Berichtssaison deutscher Unternehmen 1. Quartal

Aktienmärkte verdauen Corona-Crash Horrorquartal mit Hoffnungsschimmer

Stand: 31.03.2020, 14:31 Uhr

Der "schwarze Schwan" namens Corona hält die Welt Ende des ersten Quartals weiter in Atem. Eine Entwarnung bei der Ausbreitung der Virusseuche ist nicht in Sicht. An den Aktienmärkten berappeln sich die Kurse mühsam. Die Erholung scheint weiterhin brüchig.

Trotz der relativen Erholung in den vergangenen Handelstagen: Das Minus im Dax liegt per Ende März noch immer bei rund 24 Prozent. Auch in der zweiten Reihe deutscher Aktien herrschen heftige Verluste: Der MDax notiert 26 Prozent unter seinem Jahresstart-Niveau. Beim SDax beträgt der Abschlag 27 Prozent.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate
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Immerhin haben sich die Indizes von ihren Tiefstständen im Verlauf der bisherigen Corona-Krise schon ein gutes Stück entfernt. Der Dax etwa hat am 16. März mit 8.265 Zählern schon einmal fast 1.800 Punkte tiefer notiert. Passend zum Quartalsende hat der Leitindex die wichtige Marke von 10.000 Punkten erneut kurzzeitig übersprungen.

Dreht in China der Wind?

Die Hoffnung besteht, dass dieses Niveau ungefähr auch gehalten werden kann. Für Zuversicht sorgt am Ende des ersten Quartals ausgerechnet China, von wo aus die Corona-Katastrophe ihren Ausgang nahm. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für die chinesische Industrie schnellte im März auf 52 Punkte nach oben von einem Rekordtief von 35,7 Prozent im Februar. Damit signalisiert das Barometer wieder Wachstum. In China haben viele Unternehmen nach der Corona-Zwangspause ihre Produktion wieder aufgenommen.

Der konjunkturelle Verlauf in China ähnelt laut Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP Bank, einem V, auf einen scharfen wirtschaftlichen Einbruch folge eine beachtliche Erholung. "Die Entwicklungen in China zeigen aber auch, was noch vor uns liegt." Die Einschränkungen in der Volksrepublik hätten im Januar begonnen, erst jetzt finde die Wirtschaft zu Normalität zurück. "Für Europa und die USA bedeutet dies: Die Durchquerung des Tals der Tränen dauert länger, als man vielerorts wahr haben möchte."

Seuche noch lange nicht im Griff

Das dürfte umso mehr gelten, als in Europa und den USA die Infiziertenzahlen und die Todesziffern weiter kaum gehemmt ansteigen. Erst in einigen Wochen dürfte eine Abflachung der Kurven erreicht werden können.

Experten bleiben sich derweil uneins, wie lange die Warteschleife für die Volkswirtschaften noch dauern wird. Die WHO hat selbst für Asien eine weitere Ausbreitung von Corona für wahrscheinlich erklärt. Milan Cutkovic von AxiTrader äußert die Hoffnung, "dass auch Europa dank der strikten Maßnahmen bald den Höhepunkt der Pandemie erreichen wird". Skeptischer beurteilt HSBC-Marktstratege Alastair Pinder die Lage: Die Anleger sollten sich angesichts der Beruhigung nach dem Corona-Crash nicht zu sehr in Sicherheit wähnen. Auch wenn die Kurserholung bei Investoren Optimismus geweckt habe, dass das Schlimmste vorbei sei, sollte noch nicht von einer Bodenbildung gesprochen werden.

Von einer Rezession, weltweit, aber auch in Deutschland und der Eurozone gehen alle Volkswirte in den kommenden Monaten aus. Unklar bleibt, wie weit der Rückgang der Wirtschaftsleistung gehen wird, und wie lange eine Erholung auf das Ausgangsniveau dauern kann.

Viele Verlierer, einige Gewinner

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate
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Die Corona-Krise hat auch die deutschen Aktienindizes wie selten in klare Kursverlierer und einige "Gewinner" der Entwicklung gespalten. Im Dax etwa haben als defensiv geltende Aktien sich nicht ganz unerwartet besser geschlagen als der Gesamtmarkt. Dazu gehören Versorger wie Eon, Konsumtitel wie Beiersdorf oder Gesundheitsaktien wie Merck oder FMC. Gigantische Verluste mussten Papiere die die Lufthansa oder der Triebwerkshersteller MTU hinnehmen.

In der zweiten Reihe deutscher Titel gab es sogar klare "Krisengewinner" wie den Kochboxenversender HelloFresh aus dem MDax oder den Hersteller von Beatmungsgeräten Drägerwerk aus dem SDax. Dafür kamen Papiere wie der Elektronikmarkt-Betreiber Ceconomy (SDax) oder die Airbus-Aktie im MDax gewaltig unter Druck (s. unsere Chartserien). Klar ist am Ende des ersten Quartals vor allem eins: Die Zukunft, auch der Aktienmärkte, bleibt ungewiss.

AB