere Kunden. Diese verschieben gerade definitiv Investitionsentscheidungen und das macht ganz klar einen Teil der Konjunkturabkühlung aus, die wir in Großbritannien zuletzt gesehen haben."

AB