John Flint
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"Änderung erforderlich" HSBC-Boss Flint tritt überraschend zurück

Stand: 05.08.2019, 15:10 Uhr

Nach nur eineinhalb Jahren an der Spitze der britischen Großbank HSBC räumt Vorstandschef John Flint bereits wieder seinen Posten. Außerdem streicht der Konzern etwa 4.000 Arbeitsplätze - trotz Riesengewinn im ersten Halbjahr.

HSBC bekommt überraschend eine neue Führung. Vorstandschef John Flint ist nach nur rund eineinhalb Jahren von der Spitze der größten europäischen Bank zurückgetreten. Die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin habe begonnen, könne jedoch bis zu einem Jahr dauern. Der Leiter der Welthandelsabteilung, der 57-jährige Noel Quinn, soll den Posten übergangsweise übernehmen, teilte die Bank mit.

Der Schritt sei „im Einvernehmen“ mit dem Aufsichtsrat erfolgt, erklärte die Bank. Angesichts des herausfordernden globalen Umfelds sei „eine Änderung erforderlich, um die vor uns liegenden Herausforderungen zu bewältigen“, erklärte Aufsichtsratschef Mark Tucker.

Mit einer neuen Person an der Spitze sollen zusätzliche strategische Prioritäten schneller angegangen werden. Insbesondere das US-Geschäft schwächelt seit Jahren. Das Ziel einer Eigenkapitalrendite von sechs Prozent im Jahr 2020 sei wohl nicht mehr erreichbar. Während Tucker bei der Umsetzung der Strategie insgesamt aufs Tempo drückte, galt Flint eher als moderat.

4.000 Stellen sollen weg

Darüber hinaus will die britische Großbank rund zwei Prozent der Jobs streichen, kündigte Finanzchef Ewen Stevenson an. Das wären etwa 4.000 Arbeitsplätze. Der Stellenabbau treffe vor allem Führungskräfte und werde die Bank bis zu 700 Millionen Dollar an Abfindungen kosten.

Die Bank begründete den Schritt mit Umstrukturierungsmaßnahmen. Ob er mit dem Rücktritt Flints zusammenhängt, ist allerdings unklar.

Aktienmarkt reagiert verschnupft

An der Börse führte der Rücktritt Flints zu Kursverlusten. Die Aktie der Bank mit einer starken Asien-Ausrichtung gab in Hongkong bis zu knapp zwei Prozent nach, konnte sich dann aber etwas erholen. Auch auf Xetra rutschte das Papier am Nachmittag um fast drei Prozent ab.

Damit baute das Papier das Minus der vergangenen Wochen aus - daran konnten auch die Ankündigung eines weiteren Aktienrückkaufs sowie erneut hohe Gewinne nichts ändern.

Flint hatte die Leitung der größten europäischen Bank im Februar 2018 vom langjährigen Chef Stuart Gulliver übernommen und den Konzern auf Wachstum ausgerichtet. Bis 2020 will die Bank 15 bis 17 Milliarden US-Dollar investieren, um ihr Geschäft weiter zu stärken. Das Geld soll vor allem nach Asien und in neue Technologien fließen.

Risikofaktor No-Deal-Brexit

Im ersten Quartal hatten glänzende Geschäfte in Asien der Bank einmal mehr einen Milliardengewinn beschert. In den ersten drei Monaten des Jahres war das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern um knapp zehn Prozent auf 6,35 Milliarden Dollar (5,7 Milliarden Euro) gestiegen. Mit etwas mehr als fünf Milliarden Dollar kam dabei der Löwenanteil aus Asien.

HSBC-Zentrale in London

HSBC-Zentrale in London. | Quelle: picture-alliance/dpa

Und auch das gesamte erste Halbjahr lief für HSBC richtig gut: Das Ergebnis vor Steuern legte um 16 Prozent auf 12,4 Milliarden Dollar zu. Die Einnahmen wuchsen um etwa acht Prozent auf rund 29,4 Milliarden Dollar.

Allerdings hatte die Bank vor einem komplexen und herausfordernden Umfeld gewarnt und sinkende US-Zinsen, den globalen Handelskrieg sowie die Aussicht auf einen No-Deal-Brexit als Risikofaktoren für das Geschäft genannt.

ts/tb/dpa/rtr