händler an der New York Stock Exchange

Sell in May Hohe Arbeitslosigkeit lähmt die Wall Street

Stand: 01.05.2020, 16:11 Uhr

Nach dem für Anleger stärksten April seit Jahrzehnten beginnt der Mai an der Wall Street mit einer Verkaufswelle. Vor allem die kritische US-Konjunkturlage müssen die Investoren erst einmal verdauen, auch Gewinnmitnahmen spielen eine Rolle.

Die Wall Street hat die jüngsten negativen Konjunkturdaten noch nicht weggesteckt: Der Dow Jones eröffnet um fast zwei Prozent tiefer, auch Nasdaq und S&P 500 fallen weiter zurück. Bereits gestern war der Dow Jones mit einem Abschlag von 1,2 Prozent aus dem Handel gegangen. Der Londoner FTSE gibt ebenfalls fast zwei Prozent nach, an den meisten anderen Börsen in Europa wird heute nicht gehandelt.  

Der deutsche Leitindex Dax hatte zuvor noch deutlich schlechter abgeschnitten. Der Start in den Mai ist in den USA damit wohl misslungen, dabei liegt gerade der beste April für den Dow Jones seit mehr als 80 Jahren hinter den Investoren.  

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.570,10
Differenz relativ
-2,81%
Nasdaq Composite: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.004,87
Differenz relativ
-3,73%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.282,97
Differenz relativ
-2,78%

Hohe Arbeitslosigkeit, kein Geld zum Shoppen  

Die gestern publizierten Zahlen der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe entfalten noch große Wirkung. Seit Ausbruch der Virus-Krise haben rund 30 Millionen Amerikaner ihren Job verloren. Parallel dazu brachen die US-Konsumausgaben im März um überraschend kräftige 7,5 Prozent ein. Aufgrund des sich verschlechternden Arbeitsmarktes bleibt die Konjunkturperspektive noch getrübt", sagte Analyst Partick Bolt von der Helaba.

Diese Zahlen seien Ausdruck der Beschränkungen, die im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie verhängt wurden, sagte Portfoliomanager Matt Stucky vom Vermögensverwalter Northwestern Mutual. Die Kauflaune der Verbraucher gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.  

Analyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets meint ferner, viele kurzfristig orientierte Spekulanten dürften nach der Erholung der Kurse seit Mitte März nun erst einmal Kasse machen.

Trump macht Politik

Händler verwiesen zudem auf eine zuletzt wieder verschärfte Rhetorik des US-Präsidenten Donald Trump in Richtung China wegen der Coronavirus-Krise. Das habe Sorgen in puncto eines erneuten Hochkochens des Zollstreits geweckt. So berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person, dass Trump erwäge, einem Pensionsfonds der Regierung Investitionen in chinesische Aktien zu verbieten.

US-Präsident Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: imago images / ZUMA Press

Bei den Einzelwerten stehen zunächst die Titel von Apple und Amazon zunächst auf den Verkaufslisten. Apple hatte stärkere Zahlen als erwartet präsentiert, trotzdem fallen die Aktien im allgemeinen Abwärtstrend um rund ein Prozent zurück, drehen dannn aber in die Gewinnzone.

Und Amazon?  Die Corona-Krise beschert dem Online-Händler zwar einen regen Kundenzustrom, führt aber auch zu höheren Ausgaben - etwa aufgrund einer Einstellungsoffensive wegen des Kundenansturms. Der Konzern warnte nun vor zusätzlichen Sonderkosten, die Aktie büßt mehr als sechs Prozent ein.

Für die Papiere von Chevron und Exxon ging es nach Zahlen ebenfalls abwärts. Chevron streicht im Zuge der Corona-Krise und fallender Rohölpreise die Investitionen erneut zusammen. Die Anteilsscheine des Branchenkollegen ExxonMobil fallen auch zurück. Der Ölpreiseinbruch hatte dem Konzern im ersten Quartal einen dicken Verlust eingebrockt.

ts