Hochtief bietet um Abertis

Vor der Abertis-Übernahme Hochtief mit flottem Jahresstart

Stand: 07.05.2018, 18:47 Uhr

Der Essener Baukonzern Hochtief aus dem MDax will mit der spanischen Konzernmutter ACS im Rücken für Milliarden zukaufen. Da passt es gut, dass man operativ gut ins neue Jahr gestartet ist.

Steigende Gewinne geben dem Baukonzern Hochtief Rückenwind auf den letzten Metern zur Übernahme des spanischen Mautstraßen-Betreibers Abertis. Das um Einmaleffekte bereinigte operative Konzernergebnis stieg im ersten Quartal um 13,9 Prozent auf 106,3 Millionen Euro, wie der Konzern am Montag nach Börsenschluss in Essen mitteilte. Unter dem Strich und nach Anteilen Dritter verdiente Hochtief 97,9 (Vorjahr: 88,3) Millionen Euro.

Der Umsatz kletterte um zwei Prozent auf knapp 5,3 Milliarden Euro. Bereinigt um Wechselkurseffekte wären die Erlöse um 16 Prozent gestiegen. Aufgrund der gut gefüllten Auftragsbücher und guter Aussichten auf weitere Bestellungen bleibt das im MDax notierte Unternehmen optimistisch für das laufende Jahr. Für 2018 peilt Hochtief weiterhin einen um Sondereffekte bereinigten Konzerngewinn von 470 bis 520 Millionen Euro an.

Starker Euro belastet

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Was viele angesichts der momentanen Euro-Schwäche vergessen. Die Gemeinschaftswährung war im ersten Quartal bärenstark, im Februar stand der Kurs bei etwas über 1,25 Dollar. In Nordamerika lief das Geschäft operativ gut, in Australien aber zehrten Währungsverluste fast den gesamten Gewinnzuwachs wieder auf. Auch wegen des schwachen Dollar sanken die Auftragseingänge im Konzern um knapp zehn Prozent auf 6,75 Milliarden Euro.

Alle Augen auf Abertis

Aber im Moment dreht sich bei Hochtief und der spanischen Mutter ACS alles um die geplante Übernahme des spanischen Mautstraßenbetreibers Abertis - ein Milliardendeal. Hochtief will die Abertis-Übernahme bis zum Herbst in trockene Tücher bringen. Die Annahmefrist der aktuellen Hochtief-Offerte läuft bis zum 8. Mai, ist das Angebot erfolgreich, wird sein Vollzug bis Mitte Mai erwartet. Im dritten Quartal soll die Übernahme dann abgeschlossen werden.

Die italienische Atlantia und Hochtief mit der Konzernmutter ACS im Rücken hatten im vergangenen Jahr zunächst konkurrierende Offerten für Abertis vorgelegt. Im März hatten sie sich dann für ein gemeinsames Vorgehen entschieden, um eine milliardenschwere Übernahmeschlacht zu vermeiden.

Hochtief hat eine Bar-Offerte für Abertis in Höhe von 18,36 Euro je Abertis-Aktie auf den Tisch gelegt. 18,2 Milliarden Euro werden für das Übernahmeangebot benötigt. Abertis soll dann in einer Holding aufgehen, an der Atlantia mit 50 Prozent plus einer Aktie die Mehrheit hält. ACS kommt auf 30 Prozent, Hochtief auf 20 Prozent der Anteile.

Aktie zuletzt etwas nachgebend

Wohl dem, der mittelfristig auf Hochtief gesetzt hat. Schon seit dem Ende der Eurokrise geht es unaufhaltsam bergauf mit dem Papier, von Kursen um 40 Euro bis auf über 172 Euro vor fast genau einem Jahr. Seitdem konsolidiert die Aktie auf hohem Niveau um die Marke von 150 Euro. Am Montag schloss das Papier 2,31 Prozent höher bei 154,80 Euro. Im Späthandel tendiert die Aktie wenig verändert. Der spanische Mutterkonzern ACS (hält über 71 Prozent) hält morgen seine Hauptversammlung ab. Der Streubesitz liegt für das im MDax enthaltene Papier bei etwas über 25 Prozent, den Rest halten institutionelle Anleger.

rtr/dpa/rm