Ausblick 2019 Dax

2019 könnte turbulent werden Holprige Aussichten für den Dax

Stand: 28.12.2018, 17:45 Uhr

Stürmische Zeiten am deutschen Aktienmarkt: Erstmals seit 2011 hat der Dax dieses Jahr mit Verlusten beendet. Für 2019 sind die Aktienstrategen der Banken aber wieder etwas optimistischer. Sie warnen aber vor einem turbulenten Jahr.

Selten waren die Börsen-Experten bei ihren Dax-Prognosen so unsicher wie diesmal. "Die Prognose ist so schwierig wie seit langem nicht", räumt Stefan Schneider, Deutschland-Chefvolkswirt der Deutschen Bank ein. Das Brexit-Chaos, die italienische Schuldenkrise und der chinesisch-amerikanische Handelsstreit schweben wie ein Damoklesschwert über den Märkten. Sollte einer dieser Probleme eskalieren, würde die Deutsche Bank deutlich pessimistischer.

"Es wird ruppiger"

Ein Mikrofon und ein Mann mit weißem Hemd und weiß-blau gestreifter Krawatte
Audio

Erwartungen der Börsianer an 2019

Auch andere Aktienstrategen sind vorsichtig "Es wird ruppiger an den Börsen", prophezeit Chefstratege Christian Gattiker-Ericsson von der Schweizer Bank Julius Bär. Er erwartet höhere Kursschwankungen, weil die Vorhersehbarkeit der Fed-Zinspolitik abnehme. In der Regel würden mit zwei Jahren Verzögerung die Zinserhöhungen am Aktienmarkt durchschlagen - also 2019.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.931,24
Differenz relativ
+0,36%

Ab Mitte des Jahres könnte sich das Umfeld für Aktien eintrüben. Dann nämlich "dürfte die Großwetterlage an den Finanzmärkten drehen, weil sich die ersten Anleger auf den Abschwung vorbereiten", meint Uwe Burkert, Chefvolkswirt von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Mehrere Ökonomen stellen sich auf eine Rezession in den USA 2020 ein. Umstritten ist, wie stark diese ausfällt. David Kohl, Deutschland-Chefvolkswirt von Julius Bär, prognostiziert eine "milde Rezession".

Unsicherheitsfaktor Italien

Für Turbulenzen könnte auch Italien sorgen. 2019 hat das Land einen hohen Refinanzierungsbedarf. Der Staat, Unternehmen  und Banken müssen sich zu 300 Milliarden Euro refinanzieren. Sollte die Nachfrage nach italienischen Anleihen abnehmen und die Renditen nach oben schnellen, könnte es brenzlig werden. Joachim Schallmayer, Aktienstratege der Deka Bank, sieht die Italien-Krise als die größte Gefahr für die Märkte im ersten Halbjahr. Wegen der Unsicherheit um den europäischen Dauer-Patienten könnte der Dax im ersten Halbjahr auf bis 10.500 Punkte abrutschen, meint Schallmayer. Danach dürfte der Leitindex wieder zulegen - auf 12.000 Punkte bis zum Jahresende.

Deutsche Bank optimistisch...

Insgesamt sehen die meisten Börsen-Experten für den Dax noch Potenzial nach oben. Die Deutsche Bank rechnet mit einem Kursanstieg auf 12.300 Zähler. Sehr optimistisch ist die Helaba: Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank, sieht den Dax bis Ende 2019 bei 13.200 Punkten. Das wäre ein Plus von über 20 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Die Berenberg Bank hält sogar einen Sprung auf bis 13.490 Zähler bis Ende Juni für möglich.

Laut einer Umfrage des "Handelsblatts" trauen Analysten und Volkswirte im Durchschnitt dem deutschen Leitindex Dax einen Anstieg auf 12.053 Punkte. Das wäre ein Plus von über 14 Prozent gegenüber dem Jahresschluss-Stand von 2018.

... UniCredit und SocGen warnen

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
Audio

Börse 19.00 Uhr: Trübes Jahresende an der Börse

Diesen Optimismus teilen die Experten der italienischen UniCredit nicht. Zwar prophezeit Aktienstratege Christian Stocker steigende Aktienkurse, aber seiner Meinung nach könnte der Dax im Laufe des Jahres durchaus bis 9.500 Punkte fallen. In einem Umfeld mit nachlassendem Wirtschaftswachstum und politischen Unsicherheit könnten die Börsen die unteren Grenzen testen. Stocker warnt: "2019 wird ein weitgehend unattraktives Jahr für Aktien." Noch pessimistischer sind die Auguren der Société Générale. Die Franzosen sehen den Dax Ende nächsten Jahres bei 10.000 Punkten.

Und welche Branchen oder Aktien bevorzugen die Anlagestrategen? Die Experten der BayernLB setzen auf defensive Sektoren wie Gesundheits-, Versorger- und Telekom-Titel. Die Deutsche Bank favorisiert die Bau-, Werkstoff-, Öl- und Gasbranche sowie die Finanzdienstleister. Und Julius Bär rät zu weniger zyklischen und defensiven Aktien. Als besonders attraktiv sieht Stratege Gattiker-Ericsson den Healthcare-Bereich und die Anbieter der digitalen Gesundheit.

Prognosen für 2018 lagen voll daneben

Wie sehr man den Prognosen der Dax-Auguren trauen kann, zeigt das Börsenjahr 2018. Die meisten Experten rechneten mit einem Kursanstieg. Die Deutsche Bank, die Commerzbank und die DZ Bank sahen Potenzial im Dax für bis 14.000 Punkte oder mehr. Tatsächlich wird der deutsche Leitindex 2018 erstmals seit sieben Jahren mit Verlusten schließen. Der Dax ist um 18,3 Prozent abgesackt. Am nächsten mit seiner Prognose kam noch Markus Reinwand von der Helaba. Er sagte einen Kursrückgang von 600 Punkten auf 12.300 Zähler voraus. Jetzt liegt der Dax bei knapp unter 10.600 Punkten.

1/7

Die Dax-Prognosen der Banken Von 9.500 bis 13.200 Punkte

Dr. Ulrich Stephan

Ulrich Stephan (Deutsche Bank)
Die Deutsche Bank zeigt sich vorsichtig optimistisch. Anlagestratege Ulrich Stephan traut dem Dax einen Sprung auf 12.300 Punkte bis zum Jahresende zu. Allerdings nur unter dem Vorbehalt, dass es beim Brexit, bei Italien und beim chinesisch-amerikanischen Handelsstreit nicht zu einer Eskalation kommt.