HolidayCheck-Website mit einer Lupe davor

HolidayCheck auf neuer Reise "Wollen das urlauberfreundlichste Unternehmen werden!"

von Notker Blechner

Stand: 13.04.2018, 10:30 Uhr

Die ehemalige Tomorrow Focus AG hat sich 2016 in HolidayCheck umbenannt und konzentriert sich nun ganz auf Reisen. Bisher hat sich die Strategie-Änderung noch nicht ausgezahlt. Gegenüber boerse.ARD.de stellt der Vorstand aber einen baldigen Turnaround in Aussicht.

Wer hätte das gedacht, dass aus der kleinen Tomorrow Internet AG in Hamburg eines Tages Deutschlands führendes Online-Reisebewertungsportal wird? Als der "Milchstraßen"-Verleger Dirk Manthey die "TIAG" in Hamburg gründete, setzte er auf eine Mischung von Internet, Immobilien, Finanzen und Film. Doch der Crash am Neuen Markt und der Niedergang der "New Economy" bremsten die hochfliegenden Pläne der Tomorrow-Manager. 2001 retteten sich die Hamburger in eine Fusion mit Focus Digital. Aus Tomorrow wurde Tomorrow Focus mit Sitz in München.

Vom Gemischtwarenladen...

Die Geschäftsfelder wurden erweitert - um Partnervermittlung (ElitePartner), Gesundheit (Jameda) und… Reisen. 2006 übernahm Tomorrow Focus die 1999 von Studenten gegründete HolidayCheck. Ein paar Jahre später ging die Internet-Firma mit der "Huffington Post" eine Partnerschaft ein und startete einen deutschen Ableger.

Doch 2015 kam es zum Strategiewechsel. Tomorrow Focus gab sein Medien-Geschäft auf und veräußerte die Nachrichtenseiten, darunter die deutsche "Huffington Post" an die Konzernmutter Burda. Das Single-Verkupplungsportal ElitePartner und das Arztbewertungsportal Jameda wurden ebenfalls verkauft. Das nun schuldenfreie Unternehmen wurde daraufhin umbenannt in HolidayCheck.

... zum reinen Reiseportal-Betreiber

Seither konzentriert sich die Internet-Firma ganz auf Reisebewertung und -buchung. Der neue Vorstandschef Georg Hesse sieht hier enormes Potenzial. Alleine in Deutschland hat "der Pauschalreisemarkt hat ein Volumen von 16 Milliarden Euro", rechnet der frühere Amazon-Manager vor. Erst ein Drittel des Volumens entfalle auf die Online-Vermittlung. "Die digitale Revolution hat hier noch nicht ganz stattgefunden", sagt er gegenüber boerse.ARD.de. Bei Flügen sei der Online-Anteil schon wesentlich höher.

Bereits jetzt sieht sich HolidayCheck als größter Online-Vermittler von Pauschalreisen im deutschsprachigen Raum. "Wir haben eine riesige Community von Urlaubern, die auch bei uns buchen", sagt Vorstandschef Hesse. Die Internet-Firma vergleicht und vermittelt Angebote von Reiseveranstaltern - und kassiert dafür eine Provision. 80 Prozent der Erlöse kommen derzeit aus den Provisionen, erklärt Finanzchef Markus Scheuermann.

Die HolidayCheck-Manager preisen ihre Plattform für Reisebewertungen und -buchungen als "einzigartige Kombination" in der Branche. Zudem hat die Firma in den vergangenen Monaten eine Art Reisebüro-Servicecenter mit über 100 Mitarbeitern aufgebaut, die den Internetkunden bei Fragen zur Seite stehen.

Verlust fast verdoppelt

Doch noch hat sich die Fokussierung auf das Reisegeschäft ausgezahlt. 2017 verdoppelte sich der Verlust auf 5,9 Millionen Euro - trotz einer zweistelligen Umsatzsteigerung um über 13 Prozent auf 107,3 Millionen Euro. Auch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) schrumpfte dramatisch auf 0,2 Millionen Euro - nach 2,8 Millionen Euro im Vorjahr. Die Manager der Online-Reise-Firma begründen dies mit Investitionen in den Servicecenter, die Technologie und eine große Marken-Kampagne. "Wir waren in der Vergangenheit profitabler", räumt Vorstandschef Hesse gegenüber boerse.ARD.de ein. Nun aber habe man die Altlasten beseitigt.

HolidayCheck Group-Chef Georg Hesse

HolidayCheck Group-Chef Georg Hesse. | Bildquelle: Unternehmen

In diesem Jahr soll sich deshalb das Ergebnis deutlich verbessern. Ob es zum Turnaround 2018 reicht, will und kann Hesse nicht sagen. "Mittel- und langfristig peilen wir eine Ebitda-Marge von 15 Prozent an", bei einem zweistelligen Umsatzwachstum. "Wir sind sehr zuversichtlich, was die Profitabilität angeht", sagt er.

Einstieg ins Kreuzfahrtgeschäft

Als neues Nischensegment will HolidayCheck nun auch das Kreuzfahrt-Geschäft erschließen. Die Branche wuchs zuletzt um zehn Prozent und hat alleine im deutschsprachigen Raum ein Marktvolumen von vier Milliarden Euro. Bei Online-Buchungen sei die Kreuzfahrt-Branche noch unterentwickelt, sagt HolidayCheck-Chef Hesse.

Der Ex-Amazon-Manager, der jetzt das Online-Reiseportal steuert, hat eine große Vision. "Wir wollen das urlauberfreundlichste Unternehmen der Welt werden", verkündet er vollmundig. HolidayCheck werde das Geschäft noch stärker rückwärts vom Kunden aufbauen - ähnlich wie Amazon.

Keine Expansion nach China oder Amerika

Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Mit den großen Online-Giganten Amazon, Google & Co will HolidayCheck freilich nicht konkurrieren. Eine Expansion außerhalb Europas kommt für die Reisefirma nicht in Frage. "Vom China- und USA-Geschäft lassen wir die Finger weg", sagt Hesse. "Wir wollen die Besten für die deutschen Pauschalreiseurlauber sein."

Den wachsenden Wettbewerb durch TripAdvisor, Expedia und Check24 sieht Hesse gelassen. "Es gibt keinen da draußen, der eine ähnliche Plattform aufgebaut hat - das ist sehr schwer zu kopieren." Tatsächlich tummeln sich immer mehr Online-Portale im Reisebewertungs-Markt. TripAdvisor prescht immer mehr in den Buchungsbereich vor.

Tui, Thomas Cook & Co bauen Online-Geschäft aus

Zudem bauen auch die etablierten Reiseveranstalter wie Tui und Thomas Cook (Neckermann) ihr Online-Geschäft und ihre Service-Angebot zunehmend aus. Die Internet-Suchmaschinen würden von vielen Leuten völlig überbewertet, weil sie eindimensional die Angebote nur nach dem Preis sortieren, meint Stefanie Berk, Deutschland-Chefin von Thomas Cook: "Wollen die Kunden das wirklich?" Viel wichtiger sei es, dass ein Reiseveranstalter seine Leistung wieder mehr in den Vordergrund stellt und die Erwartungen erfüllt. Cook bietet unter anderem eine "Mein-Zimmer-Option" bei Pauschalreisen an. Der Kunde kann sein Wunschzimmer auswählen.

Als Totengräber der stationären Reisebüros sieht sich HolidayCheck nicht. Die Reisebüros würden auf Dauer nicht verschwinden, glaubt Manager Hesse. Allerdings werden nur die überleben, die einen sehr guten Service machen und sich vom Internet abheben.

Aktie dümpelt unter drei Euro

HolidayCheck: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 5 Jahre
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Sorgen macht dem HolidayCheck-Vorstand der Aktienkurs. Seit Monaten dümpelt er unter drei Euro. Auf Ein-Jahres-Sicht legte er nur rund fünf Prozent zu. Vor drei Jahren lag der Kurs noch bei über fünf Euro. "Es gab viel Veränderung. Wir können nachvollziehen, dass der Kapitalmarkt vorsichtiger auf uns draufschaut", sagt er. "Aber das löst sich über Zeit: Wenn wir verlässlich immer bessere Ergebnisse liefern, wird der Kurs anziehen und sich dauerhaft auf einem anderen Niveau bewegen", glaubt Hesse.

HolidayCheck ist im Prime Standard notiert. Hauptaktionär ist Burda mit einem Anteil von 58,6 Prozent. Der Streubesitz liegt bei knapp 36 Prozent.

Auftrieb könnte die gute Reisekonjunktur geben. Auch in diesem Jahr werden die Deutschen noch mehr Geld für Urlaub ausgeben. Gefragt sind weiterhin Spanien und Griechenland. Aber auch Ägypten und die Türkei erleben ein Comeback.